Whitesnake bringen Zagreb erneut zum Kochen (2015)

0 13

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Zagreb / KC Dražen Petrović / Kroatien
Konzertdatum: 21.11.2015
Besucherzahl: 7500
Ticketpreis: 199,00HRK (Innenraum) / 220,00HRK (Tribüne)

Whitesnake, die große Hard-Rock-Formation um den unverwüstlichen David Coverdale, sind endlich auch wieder auf die Bühnen des alten Kontinents zurückgekehrt. 2015 haben die Jungs ein Album mit gecoverten Deep-Purple-Klassikern veröffentlicht, die in Coverdales Zeit bei den ehrwürdigen biblischen Urvätern des Hard Rock – und auch des Heavy Metal – entstanden sind. Auch wenn Coverdale eifrig beteuert, das sei das neue Album der Band, kann man es eigentlich nicht als echtes reguläres Album zählen, denn neues eigenes Material gibt es darauf nicht. Trotzdem ist die Veröffentlichung Grund genug für eine neue Tour. Der Name Whitesnake ist so groß, dass die Band in reifen Jahren nicht einmal mehr neue Alben aufnehmen muss, und trotzdem bleibt der große David Coverdale tief in sich noch immer ein großer Teenager, der der Band mit seiner charismatischen Art (die in einer Person einen großen Charmeur und einen ausgelassenen Entertainer in ständig übermütiger Laune vereint) federleicht ewige Bühnenattraktivität sichert.  Neben dem Status als Rocklegenden natürlich.

Tja, bei Whitesnake weiß man ja, dass sich die Besetzung ständig verändert hat, fast schneller als Coverdales Affären mit Frauen. Obwohl das Duo Doug Aldrich / Reb Beach gut ein Jahrzehnt zusammengehalten hat, was angesichts der launischen Stabilität der Band über die Karriere hinweg mehr als ehrwürdig ist, war wieder einmal der Moment für eine Veränderung gekommen. 2015 wurde bekannt gegeben, dass Aldrich durch den Gitarristen Joel Hoekstra ersetzt wurde, der aus den Reihen der großartigen amerikanischen West-Coast-AOR-Rocker Night Ranger zu Whitesnake gestoßen ist.  Für die Konzerttourneen hat Coverdale außerdem noch den italienischen Tastenvirtuosen Michele Luppi in seine Reihen geholt.

Vor Whitesnake hat noch eine weitere Band die Konzertabende eröffnet, man kann ruhig sagen: eine echte Konzertattraktion. Eine Besetzung, die ausschließlich aus Rock-Superstars besteht. Zwei davon sind eng mit dem Namen Whitesnake verbunden. Brian Tichy (Schlagzeug) und Marco Mendoza (Bass) waren beide früher schon Mitglieder von Whitesnake, vervollständigt wird die Truppe von Keyboarder Dizzy Reed (Guns N‘ Roses), Richard Fortus (Guns N‘ Roses), Sänger John Corabi (Motley Crue) und dem dänischen Gitarristen Soren Andersen, der unter anderem mit Glenn Hughes und noch einem Dance, nämlich Mike Tramp (White Lion), zusammengearbeitet hat.

Wenn vor zwei Jahren die Ränge der großen Halle des Doma sportova, wo am 15.06.2013 Whitesnake aufgetreten sind, gähnende Leere ausstrahlten, ließ sich das von der Halle des KC Dražen Petrović nicht behaupten, die kurz davor stand, vom Veranstalter ausverkauft zu werden. Der Laden war knallvoll. Als The Dead Daisies auf die Bühne marschierten, war die totale Euphorie, die später mit dem Auftritt von Whitesnake folgte, zwar noch nicht zu spüren, aber der Auftritt der erfahrenen Stars brachte eine mehr als angenehme Ladung Spaß zum Warmwerden. Die Band, die in diesem Jahr ihr zweites Studioalbum »Revolucion« (2015) veröffentlicht hat, hat ihre Setlist ordentlich mit Coverversionen beladen, mit denen sie das Publikum fest bei der Stange hielt. Die enorm erfahrene Truppe lieferte erwartungsgemäß eine echte Bühnenshow, und der mit allen Wassern gewaschene John Corabi spielte seine Rolle als Frontmann phänomenal aus. Jede Menge Flirten aller Bandmitglieder mit dem Publikum, schelmisches, geistreiches Frotzeln untereinander, hervorragende Kommunikation von Corabi mit den Leuten und eine Kanonade explosiver Power während des gesamten Auftritts. The Dead Daisies sind ein Sammelsurium attraktiver Musiker. Wo auch immer das Auge an einem Einzelnen hängen bleibt, ist es sofort hypnotisiert. Ob du nun die Kapriolen des herausragenden Brian Tichy genießt oder die Albernheiten von John Corabi und besonders (immer aufgekratzt) Marco Mendoza. Ihr habt die Wahl.

Die Halle fing dann an, aus allen Nähten zu platzen, als David Coverdale mit seiner Truppe auf die Bühne trat. Das Publikum drehte durch. Nach all den Jahren kommen wirklich alle Generationen zu den Konzerten. Und was noch wichtiger ist: Der Anteil des zarteren Geschlechts nimmt keineswegs ab. Jedes Mal, wenn Coverdale die Arme in die Luft streckte und vom Publikum eine Reaktion forderte, löste die Geste eine Welle der Euphorie aus. Erst recht, als er sich ganz am äußersten Rand des »Catwalks« dem Publikum näherte. Der gerissene Fuchs bleibt mit seiner Bühnenpräsenz und seinem Zugang zum Publikum unglaublich ansteckend. Auch wenn sein Gesang in den reifen Jahren meilenweit von der früheren Form entfernt ist, ist es die Ausstrahlung, die den Besucher verzaubert und auf seine Seite zieht. Coverdale versprüht teenagerhafte Ausgelassenheit, und man hat tatsächlich das Gefühl, dass da eine junge Band auf der Bühne spielt, die erst noch ihre Chance auf den Durchbruch in der Szene sucht.

Zum Auftritt lässt sich Folgendes festhalten. Coverdale hat trotz der Probleme, mit denen seine Stimme in reiferen Jahren kämpft, die Nummern auf einem höheren Niveau über die Bühne gebracht, als wir es in den letzten Jahren von ihm gewohnt waren.  Außerdem bekommt er bei den begleitenden Gesangsharmonien Unterstützung von wirklich allen Bandmitgliedern, und bei den anspruchsvolleren Nummern deckt ihn vor allem Bassist Michael Devin mit zusätzlichem Gesang ab. Doug Aldrichs Abgang hat schließlich Reb Beach freie Bahn verschafft, der die Initiative übernommen hat. So bekam Reb Beach jede Menge Raum, um all seine Fertigkeiten als herausragender Gitarrenakrobat und Virtuose bis ins Detail vorzuführen. Dabei darf man auf keinen Fall Joel Hoekstra übersehen, dessen Soloparts deutlich musikalischer aufgebaut sind als die von Beach (und auch Aldrich), was für eine außergewöhnliche Zugänglichkeit seiner Soli für die Hörer sorgt. Wieder einmal verblüffte das älteste Mitglied der Whitesnake-Besetzung, nämlich Tommy Aldridge, mit einer unglaublichen Schlagzeugperformance, die er wie üblich mit einem wilden Drumsolo krönte – mit einem Wort: ein echtes Tier an den Drums.

Kurz gesagt: Die Whitesnake-Truppe gibt Vollgas und liefert ein hervorragendes Konzerterlebnis. Zusätzlich Öl ins Feuer goss die großartige Setlist, die die größten Momente von Coverdales Karriere mit Deep Purple (überraschenderweise ist Stormbringer rausgefallen) und die berühmten Hits von Whitesnake vereinte. Neben den erwartbaren Purple-Klassikern Mistreated, Burn und Soldier of Fortune beeindruckten besonders You Fool No One, das akustische Gypsy und You Keep On Movin‘. Vom ersten bis zum letzten Moment dieses neuen Wiedersehens mit der Band kann ich bestätigen, dass Whitesnake-Konzerte nach wie vor eine Garantie für riesigen Spaß sind, wo alles vor positiver Rock-Vibration überkocht, die an einem einzigen Ort zusammenkommt. Der Energiefluss zwischen Band und durchgedrehtem Publikum schuf das Erlebnis eines unvergesslichen Konzertabends, der im Nu vorbei war. Als in der Halle das weiße Licht anging, war es richtig schwer, aus dem Zustand der geistigen Entrücktheit aufzutauchen, dieser Mini-Hypnose, in der wir gut zwei Stunden lang die Welt der einzigartigen Whitesnake entdeckt und noch einmal durchlebt haben.

So viel Energie, wie die einzigartige und ungemein sympathische Bühnenfigur des unermüdlichen Coverdale auch 2015 versprüht, muss man keine Angst haben, dass die Band plötzlich auf die Idee kommt, sie sei alt, ausgebrannt und verbraucht und es sei Zeit für die sogenannten Abschiedstourneen. Nein, Whitesnake strahlen die Energie potenter Hengste aus, die live unbeirrt zubeißen. Mit voller Kraft. Betörend! Und so wird es mindestens noch weitere fünfzehn Jahre bleiben!

Setlist

WHITESNAKE:
1. My Generation (intro)
2. Burn
3. Bad Boys
4. Love Ain’t No Stranger
5. The Gypsy
6. Give Me All Your Love
7. You Keep on Moving
8. Ain’t No Love in the Heart of the City
9. Guitar Solo (Rob Beach /Joel Hoekstra)
10. Mistreated
11. You Fool No One
12. Drum Solo
13. Soldier of Fortune
14. Is This Love
15. Fool for Your Loving
16. Here I Go Again
—Zugabe—
17. Still of the Night
18. We Wish You Well (taped outro)

THE DEAD DAISIES:
1. War Pigs (intro)
2. Midnight Moses
3. Evil
4. Mexico
5. Hush
6. Lock ’n‘ Load
7. With You and I
8. Angel in Your Eyes
9. Devil Out of Time
10. Helter Skelter

Bildergalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies