Promise And Terror

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Bayley, Blaze
Label: Blaze Bayley Recordings
Erscheinungsjahr: 2010
Laufzeit: 55.40
Bewertung: 4/5

Blaze Bayley, bekannt dafür, bei einer der berüchtigtsten Metal-Bands aller Zeiten seinen Lebensunterhalt verdient zu haben, hat in diesem Jahr ein neues Album herausgebracht. Das fünfte seiner Karriere und das zweite, seit er seine Band von Blaze in Blaze Bayley umbenannt hat.

Wenn irgendjemand versteht, was klassisch im Metal ist und was wuchtig im Metal ist, dann ist es Blaze Bayley – eine der schönsten Post-NWOBHM-Entdeckungen, die Großbritannien hervorgebracht hat, das in Sachen klassischen Metal heute ansonsten völlig verarmt ist. Blaze Bayley erneuerte 2007 seine Bandbesetzung komplett. So veröffentlichte er 2008 das phänomenale Studiowerk „The Man Who Would Not Die“, das das weltweite Publikum mit großem Beifall aufnahm und zum bis dahin besten Studiowerk seiner Karriere erklärte. Heute ist Blaze mit seiner Beharrlichkeit zum Synonym für einen Musiker geworden, der seine Heavy-Metal-Predigt mit voller Leidenschaft lebt. Willst du eine knallharte Antwort auf die ewige Frage, was echter und was falscher Metal ist? Hör Blaze Bayley zu und er wird dir die Gehörgänge sofort von allem falschen Metal-Unrat reinigen.

„Promise And Terror“ ist ein Album, das dem klassischen Heavy-Metal-Erbe verschrieben ist. Die Hälfte der Songs dreht sich ums Besingen historischer Erzählungen und/oder Fiktion, die andere Hälfte ist persönlich bekenntnishaft. Die Songs tragen ein ausgeprägtes Gefühl der Trauer. Das ausgesprochen düstere Gesicht des Albums zieht den Hörer mit seiner Aufrichtigkeit mit ungeheurer Intensität und unwiederbringlich in den Strudel von Blazes persönlicher Läuterung, durch die ihn in letzter Zeit vor allem die Tragödie des Verlusts seiner eigenen Frau geführt hat. Es ist schwer, einen Musiker zu finden, der in so klarer Diktion eine Predigt durch die Gestaltung von Versen diktiert und der mit elementarer Stimmigkeit so markant in den ausgewählten hymnischen Melodien aufgeht. Das ist das, was Iron Maiden zwischen 1994 und 1999 am Leben gehalten hat – oder wenn du so willst, das, was seit 2000 selbstständig und unabhängig weiterlebt, ohne Anstellung bei Iron Maiden. Und trotzdem stehen sie sich in einzelnen Punkten der Kompositionsweise so nah, dass du kaum einen Metal-Fan findest, dem Iron Maiden gefallen, der aber auf das Œuvre von Blaze Bayley pfeift. Heute sind Iron Maiden ein korruptes Monstrum, das jeden Tropfen Schweiß im duftend-vanilligen Verpackungsmantel vermarktet, ob sie ihn nun ehrlich oder „weniger ehrlich“ herauspressen, während Blaze Bayley gewohnt ist, blutigen Schweiß zu schwitzen. Und schwitzt er ihn auf „Promise And Terror“ immer noch? Die Antwort lautet: „Verdammt ja!“ Verdammt wahr ist aber auch, dass Blaze Bayley mit seinem Charakter und seiner aufrichtigen Haltung für immer dazu verurteilt sein wird, auf der Clubszene aufzutreten. Der Preis ist nicht hoch, wenn man bedenkt, dass ihm niemand das Recht hat, seine Wahrhaftigkeit und das reine Gewissen abzusprechen, das seine Taten ihm diktieren.

Woher kommt der Qualitätssprung zwischen den Alben „The Man Who Would Not Die“ (2008) und „Promise And Terror“ (2010)? Die Tatsache, dass Blaze Bayley die richtigen Leute um sich herum gefunden hat, die aktiv am Komponieren und Gestalten des Materials beider Alben mitwirken, wird als adäquate Antwort genügen. Nach dem hervorragend aufgenommenen Vorgänger fand die Besetzung genug kreativen Schwung, um auch beim neuen Album in denselben kompositorischen Sphären zu bleiben. Und doch trieb diesen Weg neben den typischen Gefühlen, die Blaze dem Hörer so ungefiltert serviert, auch das Trauergefühl über den Verlust einer geliebten Person an. Das bedeutet aber nicht, dass Blaze irgendwie weich geworden wäre. Keine Rede davon! Davon zeugt am direktesten der Opener Watching The Nightsky. Diese knallige Hymne, die alle Parallelen sowohl zu Man On The Edge als auch zu den Openern der Blaze-Ära-Alben trägt, gewinnt sofort mit dem ansteckend melodischen Diktat des Refrains alle Aufmerksamkeit. In Madness And Sorrow bleibt die stilistische Leitlinie des Quintetts auf derselben Ebene, und Blaze Bayley halten den verheerenden, klassisch ausgerichteten Metal-Ansturm auch durch den zweiten Song aufrecht.

Was begeistert, ist die exzellente Live-Produktion. Die Gitarren sind beim Riffing tiefer gestimmt, beide Gitarristen verwenden sogar Siebensaiter. Das Riffing bildet einen aggressiv düsteren, aber massiven Vorhang, in den sich die dumpf tief bis mittel intonierte, einzigartige Klangfarbe von Blazes vokaler Herangehensweise wie angegossen einfügt. Blaze Bayley geben dem Ganzen ein rhythmisches Fundament mit brachialem Tempo, das sie häufig mit Double-Bass-Pedal unterlegen (City Of Bones, Time To Dare) oder das sie geschickt an den richtigen Stellen einweben und so die Songs abwechslungsreicher gestalten und den Charakter der Albumdynamik ausdehnen. Die Musiker sind bis aufs Maximum eingespielt. So erleben wir intensive Überlagerungen der Gitarrendialoge beider Gitarristen, die völlig gleichwertig wirken, während die Notenverteilung in den Soli mit ihrer unvorhersehbaren Konnotation unendlich erfreut – sie schöpft nämlich aus den klassischen Grundlagen ihrer Entstehung, was bedeutet: Sie stützt sich auf das einzigartige Genie der Gitarren-Giganten wie Michael Schenker, Randy Rhoads oder Tony Iommi.

Das Gitarren-Shredding lässt über das gesamte Album keinen Augenblick nach. Blaze Bayley kennen den Begriff Ballade nicht. Die Stimmungswechsel diktiert natürlich Blaze mit den Melodien in der Versgestaltung sowie die abwechslungsreiche Rhythmussektion, an die sich bildhafte Gitarrenpassagen knüpfen. Galileo Galilei bekam Blazes Widmung im Song 1633, der vom Inquisitionsprozess gegen den mutigen Verfechter der heliozentrischen Theorie zeugt. Hier unterlegt die Band die Riffs mit einem marschmäßigen, mittelschnellen Grollen, das an das saharische Feuer sarazenischer Reiter erinnert. God Of Speed ist eine mitreißende Hymne, geboren für die Bühne, deren Refrain sich sofort unter die Haut frisst. Ein neuer historischer Halt wartet in City Of Bones. Hier ist Blaze nicht auf eine Fundstätte fossiler Überreste der Jura-Fauna entenschnäbeliger Dinosaurier gestoßen, sondern bringt uns zurück in die Tiefen der Leningrad-Belagerung. Das Gefühl der Kriegsagonie ist darin auf ausgesprochen echte Weise beschworen.

Die Gitarren-Verzierungen, das Zupfen über Riffs, einschließlich Terzharmonien, sind aus der Zeit des NWOBHM und seiner Popularisierung durch die verwandten Iron Maiden geerbt. Sie heute auf einem Album auf so authentische Weise zu hören, ist ein wahres Geschenk für den Hörer und Fan der Old-School-Metal-Form, gespielt in moderner Produktionshaltung. Faceless bezieht sich auf die gesichtslose Uniformität des durchschnittlichen Konformisten der westlichen Gesellschaft und könnte stilistisch und von ihrem ausgedrückten Kern her problemlos Watching The Nightsky an der Opener-Position des Albums ersetzen. Surrounded By Sadness wird im ersten Teil akustisch gespielt. Es handelt sich um eine ausgezeichnete Halb-Ballade, die im Ausklang explodiert und ohne Bedenken einen Platz im Konzertrepertoire der Band finden würde.

Blaze Bayley bleibt ein Synonym für das exzellente Austarieren des Metal-Gleichgewichts zwischen aggressiver, fordernd-wuchtiger Haltung und melodischer Hymnik. Gespielt und gesungen ist alles auf eine Weise, dass die Emotionen tatsächlich leben und den Konsumenten dieses Albums offen herausfordern. Das ist das Meiste, was dir ein Musiker bieten kann. Das Feuer der persönlichen Läuterung entfacht seine Flammen mit besonderer Vehemenz vor allem im Abschlussbereich des Albums, wenn Blaze Bayley uns durch die Songs The Trace Of Things That Have No Words, Letting Go Of The World und Comfortable In Darkness führen. Die unnachgiebige Haltung der Songs, die in ihrer Abfolge ein intensives und emotional geladenes Album aufspannen, hält Blaze Bayley auf einem hochbekenntnishaften Niveau, das gekonnt in die Fußstapfen tritt, die das Album „The Man Who Would Not Die“ vorgezeichnet hat.

Auf dem Album gibt es nur eine Sache, die besser hätte präsentiert werden können: die Klangproduktion der Basslinien. Diese sind im Sound etwas vergraben und könnten noch ein wenig aufgedreht werden, da die Snare-Drum nur minimal zu sehr in den Vordergrund drängt. Das gilt auch für das Double-Bass-Pedal. Auch da blieb etwas ungenutzter Raum im Spektrum des Klangbildes des Albums. Dem ansonsten authentisch lebendigen Sound dieses weißglühenden klassischen Metal-Manifests kann man jedoch in nichts widersprechen.

Zwei Jahre vergingen zwischen den Veröffentlichungen beider Alben. Die Evolution der Band hat hier einen Moment innegehalten. Aber gleichzeitig war es auch gar nicht anders möglich. Das ist das Zeitintervall, in dem die Persönlichkeit von Blaze Bayley in Lebenserfahrungen gefangen ist, die sich viele von uns nicht trauen würden, mit ihm zu teilen, nicht einmal in den verrücktesten Träumen. Dafür musst du stark und trotzig sein. Und Blaze Bayley ist das zweifellos. Beharrlichkeit, Treue und Unnachgiebigkeit auf dem Weg dieses Musikers – das sind Eigenschaften, die man nicht leugnen kann. Deshalb bleibt auch das Album „Promise And Terror“ ein Manifest, das allen Respekt verdient. Es schafft keinen nennenswerten künstlerisch-kreativen Kurswechsel gegenüber dem Vorgänger, hält aber in allem das hohe Niveau seiner Qualität und natürlich das einzigartige Ausdrucksgesicht von Blaze Bayley aufrecht. Dass Iron Maiden heutzutage mit solch einer Wut aufwarten würden, bleibt eine wahre Utopie – und deshalb erteilt Blaze Bayley ihnen in diesem Fall einmal mehr eine echte Lehrstunde!

Besetzung

Blaze Bayley – Gesang
Nick Bermudez – Gitarre
Jay Walsh – Gitarre
David Bermudez – Bassgitarre
Lawrence „Larry“ Paterson – Schlagzeug

Produktion

Jase Edwards & Blaze Bayley band

Trackliste

1. Watching the Night Sky
2. Madness and Sorrow
3. 1633
4. God of Speed
5. City of Bones
6. Faceless
7. Time to Dare
8. Surrounded by Sadness
9. The Trace of Things That Have No Words
10. Letting Go of the World
11. Comfortable in Darkness

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