Poreklo

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Trdoživi
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2016
Laufzeit: 42:40
Bewertung: 4/5

Trdoživi sind eine Punk-Rock-Band aus der Primorska, genauer gesagt eine Gruppe aus dem Branik bei Ajdovščina (Burg Rihemberk), direkt unterhalb der Anhöhen des Komener Karsts gelegen, die sich mit dem Album »Poreklo«, das in den letzten Atemzügen des vergangenen Jahres erschien, nach acht Jahren wieder auf der Szene meldet. Denn 2008 erschien der Vorgänger »Kamen spotike« (2008). Wer hart und lebendig ist, lebt ein hartes Leben. Das bedeutet: Wer überlebt, wird mit der Zeit immer widerstandsfähiger und am Ende dauerhaft zäh. Ein echter Trdoživ. Keine Sorge, das ist keine Gruppe von Süßwasser-Nesseltieren. Diesmal sind diejenigen, die mit der echten Peitsche der ursprünglichen und messerscharfen Punkrock-Rhetorik der alten Schule zuschlagen, echte Bewohner terrestrischer Habitate, nämlich: Klavdijo Čebron (Bassgitarre, Gesang), Boštjan Vodopivec (Schlagzeug, Begleitgesang) und Miha Gerzelj (Gitarre, Begleitgesang).

Das ist also das Team, das den Übergang vom Sozialismus in den Postsozialismus mitgemacht hat, eine Garde, die heute schnurstracks auf die fünfzig zusteuert. Eine Garde, die nebenbei in den Zeiten der Streiks und des Aufbegehrens der Achtziger, mit ihrem Glauben an Gerechtigkeit und Anstand (auch wenn beides bloße Illusionen sind, in den Händen neokapitalistischer Manipulation) den Punk am Leben gehalten hat, die Option der Opposition war, die Stimme der Straße, die Stimme des Volkes. Das Album »Poreklo« hätte keinen treffenderen Titel bekommen können und sagt alles über die Band. Was du hörst, das bekommst du. Abweichungen Richtung Kosmetik und Schönfärberei akzeptiert und duldet die Band nicht. Nur der erhobene Mittelfinger, dem Kapital und dem Hochverrat jener direkt ins Auge gereckt, die dem Volk den Staat vor mehr als 25 Jahren aus den Händen gerissen haben (und damit die persönliche Würde der Bürger grenzenlos erniedrigt haben) und heute »selbstverwaltend« Brüssel und den USA fronen.  In diesem Sinne entfaltet sich auch »Poreklo«. Es ist der Aufschrei des Widerstands alter Knacker. Ein ungezähmter Schrei, der in seiner absoluten Authentizität und grenzenlosen intellektuellen Ehrlichkeit den Hörer im Nu umhaut.   Es ist das typische Dokument des slowenischen Punkrock-Spotts der alten Schule, mit unverhohlener Konnotation, die dem Album der einzigartig heulende Wind der Karst-Bora verleiht.

Auch wenn Trdoživi heute wie eine Art Dinosaurier auf der slowenischen Musikszene wirken, ist ihr neues Erwachen umso wertvoller, denn Trdoživi sind musikalisch ein Relikt der alten Punkrock-Schule und -»Prägung«, wie man sie auf der aktuellen Szene kaum noch findet. Kurzzeitig haben sich zum Beispiel auch die Indust Bag aus Metlika wieder gerührt – noch jemand? Ach ja, die Rodoljubac aus Temenica,  noch jemand? Aha, die Pankeroschi aus Kočevje. Und sonst noch jemand?

Die Energievibration, die das Album »Poreklo« verkörpert, ist von der jungen Garde der Bands, die sich unter dem Etikett einer alternativrock-mäßigen Kunstkultur etablieren, heute nicht zu bekommen. Und es wäre auch nicht fair, sie von ihr zu verlangen. Ganz einfach. Eine andere Generation, anders aufgewachsen, die deshalb erheblich andere Musik versteht, wahrnimmt und schafft – die sie aber immer noch Punk nennt, auch wenn sie die Gehörschnecken nur noch »kitzelt« und jene wohlbekannte heilige Wut nicht kennt, mit der die Desperados des altgedienten Rock’n’Roll-Handwerks Trdoživi immer noch zuschlagen und bezaubern können.

Auch an Sarkasmus, Selbstironie und einer echten, gesund-rotzigen Seite fehlt es auf diesem Album nicht. In dieser Hinsicht reichen sich der schwarze Humor von Küstenland-Bands wie Zmelkoow, Ana Pupedan und in unserem Fall Trdoživi bereits sprichwörtlich die Hände (Po bndimi, Pejn pokozlan). Natürlich steckt das Album voller Patzer, was dem Ausdruck der alterspatinierten Akteure aber zusätzliche Noblesse, Farbe, Duft und Geschmack verleiht. Wenn du so ein Album hörst, schießt es dich in die goldenen Zeiten zurück. In die frühen Neunziger, und du glaubst, der slowenische Punkrock der zweiten Generation sei neu geboren! Zumindest für einen Moment. Abgesehen davon ist »Poreklo« ein Album, das hauptsächlich vollgestopft ist mit beschleunigten Rock’n’Roll-Brechern, auf drei bis vier Akkorden zusammengezimmert, mit leicht deviant-dissonanten Wendungen, nicht allzu präziser Gesangsausführung. Elementar, rudimentär, ursprünglich. So wie es sein muss im Sinne von echtem Punk und Rock’n’Roll. Es besitzt Rauheit, Schärfe, ungezügelte Quanten herzlich herausgekotzer Wut. Auch wenn Trdoživi das angesichts ihres reifen Dienstalters vielleicht in aller Bescheidenheit nicht mal direkt zugeben wollen – das Album »Poreklo« wirkt genau so. Einzigartig. Verloren in Zeit und Raum. Ein ungeschliffener Diamant des Alternativrock-Undergrounds, der sich weiter allein durchkämpft und überlebt. Furchtlos! Bei alledem wirkt es jung, ungezähmt, weshalb ihm mit der Zeit das Prädikat eines »immergrünen Albums« anhaften wird.

Trdoživi – Modre luči:

Besetzung

Klavdijo Čebron – Gesang, Bassgitarre
Miha Gerzelj – Gitarre, Begleitgesang
Boštjan Vodopivec – Schlagzeug, Begleitgesang

GÄSTE:
Edi Žorž – zweites Gitarrensolo auf Track Nr. 7
Blaž Škrbec – Synthesizer auf Track Nr. 11
Blaž Stubelj – Baritonsaxofon auf Track Nr. 14
Boco – Gesang auf Track Nr. 14

Produktion

David Šinigoj

Trackliste

1. Moč in energija
2. Poreklo
3. Kačji pastirji
4. Modre luči
5. Pomlad
6. Vaša muzika
7. Živeči
8. Na grad
9. Lončeni prostor smrti
10. Slovo od Rihemberka (Gedicht: Simon Gregorčič)
11. Po bndimi
12. Tramvaj
13. Hej hou
14. Mona
15. Super vera
16. Pejn pokozlan
17. Gruden

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