Psychotic Symphony
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Sons of Apollo
Label: Inside Out Records
Veröffentlichung: 2017
Wertung: 4/5
Sons of Apollo ist eine neue Supergruppe. Mike Portnoy, Billy Sheehan, Derek Sherinian, Ron »Bumblefoot« Thal – und am Mikro? Jeff Scott Soto. Eine Traumkombination also. Klar werden alle Kenner der Stammbands, aus denen diese Namen stammen, gedacht haben: »Ahh, noch ein Album, bei dem darum gewetteifert wird, wer pro Zeiteinheit mehr Noten und Töne feuert!«
Das stimmt nur zum Teil. Tatsächlich ist das Studiodebüt – ungeachtet seines Titels „Psychotic Symphony“, nach dem man eigentlich schließen könnte, es handle sich um bewusste »Chaos«-Aktionen wegen einer Überdosis gefeuerter Noten pro Zeiteinheit – ein ungemein geglückter Wurf aus allem. Kompositorische und spielerische Komplexität, die mit einem Bein zwingend in die Gefilde des Progressive Metal drängt, was angesichts der früheren Zusammenarbeit von Sherinian und Portnoy bei Dream Theater bzw. von Portnoy und Sheehan bei The Winery Dogs nicht überrascht. Auf der anderen Seite ist Jeff Scott Soto mit seiner vokalen Pose bzw. Figur genau das so entscheidende Element, das die Ego-Trips der Einzelnen irgendwie »bremst«, sodass die Lust am Feuern endloser Soli nicht die Oberhand gewinnt – und das Album »Psychotic Symphony« durchgehend noch ein spürbares Maß an Kompaktheit und kompositorischer »Konzentriertheit« bewahrt.
Tatsächlich gibt es hier zwei Tracks, bei denen die Truppe technisch extrem hochkarätiger Herkules-Gestalten über alle Grenzen hinausschießt. Das ist der Opener God of the Sun, der im Grunde die gesamte stilistische Aussage der Band am schönsten zusammenfasst, und der Abschlusstrack Opus Maximus, der auch am stärksten nach Dream Theater klingt – wobei Thal sehr gerne auf tiefer gestimmte, fett knarrende Sounds zurückgreift, die klanglich eben modern »knirschen«, gleichzeitig aber mit diesem Sound geschickt den Ausdrucksraum im Gesamtklangbild der Band füllen und ihr einen angenehmen „groove“ verleihen.
Die Idee zu Sons of Apollo ist relativ alt. Sie entstand bei Portnoy und Sherinian kurz nachdem Portnoy den »Tritt« bei Dream Theater bekam. Zunächst entstand ein Projekt namens »PSMS«, also Portnoy, Sherinian, MacAlpine, Sheehan, das in den Jahren 2012 und 2013 sogar Konzerttourneen absolvierte.
Leckerbissen also auf Schritt und Tritt. Und das Grundmotiv? Spaß. Das ist der Kern der Sache. Ein Album, das absolute Pflicht ist für alle, die die Musik der Bands kennen, aus denen die Truppe der Sons of Apollo stammt. Ron „Bumblefoot“ Thal ist zwar dafür bekannt, für Guns N ‚Roses gespielt zu haben, doch auf diesem Werk kommt das zum Vorschein, was er auf seinen Solo-Studioalben abgeliefert hat. Er ist ein unglaublicher Gitarrenvirtuose, bringt jede Menge neoklassizistischer Ornamente in die Songs ein und verblüfft mit ultrasonischer Geschwindigkeit, unglaublicher Kontrolle und teuflischer Präzision – sodass man beim Hören dieses Albums manchmal den trügerischen Eindruck einer starken Nähe zu Petrucci bekommt. Gleichzeitig hat das Album dank kompakter Riffs, die oft sogar mit Hammond-Sound angereichert sind, einen unglaublich ansteckenden Hard-Rock-Groove eingefangen, der neben der technischen Virtuosität eine Annäherung an die klassischen Elemente des Hard Rock (Deep Purple, Mr. Big, Van Halen) sowie sogar Elemente des AOR und Melodic Rock mitbringt. Sherinian bringt Keyboard-Elemente ein, die für seine Soloalben typisch sind, »deckt« Ron Thals Gitarrenphrasen hervorragend ab und beweist mit seiner Zurückhaltung, warum Dream Theater gerade mit ihm in der Besetzung eines ihrer zugänglichsten Alben ihres Diskografieopus aufnehmen konnten (»Falling Into Infinity«). Portnoy ist Portnoy. Einzigartig in dem, was er tut. Sheehans brummend-schnarrenden Groove darf man ebenfalls nicht überhören. Was wir am Ende unterm Strich bekommen, ist ein absolutes Unikat, ein einzigartiges Album.
Um es kurz zu machen. Ein außergewöhnliches Album. Eine Kombination aus unglaublicher Lockerheit und spaßigen Studiomomenten, virtuoser Brillanz und der feinfühligen Einbettung eines greifbaren Hard-Rock-Grooves. Also genau richtig progressiv und genau richtig kompakt und musikalisch – das ist ein Garant für entspannte Hörbarkeit. Dabei mit wilder Leidenschaft und Power gespielt! Jeff Scott Sotos »fetter« und »satter« Gesang wirkt dabei brillant. Da gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Wenn du ein Musikgourmet und eingefleischter „progger“ bist, der seinen Ohren das Beste gönnt, schnapp dir sofort deine Kopie dieses Albums und bereichere deine persönliche Albumsammlung.
Sons Of Apollo – Coming Home (offizielles Video):
Besetzung
Jeff Scott Soto – Gesang
Ron „Bumblefoot“ Thal – Gitarre
Derek Sherinian – Keyboards
Billy Sheehan – Bassgitarre
Mike Portnoy – Schlagzeug
Produktion
Mike Portnoy & Derek Sherinian
Tracklist
01. God Of The Sun
02. Coming Home
03. Signs Of The Time
04. Labyrinth
05. Alive
06. Lost In Oblivion
07. Figaro/S Whore
08. Divine Addiction
09. Opus Maximus