Bang Your Head 2017 – `warm up` Show

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Balingen / Messegelände / Deutschland
Konzertdatum: 12.07.2017
Besucherzahl: 1500
Eintrittspreis: 35,00€

Wie jedes Jahr hatte auch das diesjährige Festival Bang Your Head!!! 2017 seinen Warm-up-Konzerttag – jenen, der einen Tag vor dem offiziellen Festivalbeginn stattfindet. Diesmal zwar ohne einen besonders herausragenden Headliner, aber dennoch mit einem Paket an Bands, deren Besuch sich absolut lohnt. Sanctuary und Death Angel allein rechtfertigen das schon – doch wenn du dazu noch die längst vergessenen kultigen deutschen Speed-/Thrash-Metaller und späteren melodischen Heavy-Metaller Angel Dust hinzurechnest, lässt sich der Versuchung wirklich kaum widerstehen.

Nun begann der Warm-up-Tag des Festivals auf eher sanften Tönen. Als erste betraten die deutschen Power-Metaller Stormwarrior die Bühne. Die Hamburger sind recht regelmäßige Gäste in Balingen und beim Festival Bang Your Head!!!, und vor langer Zeit gastierten sie unter anderem auch beim einst kultigen Karst-Metal-Festival Metal Mania Open AIr.  Im Quartett ist heute einzig verbliebenes Originalmitglied natürlich der Chef der Truppe, Gitarrist und Frontsänger Lars Ramcke. In diesem Jahr ersetzte die Band den langjährigen Bassisten Yenz Leonhardt durch Connie Andreszko, während Schlagzeuger Jörg Uken und Gitarrist Björn Daigger die heutige Stormwarrior-Besetzung komplettieren. Sich der hochkarätigen Gesellschaft der anderen Auftritte bewusst, fuhren Lars und seine Crew mit voller Artillerie auf und rissen die Aufmerksamkeit sofort an sich – mit dem Opener Iron Eagle vom beliebtesten Stormwarrior-Album »Heading Northe« (2008). Mit dem nächsten Song überraschten sie so gut wie alle im Saal: Sie gingen zurück an den Anfang ihrer Karriere, zur Single »Possessed By Metal«, und preschierten danach mit Heavy Metal Fire weiter. Die Band bewahrt ihre Bühnenpräsenz und Ausdruckskraft, auch wenn die Einflüsse von Running Wild und Helloween keine musikalische Revolution darstellen. Ordentlich, souverän, aggressiv und auf Volldampf. Mit echter Inbrunst. Der erfahrene Lars kombiniert nach wie vor geschickt Gitarrenspiel und Gesangsdarbietung, und der Rest der Truppe liefert ihm dafür mehr als eine solide Plattform. Den Hauptteil der Songs widmete die Band dem Album Heading Northe – neben Iron Eagle schloss sie das Konzert mit dem Titeltrack, und in die Setliste schmuggelte sie noch Ragnar’ock und Metal Legacy. Stormwarrior ließen auch das aktuelle Studioalbum »Thunder & Steele« nicht aus – sie spielten den Titeltrack und Steelcrusader, und aus dem älteren Album Northern Rage erklangen noch Valhalla und Bloode Eagle. Die Band schmuggelte noch eine weitere angenehme Überraschung in die Setliste: Odin’s Warriors, das von der EP »Heavy Metal Fire« (2003) stammt. Vierzig Minuten nordisch verbrämte deutsche Power-Metal-Kanonade als Auftakt also.

Dann folgte der Schwenk zu einer noch melodischeren Power-Metal-Band – zu den Schweden Bloodbound. Diesmal traten sie als Sextett an. Mit Fredrik Bergh an den Keyboards. Wer sich erinnert: Vor einigen Jahren spielten sie in der Gala hala in Ljubljana als Quintett, die Keyboards waren damals per Backingtracks »angebunden«. Die Bandbesetzung ist unverändert, mit Ausnahme des Schlagzeugpostens, den seit diesem Jahr Daniel Sjögren neu besetzt. Bloodbound ist eine Band, die seit dreizehn Jahren auf der Szene aktiv ist, und deren Mitglieder – allen voran die Gründer Gitarrist Tomas Olsson und der bereits erwähnte Bergh, die sich noch aus Zeiten der AOR-Band Street Talk kennen –  eine beachtliche Menge an Konzert- und Studiomeilen auf dem Buckel haben. Auch bei diesem Konzert ließen Bloodbound ihre Fans nicht im Stich. In diesem Jahr nahm die Truppe das neue Studioalbum »War of Dragons« auf und veröffentlichte es – und stellte es beim Konzert in Balingen auch ausgiebig vor. Mit sage und schreibe fünf Songs (das war die Hälfte der gesamten Setliste), darunter das Eröffnungsstück Battle in the Sky, der Titeltrack und Stand and Fight (alle drei wurden nacheinander im Eröffnungsteil des Konzerts gespielt) sowie Silver Wings und Dragons Are Forever, die für den Abschluss des Auftritts aufgespart waren. Den Rest der Setliste bestritt das Album »Stormborn« (2015) mit zwei Songs (Stormborn, Whern All Lights Fail) sowie »In the Name of Metal« mit dem Song Moria,  während Bloodbound den Auftritt mit dem älteren Stück Nosferatu (»Nosferatu«, 2005) abschlossen.  Patrik J. Selleby bleibt in ausgezeichneter Vokalform. Diesmal hatte er sich kleine Teufelshörner auf den rasierten Schädel geklebt. Nosferatu eben. Bloodbound als Truppe weben schon immer einen Hauch von Kitsch und Glitzer in ihr Bühnenbild und ihren Charakter ein. Eine schöne und ordentliche Vorstellung.

Angel Dust gelten als eine Art legendäre deutsche Band, die in den Achtzigern eigentlich Thrash- und Speed-Metal spielte. Ihr Auftritt im Rahmen des diesjährigen Warm-up-Tages beim Bang Your Head war für Kenner der Band, die nicht in ihrem engeren Umfeld verkehren, eine echte kleine Überraschung – denn die Band hatte jahrelang keinerlei Lebenszeichen von sich gegeben. Doch die Jungs haben sich kürzlich reaktiviert und dabei bestätigt, dass sie Material für ein neues Album erarbeiten. Der Auftritt von Angel Dust war daher eine der Hauptattraktionen des Warm-up-Tages. Die Truppe ist in der Besetzung reaktiviert, die zwischen 1997 und 2002 die letzten vier Studioalben aufgenommen hat. Diese vier stellten eine radikale Abkehr von den Speed-/Thrash-Metal-Wurzeln hin zu einem atmosphärischen, melodiereichen Heavy Metal dar – angeführt von der originalen Rhythmusfraktion Frank Banx (Bass) und Dirk Assmuth (Schlagzeug), dazu Sänger Dirk Thurisch und Gitarrist Bernd Aufermann (der eine Zeit lang als Live-Gitarrist der legendären Running Wild tätig war). Die Band, im Vorjahr reaktiviert, hatte offensichtlich länger nicht mehr auf der Bühne gestanden, und das war der Vorstellung anzumerken – es gab ein paar flüchtige Patzer, vor allem gelegentliche Abweichungen von der idealen Gesangslinie sowie einige Ungeschicklichkeiten bei den Gitarrenübergängen, doch Angel Dust entfalteten eine echte Konzert-Atmosphäre, bei der das Publikum sichtlich Spaß hatte. Wie dem auch sei. Angel Dust sind wieder da. Den Hauptteil der Setliste widmeten sie dem Album »Enlighten The Darkness« (das Eröffnungsstück Let Me Live, dann The One You Are, das Abschlussstück First In Line sowie Cross of Hatred, Enjoy! und Come Into Resistence), den Rest des Repertoires füllten die ausgezeichneten Alben »Bleed« (Bleed, Never) und »Border of Reality« (Border of Reality, Nightmare).  Auch wenn der Auftritt nicht das Optimum lieferte, war es schön, die Veteranen auf der Bühne zu sehen – und man darf hoffen, dass das neue Studioalbum sie wieder intensiver auf die Konzertbühnen Europas tragen wird.

Richtig heiß wurde es dann, als die Speed- und Thrash-Metal-Veteranen aus dem amerikanischen Seattle Sanctuary die Bühne übernahmen. Massen von Fans drängten sich vor die Bühne, und die Band lieferte mit fünfzehn Songs eine mit Emotionen und brillantem Spiel gewürzte Vorstellung – nichts mehr und nichts weniger als einen glänzenden Auftritt. Sanctuary, angeführt vom großen Vokalkommandeur Warrel Dane, stellten die Setliste aus drei Alben zusammen. Man muss kein Einstein sein, um dieses Rätsel zu lösen. Das sind natürlich die beiden kultigen ersten Alben »Refuge Denied« und »Into The Mirror Black«, während ein beträchtlicher Teil der Setliste von Songs des aktuellen »The Year The Sun Died« bestritten wurde.  Was beim Auftritt von Sanctuary besonders beeindruckte, war das hervorragende Zusammenspiel und der Sound, den die Band während des Gigs entwickelte. Vom Schlagzeug über beide Gitarren bis hin zum kraftvollen und durchdringend rumpelnden Bass. Von Warrel Dane darf man heute freilich nicht mehr den Zwanzigjährigen in Topform erwarten. Die Zeiten außergewöhnlicher Vokalleistungen sind nämlich vorbei, und Warrel schonte klug seine Kräfte – er blieb überwiegend in mittleren bis tiefen Lagen und überließ die eindrucksvollsten Refrains ausgewählter Songs gerne dem Publikum zum Mitsingen. Ein solider und kohärenter Auftritt, außergewöhnliche Publikumsbeteiligung. Die Geburt wahnsinniger und kultiger Riffs aus den Händen einer Kultband. Die Band entwickelte einen unglaublich packenden, geradezu blasphemischen Groove. Auch die neuen Songs hatten sich in drei Jahren beim Publikum bestens eingespielt, was auch die Mitsingmomente bewiesen – vor allem beim ansteckenden Frozen, bei dem man sogar einen Hauch stilistischer Verwandtschaft mit den viel zu früh beerdigten Nevermore spürt.

Für das große Finale betraten die Bay Area Thrash Metal-Veteranen Death Angel die Bühne. Eine Band, die enorm viel spielt und in letzter Zeit auch sehr viel neues eigenes Material schafft. Death Angel sind häufige Gäste beim Bang Your Head!!!-Festival und fühlen sich auch auf slowenischen Bühnen sehr wohl. Unter anderem traten sie auch in diesem Jahr wieder beim Metaldays-Festival auf. Die Band besitzt eine solche Qualität – gerade in der Live-Umsetzung –, dass das stilistische Label Bay Area Thrash Metal schon fast zu perfekt passt. Vom Quintett imponierte auf der Bühne vor allem das Duo aus den Achtzigern: der unglaublich energische, charismatische und explosionsartige Sänger Mark Osegueda und der brillante Gitarrensolist Rob Cavestany. Die Band wanderte wie im Spiel durch ihr Gesamtwerk – sie zelebrierte quasi das komplette Panorama ihres Schaffens, mit Schwerpunkt auf den neuen Songs des aktuellen, im Vorjahr veröffentlichten Albums »The Evil Divide«. Die Spielzeiten von Sanctuary und Death Angel waren mit je anderthalb Stunden gleichauf, doch Stil und ungezügelte Energie trieben das Publikum bei Death Angel in vollen Galopp – alles flog hoch in den Himmel, und endlich erwachten auch die Crowdsurfer, von denen kein Ende abzusehen war. Grenzenloser Mosh, Circle Pits, tödliches Sperrfeuer von der Bühne durch die rasende Death Angel-Artillerie. Aus allen Lagen. Auch am Ende des Auftritts zeigte die Band nicht den geringsten Hauch von Müdigkeit. Die Band überraschte nicht wenig mit der Aufnahme des Black Sabbath-Klassikers Falling Off the Edge of the World in die Setliste, und das giftige, halsbrecherische Konzert schloss mit dem messerscharfen The Moth vom neuesten Album. Death Angel bleiben eine äußerst giftige und zugespitzte Gruppe – der Inbegriff bedingungsloser Bühnenverwüstung und Vernichtung. Marks brillante Vokalexekution und eine neue Kostprobe seiner unglaublichen akrobatischen Moves auf der Bühne. Eine Band, die immer das Beste liefert und die man sich unbedingt immer anschauen sollte. Von der ersten bis zur letzten Sekunde. Wenn sich nur die Möglichkeit bietet, ihr Konzert zu besuchen. Das und nichts mehr. Sie liefern das Beste, und deshalb kann man nie genug von ihnen bekommen. Nicht auf Studioalben – und erst recht nicht bei Live-Auftritten. Hoffen wir, dass wir ihnen bald wieder begegnen.    

Setliste

STORMWARRIOR:
1. Iron Gods
2. Heavy Metal Fire
3. Metal Legacy
4. Bloode Eagle
5. Valhalla
6. Ragnarok
7. Thunder & Steele
8. Odinn’s Warriors
9. Steelcrusader
10. Heading Northe
11. Iron Prayers

BLOODBOUND:

1. Battle In The Sky
2. Stand And Fight
3. In The Name Of Metal
4. Stormborn
5. When All Lights Fail
6. Moria
7. Silver Wings
8. Dragons Are Forever
9. Nosferatu

ANGEL DUST: 

1. Let Me Live
2. The On eYou Are
3. Never
4. Enjoy!
5. Nightmare
6. Come Into Resistence
7. Border of Reality
8. Bleed
9. First In Line
10. Cross of Hatred

SANCTUARY:
Ad Vitam Aeternam (intro)
Arise and Purify
Let the Serpent Follow Me
Exitium (Anthem of the Living)
Die for My Sins
Seasons of Destruction
Future Tense
White Rabbit (Jefferson Airplane cover)
Question Existence Fading
Frozen
The Year the Sun Died
Battle Angels
The Mirror Black
Eden Lies Obscured
Soldiers of Steel
Taste Revenge

DEATH ANGEL: 
1. The Ultra-Violence/Evil Priest
2. Claws in So Deep
3. Left For Dead
4. Son of the Morning
5. Father of Lies
6. Caster of Shame
7. Thrown to the Wolves
8. Seemingly Endless Time
9. Breakaway
10. Lost
11. Falling Off the Edge of the World
12. Kill As One
13. Relentless Revolution
14. The Moth

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