Die Rückkehr des Mädchens aus dem Norden (2013)

0 13

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / SiTi Teater / Slowenien
Konzertdatum: 13.03.2013
Besucherzahl: 230

Für ein weiteres ausverkauftes Konzert im SiTi Teater war diesmal »schuld« Severa Gjurin. Die Zeit war reif, und die Frau entschied sich, ihren Namen gezielter auszubauen – einen Namen, der sich über die Jahre im slowenischen Musik- und Unterhaltungsbereich hohes Ansehen und breite Bekanntheit erarbeitet hat. In ihrer Begleitband behielt sie ihre Olivia-Vertrauten Dejan Lapanja (Akustikgitarre) und Gašper Peršl (Schlagzeug), während Žiga Golob als erfahrener Veteran als Ersatz für ihren Bruder Gal Gjurin am Kontrabass einsprang.

Im vollgepackten SiTi Teater verwöhnte Severa die Anwesenden mit der erwarteten Neuauflage der Olivia-Standards wie »Najini gozdovi«, »Ledena«, »Kadar sva sama«, »Nimam več«, »Brez sramu in brez strahu«, »Kjer je toplo«. Diese brachten in ihren »abgespeckten« Versionen Severas charmant-schmeichelnden Gesang zum Greifen nah. Den intimen, festlichen und dabei keineswegs zurückhaltenden Abend voll »ausgereifter« (organisch-akustischer) Klangsinnlichkeit eröffnete das neuere Stück »Mlini in vetrovi«, und mit einem treffsicher spannenden Repertoire stellte Severa unter Beweis, dass sie eine außergewöhnlich selbstbewusste und entschlossene Musikpersönlichkeit ist, die ihre Rolle schlicht genießt – wenn sie ihre musikalische Botschaft ans Publikum bringt und teilt. Eine solche Auflockerung des Abends war die Bearbeitung des Avtomobili-Klassikers »Obsedela sva sama«; in beinahe eklektischer Regie erklang »Pesem za babice«, bei der Golob am Kontrabass die Leitmelodie der Begleitung übernahm, während Severa am Gesang die Melodie mit schlichtem Summen hielt.

Besonders ans Herz gingen eine exzellente Version des Prapapir-Songs »Ali je še kaj prostora tam na jugu?«, dazu das kürzlich vertonte »Sej vame« von Mila Kačič, das mit der Tiefe seiner Aussage aufwühlt, sowie beide neueren Stücke, »Ti si moje srce« und »Kakor da se nič ni zgodilo«. Gerade die neueren Bearbeitungen, die im Geist echter Spontaneität bei gemeinsamen »Jams« mit dem slowenischen Musikpionier und Veteranen Borut Činč entstanden und auf dem Album »Časovne skice« veröffentlicht wurden, zündeten auf der Bühne besonders stark.

Das außergewöhnliche Selbstbewusstsein der Sängerin zeigt sich auch darin, dass Severa einige anspruchsvollere Standards anderer Künstler anging – darunter »Harvest Moon« von Neil Young, »Not Dark Yet« von Bob Dylan, zum Abschluss die R.E.M.-Bearbeitung »Oh My Heart« und als Zugabe »Hallelujah« von Leonard Cohen. Bei den Nummern, bei denen Severa allein die Akustikgitarre in der Hand hielt (ohne Begleitband auf der Bühne), traten einige Schwächen des Auftritts zutage. Ihre Greifhand ist schlicht zu schwach. Sie hat die Griffe so weit wie möglich angepasst, und dennoch klingt der Anschlag auf die eine oder andere Saite – besonders beim Barré-Akkord – »gedämpft«. Außerdem griff sie sich beim Akkordwechsel einige Male daneben. Da braucht es noch viel Übung. Diese Gitarrenschwächen rettete Severa mit ihrem exzellenten Gesang. Daran besteht kein Zweifel. Ihre Stimme stand die ganze Zeit breit im Vordergrund der Show – getragen von der geschmeidigen und hingebungsvollen Begleitung des bestens aufgelegten Trios Lapanja-Peršl-Golob. Und trotzdem: Bei den Momenten, wo lediglich Akustikgitarre als Untermalung zu Severas Gesang gefragt ist, wäre es weitaus besser, wenn Dejan Lapanja die Gitarrenkulisse vollständig für Severa übernehmen würde.

Eines steht fest: Severa hat eine besondere Stimme. Eine Stimme, die durch ihre einzigartige charakterliche Interpretationstiefe das Repertoire der Bearbeitungen wirkungsvoll in ein völlig neues, noch nie gehörtes und erlebtes Abenteuer verwandelt – verwandt mit der Jazz-Kabarett-Erfahrung. Die Mission ist in jeder Hinsicht aufgegangen. Das Publikum sog Severas Sinnlichkeit, ihre Momente der Erleuchtung, aber auch ihre Zerbrechlichkeit und Unberührtheit von Herzen auf. Ohne jede Mimikry! In allem organisch und natürlich!

Severa würzte den Abend auch mit einer Hommage an die Diva des slowenischen Jazz-Soul, Mia Žnidarič, im Stück »Iskre«, und an die Zusammenarbeit mit Vlado Kreslin erinnerte sie gegen Ende des Konzerts mit einer Version der Vertonung von Prešterns Gedicht »O, Vrba«.

Ein weiterer magischer Abend im SiTi Teater verging wie im Flug – obwohl die Show fast zwei Stunden dauerte, was ein Beweis für die Prägnanz und die faszinierende Zeichnung einer Musiklandschaft ist, wie sie Severa Gjurin versteht und vermittelt. Ein Mädchen von außergewöhnlichem Talent, Charisma und bemerkenswerter musikalischer Bandbreite. Offensichtlich steckt in der Familie Gjurin etwas genetisch fest Verankertes, das ihre Mitglieder dazu bestimmt, auf der Bühne und vor der Kamera zu stehen. Der Auftakt zu Severa Gjurins Solokonzerten ist also auf soliden Fundamenten errichtet. Hoffen wir, dass sich dazu künftig auch eigenes Songwriting gesellt und dass die Bearbeitungen in für die Bühnendarstellung zugeschnittenen Arrangements noch weiter reifen!

Setliste

  1. Mlini in vetrovi
  2. Ledena
  3. Harvest Moon
  4. Obsedela sva sama
  5. Najini gozdovi
  6. Brez sramu in brez strahu
  7. Kadar sva sama
  8. Nimam več
  9. Babica
  10. Ti si moje srce
  11. Ali je še kaj prostora tam na jugu?
  12. Not Dark Yet
  13. Sej vame
  14. Kakor da se nič ni zgodilo
  15. Iskre
  16. Oh My Heart
    —Zugabe—
  17. Hallelujah
  18. Orion
  19. Kjer je toplo
  20. O Vrba

Bildergalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies