Unbreakable
Avtor: Aleš Podbrežnik
Izvajalec: Primal Fear
Založba: Frontiers Records
Izid: 2012
Trajanje: 61:42
Ocena: 4/5
Die deutschen „Metal-Adler“ Primal Fear bleiben ihrem Zweijahresrhythmus bei Studioalben treu. Oder sagen wir lieber zweieinhalb Jahre. Nach 2009, als Mitte Mai das Album „16.6.“ erschien, ist nun „Unbreakable“ bei uns. Nichts Neues, werden jene sagen, die die Band seit Urzeiten verfolgen. Nichts Neues werden auch alle etwas oberflächlicheren Hörer sagen, die mindestens ein Studioalbum von Primal Fear kennen, das vor „Unbreakable“ erschienen ist, egal welches. Tatsächlich ist nichts Neues dabei. Beziehungsweise sind die Neuerungen, die es gibt, so winzige Veränderungen, dass sie nicht einmal den harmlosesten Anflug eines Zuckens in einer unbewegten Mimik auslösen. Nichts Neues. Nur eine Rückkehr zu den Wurzeln.
Primal Fear haben in der Zeit zwischen den beiden Alben einen erneuten Lineup-Wechsel erlebt. Das Stühlerücken fand wieder an der Gitarristenposition statt. Dort passiert das bei Primal Fear normalerweise. Den Schlagzeuger haben sie nur einmal ausgetauscht, während das Brüderpaar Matt Sinner – Ralf Scheepers eine Konstante bleibt. Ohne dieses gibt es schlicht kein Primal Fear. Wie auch immer – wer schon beim deutschen Teil der Tour im November 2009 auf ein Konzert gegangen ist, als Primal Fear das Album „16.6.“ vorstellten, der war überrascht, dass neben Henny Wolter Alex Beyrodt auf der Bühne stand, der damals den (aus familiären Gründen) abwesenden Magnus Karlsson ersetzte. Am Ende haben sich die Karten dann so gedreht, dass ausgerechnet Henny Wolter die Band verließ und Alex Beyrodt seinen Platz bei Primal Fear einnahm. Wer Beyrodt kennt, wird sich darüber überhaupt nicht wundern. Der Mann ist karrieremäßig eng mit Matt Sinner verknüpft – in seiner eigenen Band Voodoo Circle, in Sinners Stamm-Band Sinner oder in anderen gemeinsamen Projekten. Beyrodt ist also mehr als ein bewährter und verlässlicher Name für Primal Fear.
Und die Gitarrensoli über das ganze Album hinweg sind natürlich gesteigert und giftig-gezackt aufgedreht wie schon lange nicht mehr. Wahrscheinlich nicht seit den goldenen Zeiten, als Naumann und Leibing gemeinsam draufhauten. Wie Karlsson ist auch Beyrodt ein klassisch ausgebildeter Gitarrist. Noch mehr: Beyrodt ist bekannt für eine echte Malmsteen-Obsession beim Gitarrenspiel. Er verwendet sogar dieselbe Gitarrenmarke und tritt auch ähnlich aufgetakelt auf die Bühne. Einen Teil dieser „Malmsteenschen“ Fähigkeiten hat Beyrodt zu Primal Fear mitgebracht. Und eine Eingewöhnungsphase gab es nicht. Ganz einfach. Weil Beyrodt Mitgestalter der besten Sinner-Platten war, die zwischen 1996 und 2003 erschienen sind (also jener einzigen vier wirklich metalmäßig vollblütigen), weiß er genau, wie die Soli auch bei Primal Fear bedient werden wollen. Das Gespann Magnus Karlsson – Alex Beyrodt hat sich als ausgezeichnet erwiesen. In einzelnen Stücken begegnen wir wieder großzügiger den Verzierungen doppelter Gitarrenharmonien in Terzen, was das neue Werk stellenweise den älteren Primal Fear-Alben annähert, besonders den ersten drei, oder sogar den frühen Gamma Ray-Alben.
Magnus Karlsson und seine angeborene skandinavische Begabung für perfekte Melodie ist in die Musik von Primal Fear implementiert. Damit begannen Primal Fear mit „New Religion“ zu arbeiten, ihre volle Wirkung erreichte das mit dem Album „16.6.“! Primal Fear haben damit – man kann sagen in ihrer „eingeschliffenen und unerschütterlichen Karrierespur“ – mit dem herausforderndsten Album bewiesen, dass ihre eingefleischte Stahlschablone die Ansteckungskraft der Antriebe des melodischen Rocks aushalten kann und ihre Schärfe dabei keinen Hauch des sprichwörtlichen „Schusses“ verlieren kann. Das haben einige Arrangements von Magnus Karlsson bewiesen, was sich vor allem im großzügigeren Einsatz der Keyboards widerspiegelte, während die Gitarrenriffs sie wie gewohnt trugen. Nun kehrt „Unbreakable“ die Dinge auf das klassische Primal Fear-Terrain zurück. Die Keyboards sind erhalten beziehungsweise dort, wo sie sind, so eingebaut, dass sie atmosphärische Effekte ähnlicher Momente des Albums „Devil’s Ground“ heraufbeschwören. Das gilt für das hervorragende, mitteltempige Stimmungsstück Born Again, und besonders wirkungsvoll koexistiert es mit der metallischen Trotzigkeit, wenn die Jungs das antemartig epische, achteinhalb Minuten lange Where Angels Die angehen, das der Band fantastisch gelungen ist. Es vereint im richtigen Maß alles. Es hält die außergewöhnliche anthemische Erregtheit epischer Bombastik aufrecht, eine hoch kompatible Verbindung der Leitmotive, eine graduierte Steigerung der Atmosphäre in einen explosiven Refrain-Gesang und einen exzellenten Dialog der beiden Gitarristen im ausgedehnten mittleren Instrumentalteil. Das ist tatsächlich der Höhepunkt des Albums! Ein melancholisch verstählter Orgazmus des Albums im mittleren Tempo! Und Unbreakable (pt II) verblüfft in der Entwicklung der Vielfalt der Arrangements im Verlauf der Spielzeit. Stellenweise nähern sie sich mit den über den Riffs verwendeten Harmonien sogar dem alten Iron Maiden, mindestens aber dem alten Gamma Ray. Wirklich – Primal Fear haben seit dem Album „Nuclear Fire“ nicht mehr so klassisch geklungen wie auf diesem Album. And There Was Silence ist ein Beispiel für eine exzellente Rückkehr zum Album „Nuclear Fire“ und seiner Titelkomposition (harmonisches Zupfen über Riffs, das auf einem ultraschnellen Tempo liegt). Besonders retro und giftig-wirkend ist das Primal Fear von Marching Again, bei dem alle echten Metall-Fanatiker zweifellos sofort die Oberschenkel durchkämmen werden. Den Großteil der Stücke bilden unaufhaltsam aufgepeitschte Metal-Klatscher, die über dem ultravoltagigen Rollen der Doppelbassdrum-Pedale fräsen. Das Riffing ist giftig-vollblutig wie seit den Zeiten der Gitarrensatz-Kompositionen von Tom Naumann nicht mehr.
Natürlich gibt es einige klischeehafte Phrasen, die Primal Fear in der Vergangenheit schon gründlich abgeschliffen haben und die schlicht harmlos-naiv wirken. Eine solche Kostbarkeit ist das refrainartige Gebrüll „Bang Your Head!!!!“ (unglaublich – und Primal Fear treten beim deutschen Festival dieses Namens tatsächlich auch 2012 auf) im Stück Bad Guys Wore Black, das eine auf Accept riechende Gitarrenfigur als Strophengrundlage trägt. Eine weitere solche x-fach verkaufte „Kostbarkeit“ der Band versteckt sich in der abgenutzten Melodie des Refrains von Metal Nation. Die Eröffnung mit Strike ist das Final Embrace des neuen Jahrtausends (die Strophe!!!). Das Album beschließt das Judas Priest-hafte Conviction, was eine bewährte Wahl der Band ist, bekannt durch ähnliche Züge auf früheren Alben. Wenn man noch einmal beim ewigen Flirt der Band mit Judas Priest hängen bleibt, findet man diesen auch reichlich im hervorragend groovenden Give ‚Em Hell. Das wird die Fans der Band aber überhaupt nicht stören, da es in ihnen lediglich zusätzlich Nostalgie-Gefühle weckt. Aber das sind eben Fans.
Ralf Scheepers bewahrt seine gesamte Außergewöhnlichkeit und Haltung als einer der bemerkenswertesten Heavy-Metal-Vokalisten in Deutschland und Europa. Der Mann, der seit Mitte der Achtziger aktiv im Musikgeschäft tätig ist, hat in all den Jahren nicht ein Fünkchen vokaler Explosivität und außerordentlichen Formats verloren. Ralf singt überlegen und atemberaubend auch in den höchsten Lagen. Wie eine Luftalarm-Sirene. Mit federleichter Eleganz trägt er die entwickelte Kraft von den mittleren Lagen in die Höhen und brüllt mit unvermindeter Stärke in den höchsten Vokalregistern. Eine meisterhafte Exekution eines Vokalisten, der absolut brilliert mit seiner Gesangshaltung! Man kann ruhigen Gewissens sagen, dass diese Scheppers’sche Ausdrucksstärke in den Stücken oft wieder dominiert und heraussticht im Vergleich zu anderen Bausteinen der Stücke.
„Unbreakable“ ist ein Album, das Primal Fear tatsächlich für sich selbst und ihre Fans schaffen mussten. Nach einigen Alben des Ausprobierens ist die Rückkehr zu den Wurzeln mehr als willkommen. Die Fans haben sich ein solches Album so langsam herbeigesehnt und werden deshalb das neue Album wegreißen, die Band wird mehr T-Shirts im Rahmen des offiziellen Merchandise-Verkaufs auf Tour verkaufen, und folglich werden ihre Konzerte den einen oder anderen neugierigen Erstbesucher mehr anziehen. „Unbreakable“ ist für Primal Fear also wieder ein eher altschulmäßig fokussiertes Album. Es hält ein hohes Maß an Kompaktheit und einen klaren Brennpunkt aufrecht. Kompakt wie schon lange nicht mehr. Kompakt im Sinne davon, dass es der Treue zur rechtgläubigen, teutonisch verstählten Heavy-Metal-Haltung ihrer ersten fünf Alben treu bleibt. „Unbreakable“ ist keine Überraschung. Keine Neuheit. Es ist eine Rückkehr zum Sound und Stil der ersten drei Primal Fear-Alben und, was die bombastische Würze mitteltempiger anthemischer Stücke mit Keyboards betrifft, zum Album „Devil’s Ground“.
Zasedba
Ralf Scheepers – Gesang, Backing Vocals
Alex Beyrodt – Gitarre
Magnus Karlsson – Gitarre, Keyboards
Mat Sinner – Bass & Backing Vocals
Randy Black – Schlagzeug, Perkussion
Produkcija
Matt Sinner & Achim Koehler
Seznam skladb
1. Unbreakable (Part 1) (1:37)
2. Strike (4:39)
3. Give ‚Em Hell (3:05)
4. Bad Guys Wear Black (3:31)
5. And There Was Silence (5:13)
6. Metal Nation (5:11)
7. Where Angels Die (8:09)
8. Unbreakable (Part 2) (6:05)
9. Marching Again (5:41)
10. Born Again (4:48)
11. Blaze Of Glory (3:56)
12. Conviction (3:49)
13. Night Of The Jumps (3:57)*
*…Bonustrack, der der Digipack-Version des Albums beigefügt wurde