Rock Or Bust

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: AC/DC
Label: Columbia Records
Erscheinungsdatum: 01.12.2014
Laufzeit: 35:00
Bewertung: 3.5/5

Über dieses Album gibt es nicht viel zu sagen. Es ist nämlich genau das, was zu AC/DC gehört. Genau so, wie wir es uns gewünscht und erwartet haben – und so, wie es nur diese Truppe unvergleichlicher australischer Rock’n’Roll-Elektriker zusammenbauen kann. AC/DC sind eine Band, der man die Jahre durchaus anmerkt. Zum Glück aber nicht im musikalischen Sinne! In den letzten Jahren einer Karriere, die sich weit jenseits der 41-Jahres-Marke erstreckt, tauchten immer wieder saftige Aussagen über einen möglichen Rücktritt der Band auf. Johnsons ramponierte Stimme, Malcolms Demenz, die ihn tatsächlich in den Ruhestand zwang, sowie die miesen kriminellen Eskapaden des  »Lausbuben im Hintergrund« Phil Rudd. Eine Menge Vorboten dafür, dass die Zeit für AC/DC gnadenlos abläuft. Und genau in dieser Situation siegten die Sturheit und der Trotz – die offenbar auch im reifen Alter noch vollständig im ewig kurzhosigen Angus stecken – über all die schwarzen Wolken, die sich über diesem Team unvergleichlicher und wegweisender Rock-Ikonen zusammengebraut hatten. Auch wenn es das erste Mal in der Karriere ohne seinen Bruder war.

»Rock or Bust« ist – ähnlich wie »Black Ice« 2008 vor ihm – ein Dokument, das die charakterliche Frische und ungebrochene Potenz einer Band belegt, die jede Angst davor vertreibt, dem gedämpften Keuchen überhitzter alter Mähren beiwohnen zu müssen. AC/DC geben nicht auf und bleiben die ewigen Gewinner. Es reicht, den Lieblingsamp anzuschmeißen und Angus‘ magischen Touch, damit der zauberhafte Rock’n’Roll-Trank sich durch den Glanz der legendären Riffs zu entfalten beginnt, die seine unzertrennliche Gibson SG immer wieder so treu produziert. Blues-Erotik brodelt wieder einmal grenzenlos durch Angus‘ Gitarrenphrasen, und AC/DC erstrahlen in ihrem legendären Glanz.

»Rock or Bust« setzt die Geschichte des ausgezeichneten Vorgängers »Black Ice« fort – womit die Erinnerung an das weichere »Stiff Upper Lip« (2001) endgültig verblasst ist. »Rock or Bust« wirkt noch kompakter als der Vorgänger, auf dem es insgesamt zu viele Songs gab (gleich 15). Brian Johnson gönnt sich keine vokalen Ausflüge in Richtung reines Singen in den mittleren Lagen, sondern ist auf dem neuen Album wieder zu 100% aufs Kreischen in die Höhen fokussiert – was den Großteil des diskografischen Schaffens der Band ausmacht. Klar ist: AC/DC liefern bewährt vertraute Ware, denn nur das verstehen, kennen und beherrschen sie am besten. Dass die Band in Zeiten, in denen einzelne Mitglieder von Unannehmlichkeiten und Alltagsnöten geplagt wurden, »Rock« mehr als je zuvor in ihrem Leben brauchten, zeigt allein schon die nackte Tatsache, dass gleich fünf Songs das Wort »Rock« im Titel tragen. Daher ist der Albumtitel »Rock or Bust« umso bedeutungsvoller. In den Texten gibt es wieder jede Menge anzüglicher Anspielungen auf Vertreterinnen des zarten Geschlechts, Seitenhiebe gegen das gnadenlose Räderwerk des Kapitalismus, der neue Alibis für die Schaffung von Kriegen kreiert, sowie das klassische Rechtfertigen des trauten Flirts mit alkoholischen Derivaten. Bewährt. Und einmal mehr bewährt wirkungsvoll. Von der ersten bis zur letzten Sekunde des Albums.

Alle Gitarrenphrasen des neuen AC/DC-Albums hast du irgendwo, irgendwann schon mal gehört – und das Gefühl, sie immer wieder aufs Neue zu hören, ist schlicht begeisternd. Ähnlich dem, was auch Motörhead in reifen Jahren regelmäßig mit ihren Alben liefern. Anders darf und kann es schlicht nicht sein. Darin bleiben AC/DC eigentlich ein einzigartiges Phänomen! Und das wissen sie nur zu gut und halten ganz bewährt daran fest.

Heilige Einfachheit, ein geradezu bizarrer Rock’n’Roll-Minimalismus, der im Kern des ursprünglichen Spiels das Wesen seines Urcharakters freilegt, bewahrt die ausdrucksstarke Reinheit des Bandnamens und das große Erbe der Band als Pioniere und Lehrmeister des Rock’n’Roll. »Rock Or Bust« ist ein Dokument, das von lausbübischer Arroganz und lasterhaftem Aufbegehren strotzt. An Vitalität mangelt es der Band keineswegs. So ist das eben, wenn sein Schöpfer mit der magischen Formel des Rock’n’Roll hantiert. 

Besetzung

Brian Johnson – Gesang
Angus Young – Gitarre, Backing Vocals auf „Dogs of War“ und „Sweet Candy“
Stevie Young – Gitarre, Backing Vocals
Cliff Williams – Bass, Backing Vocals
Phil Rudd – Schlagzeug

Produktion

Brendan O’Brien

Tracklist

1. Rock or Bust (3:04)
2. Play Ball (2:47)
3. Rock the Blues Away (3:24)
4. Miss Adventure (2:57)
5. Dogs of War (3:35)
6. Got Some Rock & Roll Thunder (3:22)
7. Hard Times (2:44)
8. Baptism by Fire (3:30)
9. Rock the House (2:42)
10. Sweet Candy (3:09)
11. Emission Control (3:41)

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