Punk is dead! Stimmt das? (2008)
Ort: Štuk, Maribor
Konzertdatum: 21.04.2008
Besucherzahl: 70
Ticketpreis: 12 € im Vorverkauf, 15 € an der Abendkasse
„Punk is dead!“
Die Antwort auf diese Behauptung haben wir am Dienstag, dem 22. April (dem Tag der Erde), im Štuk in Maribor gesucht. Obwohl das eines meiner meistersehnten Konzerte dieses Aprils war, war die Enttäuschung beim Ankommen vor dem Štuk unbeschreiblich. Dass am selben Abend im Zentrum von Maribor auch die traditionelle Cvičkarija stattfand, ließ sich nicht ignorieren, denn dadurch waren im Štuk entsprechend weniger Leute. Schade, denn es gibt nicht jeden Tag die Chance, für knappe 12 € fünf großartige Bands auf einer Bühne zu sehen, von denen noch einiges zu erwarten ist. Das Konzert war ursprünglich für zwanzig Uhr angekündigt, aber um diese Zeit waren laut Erzählungen nur eine Handvoll Leute vor dem Štuk. Und auch kurz nach einundzwanzig Uhr, als ich allein dort aufschlug, sah es nicht anders aus.
Zeroscape legten also um 21:30 Uhr vor zwölf Leuten los. Traurig, denn die Jungs verweben spannend Reggae, Screamo-Punk und Metal. Definitiv hörenswert (übrigens: Auf Einladung von Leaf-fat haben die Jungs am Donnerstag, dem 24. April, auch als Vorband im Orto bar gespielt). In ihren gut fünfunddreißig Minuten Auftritt zockten sie uns vor allem Songs von ihrer letzten Platte „…And If This Is The End I Will“, darunter der größte Kracher „Uncle Bush Wants You“. Ich glaube, zu diesem Song muss ich nichts Besonderes schreiben, denn der Titel sagt schon alles. Aber auch „Till Death Do Us“, „Skunk And Live“, „And This Is The End I Will“, „Outnumbered“. Binski brachte mit seinem interessanten Gesang die paar Anwesenden (wenn schon nicht die Nüchternen) ziemlich schnell zum Wackeln. Ich versteh nicht, wie man auf einem Punkrock-Konzert stillstehen kann, wenn bei so einer Mucke die Haut kribbelt. Nicht vor Schreck, sondern vor lauter Genuss.
Als Zweite enterten um 22:20 Uhr die Lokalmatadoren Multiball die Bühne, die gerade mal erwähnenswerte fünfzehn Minuten spielten. Einer der Gründe: Die Jungs sind in abgespeckter Besetzung unterwegs. Jan hat wegen einer Verletzung die Drums an Matej abgegeben, sonst Drummer bei Killing Option. Der hat seinen Job wie schon am Vortag im Orto bestens erledigt (den Konzertbericht von Vanilla Sky und Multiball aus dem Orto kannst du HIER lesen). Auch das Publikum tat sein Ding – in zu kleiner Zahl, vor allem aber ohne Ohr für die heimischen Musiker. Eine traurige, aber wahre Tatsache: In Slowenien gibt es zu wenig Unterstützung für vielversprechende einheimische Musiker. Trotzdem hatten wir die Chance, ein paar ihrer Hits zu hören, wie „Friday Night Anthem“, „When I`m Done“ und „At Last!“.
Punkt dreiundzwanzig Uhr marschierte eine Achtertruppe stattlicher junger Männer auf die Bühne, vereint unter dem Namen Guadalajara. Die waren in den letzten paar Monaten Dauergäste in einigen slowenischen Clubs. In ihren acht Jahren haben die Jungs drei Studioalben veröffentlicht, das letzte im März dieses Jahres, mit dem Titel „Weapons Of Mass Seduction“. Ein interessanter Plattentitel, aber haben die Jungs über „Waffen der Verführung“ tatsächlich auch etwas zu erzählen? Davon konnten wir uns während ihrer vierzig Minuten Herumhüpfen auf der Bühne überzeugen. Mit ihrem unaufdringlichen Ska-Pop-Rock krochen sie buchstäblich schon mit den ersten paar Songs unter die Haut und brachten das Publikum (jetzt waren „schon“ etwa vierzig Leute im Saal) wieder in Bewegung. Musik, der du unbewusst folgst. „I`ll Be Alright“, „Turn Up“, „Dreamcatcher“, „No Mater“, „Short Time Romance“ sind nur einige der Songs, die die Jungs in ihr Repertoire aufgenommen haben. Die waren echter Balsam für die Seele. Songs, die dich mit Freude und Frohsinn füllen. Und Jungs, an denen du deine Äuglein ausruhen kannst, nur fällt die Entscheidung schwer, wen man anschauen soll, wenn so viele auf einem Haufen stehen.
Um Mitternacht überließen wir uns den wilden Rhythmen von Leaf-fat aus Ljubljana. Nach dem neuen Album, das Ende letzten Jahres erschien und „RockPaperScissors“ heißt, und einer erfolgreichen Tour durch Kanada hatten wir an diesem Abend wieder die Chance, sie auf heimischem Boden zu hören. Zum Einstieg zündeten die Jungs ihren aktuellen Hit vom gleichnamigen Album, „RockPaperScissors“. Die erste Reihe besetzten vor allem Mitglieder des Leaf-fat Street Team, und der Wahnsinn ging los. Das restliche Publikum verteilte sich schön im Saal, und jeder hatte genug Platz für seine Kapriolen. Gedränge gab es also keins. Weiter ging es mit „Choose your reality“, noch ein vielversprechender Song. Leaf-fat lockten noch ein paar Leute in den Saal. Na, vielleicht sieht es ja doch etwas besser aus. „XP“ und „Unfortunate Event On Its Way To Nothing (Infinity)“ waren die nächsten Songs. Das Publikum drehte immer mehr durch. Leaf-fat wissen eben, wie man den Boden für eine Party bereitet. Es folgte ein etwas ruhigerer, auf Leaf-fat-Art gesagt „Reggae“-Song von der ersten Platte, „T.W.T“. Dann schlugen die Jungs mit ihrer ersten Single vom Debüt „Underworld Kingdom“ (2005) zu, dem Song „Individual Happiness“. Auf die guten alten Zeiten. Auf gut Deutsch – „der sitzt“. Als Big Foot Mama im November 2005 ihr 15-jähriges Bestehen feierten, taten sie das mit einem großen Konzert auf dem Gospodarsko razstavišče. Das Konzert bestand aus zwei Teilen. Im ersten Teil traten fünfzehn Bands auf, darunter auch Leaf-fat, die für das damalige Event Big Foots „Malo nimfomanko“ neu einspielten, der zweite Teil gehörte dem Auftritt von BFM. Und nach drei Jahren klingt „Mala nimfomanka“ aus den Instrumenten von Leaf-fat immer noch so frisch wie damals. Dann folgte die „izica“, also „Better Still“. Nach dem Song mit dem leicht provokanten Titel „Burn Bitch Burn“ war Zeit für etwas Älteres und Ruhigeres – „U.K“. Nein, das ist nicht „United Kingdom“, sondern „Underworld Kingdom“. Danach legten die Jungs noch „Idols Like Icarus“ und „Il Mallochio“ nach und beendeten ihren Auftritt mit „Celebrate A Brand New Wave“. Und so war wieder ein solides Konzert von ihnen vorbei. Bis zum Wiedersehen am Donnerstag im Orto.
Ich selbst habe den ganzen Abend vor allem auf sie gewartet – Vanilla Sky. Nach dem Montagsauftritt mit Multiball im Orto hatte ich noch immer nicht genug von ihnen. Und um zwanzig nach eins war es endlich so weit. Zum Aufwärmen spielten sie vor der etwa siebzigköpfigen Menge „Nightmare“, gefolgt von „Your Words“. Nach „Cut Away“ wechselten sich Brian und Vinx als Leadsänger ab. „Se Vuoi Andare“ sang Vinx sogar noch besser als am Vortag im Orto, und bei diesem Song ist bei ihm immer besonders viel los. Von Stillstehen keine Rede. Dann übernahm Brian wieder das Mikro. „Distance“ und „On And On“, „Xmas Girl“ und „Gotta Believe“ waren die nächsten Songs. Das Publikum taute inzwischen auch etwas auf. Auch wenn es nicht viele waren, war es schön, wippende Köpfe zu sehen. Vanilla Sky entschieden sich auch diesmal für eine Coverversion, Vanessa Carltons „Thousand Miles“. Wie am Vortag stießen sie auch im Štuk auf lauwarme Reaktionen, also nahmen die Jungs die Sache selbst in die Hand. Luca tauschte die Drums gegen den Bass, Brian die Gitarre gegen die Drums, Cisco schnappte sich Brians Gitarre, Vinx blieb bei seiner. Dann riefen sie zwei junge Männer aus dem Publikum auf die Bühne. Und die beiden waren kaum oben, da erklangen schon die Riffs des allseits bekannten Songs „All The Small Things“ von Blink 182. Die beiden sangen den ganzen Song souverän und ohne Lampenfieber und bewegten sich über die Bühne, als wären sie das schon lange gewohnt. Bravo! Das Publikum begann bei diesem Song sofort mitzusingen und machte auch weiter, als Vanilla Sky wieder ihre eigenen Instrumente übernahmen und „Thousand Miles“ zu Ende spielten. Von diesem Song an ließ sich auch das Publikum besser mitreißen. Nach schwachem Start gab es doch noch ein besseres Finale. „Letargo“, „Devastante“ und „Break It Out“ waren die nächsten Songs. Zum Schluss spielten uns die Jungs noch Rihannas bekannten Hit „Umbrella“, zu dem sie auch ein Low-Budget-Video gedreht haben – eine Parodie auf Rihannas (du kannst es dir HIER ansehen). Zum Totlachen! Nach etwa einer Stunde Spielzeit verabschiedeten sich Vanilla Sky, denn es war auch schon locker halb drei nachts.
So ging das Konzert spät in der Nacht zu Ende. Leaf-fat und Vanilla Sky haben ihren Auftritt hervorragend durchgezogen, aber auch die anderen drei Bands waren nicht schlecht. Man spürte aber, dass das Publikum ihnen keine Chance gab, sich zu zeigen. Schade, denn für knappe 12 € sieht man nicht so oft so viele vielversprechende Bands auf einem Haufen. Aber wie man so sagt: Nächstes Mal wird’s besser!
Text und Fotos: Lea Lesar
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