Seven Deadly
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: UFO
Label: SPV Records
Erscheinungsjahr: 2012
Laufzeit: 46:44
Wertung: 4/5
U.F.O., britische Legenden des Heavy Rock, die alle späteren Sphären des jungen britischen Metals beeinflusst haben, kehren nach drei Jahren mit einem neuen Album zurück. Die Band der Transition zwischen altschulischem Hard Rock und den Anfängen des N.W.O.B.H.M.! Alle, die etwas auf sich halten und mindestens einmal im Leben ein Konzert von Iron Maiden erlebt haben, wissen genau, dass eurem feinen Ohr die Einspielung des bekanntesten UFO-Songs Doctor Doctor nicht entgangen ist, kurz bevor Iron Maiden auf der Bühne explodierte.
Die Jahre vergehen, UFO trotzen ihnen – und so haben wir »Seven Deadly«. Das zwanzigste Studioalbum der Band. Obwohl von den Originalmitgliedern heute drei alte Haudegen die Besetzung bilden – Sänger Phil Mogg, Andy Parker (Schlagzeug) und Paul Raymond (Keyboards, Gitarre) – sieht es nicht so aus, als würde der Band die Puste ausgehen. Zumindest im Studio ganz sicher nicht. Trotz der scheinbar unersetzlichen Ikonen Michael Schenker und Pete Way. Pete Way? Ja. Jetzt auch er. »Seven Deadly« ist das erste Album ohne den Mann, der Steve Harris‘ Art des Bassspielens maßgeblich geprägt und Spandex in die obligatorische Bühnengarderobe eingeführt hat. Im vergangenen Jahr hat sich Way nämlich wegen angeschlagener Gesundheit zur Ruhe gesetzt.
Die Band hält mit dem festen Gitarristen Vinnie Moore seit 2004 stand. Moore hat der Band natürlich einige dringend nötige Veränderungen eingebracht, die sich aus seinem Gitarrenstil und seinem Arrangementansatz ergeben. Natürlich so, dass alle charakteristischen Merkmale des UFO-Sounds und der Melodien erhalten bleiben! Mit Moores Ankunft tritt das Blues-Element stärker in den Vordergrund, und die Band kann auch gelegentliche Seitenblicke auf das Temperament südstaatlicher Melodien nicht verbergen. Auch auf dem neuen Album, wie in den Songs Steal Yourself und Year Of The Gun, sogar bis zum Stoner-Schlendrian, der auf dem Album besonders dunkel riecht (Song Mojo Town).
Die Produktion ist teuflisch. Sie ist lebendig, extrem kontrastreich. Besonders herausgestellt ist der klare Kontrast zwischen der kanonenartig donnernden Snare-Drum, dem aufgedrehten Riff-Vorhang und natürlich dem fantastischen Phil Mogg, dessen chromglänzende Stimmbänder in reifen Jahren nichts von ihrer Intensität verlieren. Allein die messerscharf zerstörerische Form der Gitarrenphrase im Opener Fight Night (das leitende Gitarren-Riff, als hätte Angus Young von AC/DC es Moore persönlich ins Ohr geflüstert, giftig unterlegt mit dem Stampfen einer Kuhglocke), kündigt sofort an, dass »Seven Deadly« ein Album ist, das viel verspricht.
Die Legenden lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Eher das Gegenteil. Sie sind so erfahren, dass sie ihr Rock-Prinzip beim Komponieren nicht verleugnen können. »Seven Deadly« ist ein Album echter und authentischer UFO-Herkunft. Es trägt eine wunderschöne Balance aus dem Gespür für große, eingängige Melodien mit epischer Wirkung (Angel Station, Burn your House Down), dazu fügen die Jungs wieder in den richtigen Dosen die Würze des Blues hinzu, klassische Retro-»Rhythm ’n‘ Blues«-Rhetorik, neben dem bereits erwähnten gelegentlichen Southern-Anstrich.
Der Hauptantriebsmotor der Band ist heute zweifellos Vinnie Moore. Der Mann, der Gitarre auf dem Debüt der amerikanischen Speed-Metaller Vicious Rumors »Soldiers Of The Night« (1985) sowie auf Alice Coopers »Hey Stoopid« (1991) spielte, ist mit Abstand der Jüngste im UFO-Team. Das ist enorm wichtig, denn er bewahrt so viel Temperament und Beweislust, dass er schlicht der Träger des Großteils der kreativen Ideen ist, die das Quartett dann in die kompakte Form eines urgesteinigen Rock-Eintopfs verwandelt. Moore ist ein außergewöhnlicher Gitarrist – gerade seine Soli, in denen er eine beeindruckende Vielfalt verschiedener Gitarrentechniken unter Beweis stellt, sind die Momente des Albums, die sein Bild entscheidend auffrischen und die Gleichförmigkeit der Songgerüste aufbrechen.
Neben Moores kreativem Genie ist es die Weisheit und Abgebrühtheit der restlichen Quartettmitglieder, die auch 2012 alle UFO-Eigenheiten bewahrt. Phil Moggs Stimme wird mit den Jahren fülliger, tiefer – und der Typ, der als einer der sensibelsten Vokalinterpreten des klassischen Rock gilt (denk nur an die unvergessliche klassische UFO-Mini-EP Love To Love), klingt auf dem neuen Album wieder außergewöhnlich. An den Stellen, wo sich eine Prise südstaatlicher Desperado-Temperament an die UFO-Melodik heftet, sind die Gefühle auf dem Album ähnlich denen, die Nicky Moore einst auf den Samson-Alben der Achtziger aneinanderreihte.
»Seven Deadly« ist ein Album, das allen Liebhabern des Erbes potenter, zerstörerischer Rock-Magie auf den Leib geschrieben ist. Allen, die Kühnheit, Direktheit, Arroganz suchen, durchdrungen von der Erotik des Bühnenspiels, die so authentisch und greifbar wirkt, wie es nur UFO mit ihren einzigartigen Qualitäten bieten können. Das ist ein Album mit einer dicken Schicht vokalem Sentiment, dem Hauch klassischer Melodie, raffiniert dosiert mit dem teuflischen Erbe der Bluesmusik. »Seven Deadly« ist ein eigenwilliges Album von besonderem Temperament. Und UFO überraschen damit. Ja. Überraschen auch nach mehr als 40 Jahren des Trotzbietens. Mit der Potenz ungezähmter Hengste!
Besetzung
Phil Mogg – Gesang
Vinnie Moore – Gitarre
Paul Raymond – Gitarre, Keyboards
Andy Parker – Schlagzeug
Produktion
Vinne Moore
Trackliste
01.Fight Night
02.Wonderland
03.Mojo Town
04. Angel Station
05. Year Of The Gun
06.The Last Stone Rider
07. Steal Yourself
08. Burn Your House Down
09. The Fear
10. Waving Good Bye