Pressekonferenz mit Pain (2007)
Autor: Rok Klemše
Datum des Interviews: 17.07.2007
Peter Tägtgren ist mit seinen Hypocrisy ein alter Bekannter auf slowenischen Bühnen, mit Pain hat er sich dieses Jahr beim Metalcamp zum ersten Mal bei uns präsentiert. Vor dem Konzert konnten wir uns mit Peter auf einer Pressekonferenz unterhalten, die auch Peter Iwers (sonst Bassist bei In Flames) und Schlagzeuger David etwas verschlafen verfolgt haben. Peter war ein unglaublich lustiger und entspannter Gesprächspartner, den etwa zehn Journalisten mit Fragen eingedeckt haben, für die 15 Minuten längst nicht gereicht haben. Unten kannst du das Protokoll der Pressekonferenz nachlesen, die Fragen von RockLine sind markiert, die übrigen stammen von den anderen Journalisten.
Ich habe gelesen, dass dein Studio, The Abyss (Abgrund, Anm. d. Ü.), früher mal eine Irrenanstalt war. Wie kam es, dass du genau diesen Ort gewählt hast, und beeinflusst der Geist der psychisch Kranken, der da vielleicht noch rumspukt, irgendwie deine Arbeit?
Peter: Der hält mich bei Verstand (Lachen)… Aber im Ernst, der Ort ist wunderschön, mitten im Wald, kilometerweit weg von Stress und Stadtleben. Eigentlich habe ich das ganze Dorf gekauft, nur damit ich meine Ruhe habe, ich vermiete Wohnungen, habe dort mein Studio und mein Haus. Ist cool! Wenn du Konzerte spielst oder auf Tour bist, ist es immer schön, wenn du nach Hause kommen kannst, wo es total friedlich ist.
Wäre es möglich, dass Hypocrisy und Pain irgendwann gemeinsam auf Tour gehen?
Peter: Uff… keine Ahnung. Ich glaube, meine Stimmbänder würden das nicht mitmachen. Eigentlich bin ich mir nicht sicher, weil wir das noch nie ausprobiert haben. Auf dem Wacken habe ich zwar mit Lockup, Hypocrisy und Pain gespielt, aber an verschiedenen Tagen, und mit Lockup habe ich nur ein paar Songs gespielt. Wie gesagt… Ich glaube, es wäre dumm, 20 Konzerte zu planen und dann schon nach zweien ohne Stimme dazustehen. Also würde ich das lieber nicht austesten.
Was ist mit dem Album mit Coverversionen los? Es gab Gerüchte, dass du es veröffentlichst, jetzt ist alles still geworden.
Peter: Ja… Der einzige Grund für die Idee war, dass ich meinen Vertrag erfüllen wollte. Wir hatten vereinbart, dass ich für die noch dieses Album mit „Covers“ rausbringe und sich unsere Wege danach trennen. Irgendwo in der Mitte der Aufnahmen haben sie es sich offenbar anders überlegt, und wir haben den Vertrag aufgelöst. Die Coverversionen wanderten in die Schublade, weil ich mich auf die Arbeit am neuen Studioalbum konzentriert habe. Wenn du bei einem neuen Label unterschreibst (Peter hat das neue Pain-Album bei Roadrunner Records veröffentlicht, Anm. d. Ü.), wollen die halt nicht, dass das Debüt fürs Label ein Coveralbum ist. Die Coverversionen liegen immer noch irgendwo rum, sie erscheinen als Bonustracks, ich glaube, auf iTunes kannst du Covers von Depeche Mode und anderen hören. Die Covers werden also immer verfügbar sein, wenn schon nicht auf einem Album, dann in anderer Form.
Wie ist das Pain-Publikum deiner Meinung nach? Sind das Hypocrisy-Fans…
Peter: Ich glaube, das ist von Land zu Land unterschiedlich, aber ich denke, es sind Leute jeden Alters, von 5 bis 60. Eine Art Mischung… Ich schätze, etwa 60 % der Hypocrisy-Fans mögen auch Pain, und es gibt auch Pain-Fans, denen Hypocrisy vielleicht nicht gefällt, weil wir zu brutal sind.
RockLine: Wie bist du darauf gekommen, Peter Iwers (In Flames) und Mikkey Dee (Motörhead) als Gäste für das neue Album Psalms of Extinction zu holen?
Peter T.: Eeeem… ich weiß nicht, wo Peter ist, frag doch einfach ihn (Lachen).
Peter I.: Was?
(Lachen)
RockLine: Mich interessiert, wie es zu deiner Zusammenarbeit bei Psalms of Extinction kam…
Peter I.: Wir haben eine Weile darüber geredet, und als wir uns dann mal drangesetzt haben, hatten wir die Grundlage für den Song im Nu fertig.
Peter T.: Ja, in zehn Minuten hatten wir den Song fertig, dann haben wir uns nur angeschaut und uns gefragt, was wir jetzt machen sollen (Lachen). Wir haben angefangen, uns die restlichen Songs anzuhören, und Peter hat sich ausgesucht, bei welchem er noch mitspielen will. Mit Mikkey laufe ich mir ständig auf Festivals über den Weg, wir sind richtige Festivalfreunde geworden; als wir in Schweden gespielt haben, haben wir uns in Göteborg getroffen, er kam in den Backstage und hat einfach gesagt, dass er auf dem nächsten Album spielen will. Das war vor zwei Jahren. Als ich das Material für das neue Album geschrieben habe, wollte mir der Song Zombie Slam, der ziemlich rock ’n‘ rollig angehaucht ist, partout nicht gelingen, also habe ich ihn angerufen, ob er helfen könnte, und zwei Wochen später hat er die Drums eingespielt. Es war super!
Warum hast du als Cover für das Album Björks Play Dead gewählt?
Peter: Weil es ein toller Song ist, Björk hat mir schon immer gefallen. Auch das Singen war anders, anspruchsvoller, und es ist immer interessant, mal was anderes auszuprobieren. Play Dead ist einer meiner Lieblingssongs, und bei Covers ist es natürlich immer so, dass du einen Song machen willst, der dir gefällt, und nicht irgendwas, das du scheiße findest. Es war ganz natürlich, und ich glaube, es gibt dem Album einen anderen, neuen Anstrich.
In einem Statement auf deiner Website hast du gesagt, dass dir Musik alles bedeutet und dass sie dir durch die Scheidung geholfen hat…
Peter: Das ist halt das Einzige, was ich kann und wovon ich nie genug kriege. Für mich ist es eine große Herausforderung, Musik zu schreiben, auf Tour zu gehen und dabei immer besser zu werden. Es ist also gleichzeitig Herausforderung und Spaß. Der beste Job der Welt.
Deine Besessenheit von Außerirdischen ist bekannt. Wirst du nochmal ein Video mit Aliens im Stil von Same Old Song drehen?
Peter: Du meinst wahrscheinlich das Video zu Shut Your Mouth. Keine Ahnung, jetzt habe ich in Amerika das Video zu Zombie Slam gedreht… Man weiß nie, wir werden sehen, was die Zeit bringt, ich verspreche nichts, ich lasse mich treiben.
Wer kommt auf die Ideen für die Videos? Die sind der Wahnsinn!
Peter: Normalerweise sind das der Regisseur und die Drehbuchautoren. Ich misch mich da lieber nicht ein. Manchmal wird’s gut, manchmal Mist (Lachen). Die sagen dir halt, was sie machen wollen, und wenn’s dir gefällt, dann machst du es eben.
War die Idee für Shut Your Mouth von dir?
Peter: Der Typ hatte nämlich einen Kurzfilm gedreht und wollte, dass ich darin mitspiele. Ein Teil des Songs ist tatsächlich im Film. Er hatte noch nie einen Film gedreht, dafür aber unzählige Videos, und er wollte unbedingt einen Film machen. Für ihn war das eine echte Herausforderung und ziemlich harte Arbeit. Wir haben vier, fünf Tage gedreht. Das Video ist lustig, ich stehe gern vor der Kamera, das finde ich eine echte Herausforderung.
Du arbeitest meistens allein. Würdest du sagen, das ist ein Vorteil oder eher das Gegenteil?
Peter: Wenn ich ein Pain-Album mache, renne ich oft gegen eine Wand, weil du so tief drinsteckst, dass du nicht mehr weißt, was du da tust, und niemanden um Rat fragen kannst. Bei Hypocrisy schreiben wir zusammen, und das ist deutlich einfacher. Wenn du allein arbeitest, dauert es etwas länger, aber die Freude ist umso größer, wenn du das Diplom, das neue Album, in den Händen hältst.
Und was ist gerade mit Hypocrisy los?
Peter: Wir sind nur kurz im Urlaub. Die letzten zwei Jahre waren sehr intensiv, für das Album Virus haben wir fünf Touren gemacht – drei amerikanische und zwei europäische. Wir waren so ausgebrannt, dass wir eine Pause brauchen. Horgh ist gerade mit Immortal beschäftigt, bei mir läuft’s mit Pain, Michael ist zum ersten Mal Papa geworden. Wenn wir bereit sind, fangen wir wieder mit dem Schreiben an. Wann, weiß ich aber noch nicht.
Für das Beatles-Cover Eleanor Rigby hast du das Arrangement geschrieben und mit einem Orchester zusammengearbeitet. Ging es darum, Trends zu folgen, weil unglaublich viele Bands mit Orchestern arbeiten, oder war es eine neue Idee?
Peter: Das hatte ich noch nie gemacht. Wir sind in ein riesiges Studio gegangen, da hat auch Abba aufgenommen, für mich war das etwas völlig Neues. Mit solchen Instrumenten hatte ich noch nie gearbeitet, und es war spannend, mir dafür zu Hause an meinen Keyboards die Melodien auszudenken und sie dann von einem 16-köpfigen Orchester zu hören. Es war unglaublich!
Kannst du von dem Geld leben, das du mit Metal verdienst?
Peter: Ja ja, klar. Reich wirst du damit nicht gerade, aber du kannst bequem leben. Ist besser, als im Laden zu stehen. Zumindest für mich… Ich hatte ein paar verrückte Jobs. Ich habe mich um Fische gekümmert, ich habe in einer Brauerei gearbeitet… Ich halte immer noch den Rekord im Bierklauen (Lachen). Solange ich Musik machen kann, bin ich glücklich.
Was bedeutet der Titel Psalms of Extinction?
Peter: Keine Ahnung, das ist halt der Titel (Lachen). Weiß nicht, es können Lieder über meinen eigenen Untergang sein, die Welt ist im Arsch, wegen der Umweltverschmutzung… Ich wollte nicht predigen, ich wollte es einfach nur aufschreiben. Ich finde, der Titel funktioniert, es kann um den Untergang der Umwelt gehen oder um den eigenen.
Sind auf dem Album dieselben Musiker wie auf Tour?
Peter: Auf dem Album bin nur ich, außer bei diesem hier, wo es ein paar Gäste gibt. Live ist es normalerweise eine feste Besetzung, gerade ist Peter für Andre eingesprungen, der im Moment bei Clawfinger spielt. Letzte Woche war Michael nicht dabei, da ist Niclas eingesprungen, der früher mal bei In Flames gespielt hat. Im Moment sind wir also so eine Art Inzucht-Band (Lachen). Wir versuchen aber immer, bei derselben Besetzung zu bleiben.
RockLine: Du hast schon unzählige Alben produziert. Welches ist dir deiner Meinung nach besonders in Erinnerung geblieben?
Peter: Uff… Keine Ahnung. Das ist unterschiedlich, wir versuchen bei den Aufnahmen immer, Spaß zu haben, aber gleichzeitig aus allen das Beste rauszuholen. Die Aufnahmen mit Celtic Frost waren für mich die anstrengendsten, aber auch sehr lustig. Destruction, Marduk, Dimmu Borgir… mit denen haben wir immer Spaß. Es sind so viele Bands, dass ich schwer nur eine herausgreifen kann.
Suchst du nach neuen Bands, die du produzieren könntest, oder arbeitest du nur mit etablierten Namen?
Peter: Seit 2002, als ich gesagt habe, dass ich aufhöre, habe ich mich nicht mehr viel mit dem Produzieren beschäftigt. Aber ich suche immer gern nach neuen Bands, es ist schön, einen großen Namen zu bekommen, aber es ist genauso super, eine neue, großartige Band zu finden.
Ist die Mischung aus Computer, Keyboards und Heavy Metal ein natürlicher Prozess, oder hattest du das schon immer im Kopf?
Peter: Ich habe angefangen zu spielen, weil ich als Produzent lernen wollte, mit Samples und Ähnlichem zu arbeiten. Ich habe nur Death und Black Metal gespielt, es gab also keine Band, mit der ich das hätte ausprobieren können, also habe ich meine eigene gegründet. Zuerst ging es nur um die Produktion, die Songs kamen erst an zweiter Stelle. Heute ist es anders.
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