Rescue & Restore
Autor: Primož Novak
Künstler: August Burns Red
Label: Solid State Records
Erschienen: 2013
Laufzeit: 48:43
Bewertung: 3.5/5
Bei August Burns Red, dem amerikanischen Metalcore-Quintett aus Pennsylvania, muss man zunächst ihren Fleiß loben – zumindest liefern sie alle zwei Jahre ein neues Studiowerk. Mit den ersten beiden Alben haben sie in der ohnehin schon gesättigten Szene vielleicht nicht viel Aufmerksamkeit erregt, aber mit Constellations und Leveler sind sie zu einer der wichtigsten Stimmen im heutigen, modernen Metalcore geworden.
Oft wird ihnen ihre Glaubensüberzeugung vorgeworfen – Bands, die das Christentum verherrlichen, waren mit wenigen Ausnahmen nie sonderlich beliebt. August Burns Red drängen das zum Glück nicht auf: Hier und da schleicht sich in den Texten etwas Gottbezogenes ein, aber die Musik steht nach wie vor an erster Stelle.
Noch bevor das Album erschien, hatte Gitarrist JB Brubaker verlauten lassen, dass Metalcore noch lange nicht ausgereizt sei und dass ABR mit Rescue & Restore beweisen würden, dass das Genre noch jede Menge Potenzial hat. Hat es das?
Über das gesamte Album hinweg versuchen August Burns Red zu beweisen, dass Metalcore nicht verwässert ist. Dabei weicht die Band schon seit jeher von den Standard-Metalcore-Mustern ab, die von diversen Bands geprägt wurden, die ihren Ruhm auf Roadrunner Records genossen haben. ABR sind technischer, unberechenbarer und dynamischer. Und natürlich sind sie melodisch. Sehr melodisch. Auf dem Album hört man häufig zwei Gitarrenlinien, und auch beim gelegentlichen Solieren geht es nicht um Virtuosität, sondern einzig um Melodik. Breakdowns sind natürlich auch dabei, aber die Band übertreibt es nicht damit – sie sind sauber in die Songs eingebunden. Im Vergleich zu vielen anderen Metalcore-Bands drängen ABR keine eingängigen Refrains auf, was typisch für ihren Stil ist, den sie mit diesem 5. bzw. 6. Studioalbum nun endgültig festgeschrieben haben – wenn man das letztjährige Weihnachtsalbum Sleddin‘ Hill mitzählt.
Womit haben ABR diesmal gezeigt, dass sie sich weiterentwickelt haben und dass Metalcore nicht ausgereizt ist? Mit unkonventionellen Strukturen allein jedenfalls nicht – das hat die Band schon früher bewiesen. Diesmal wurden jedoch weitere Instrumente eingebunden: Geigen, Cello, Trompeten und Klavier. Im Song Creative Captivity spielt Gitarrist Brubaker sogar kurz das chinesische Instrument Guzheng. Vielleicht war das passender als das Einmischen anderer Musikgenres, was man beim Vorgänger versucht hatte, aber irgendwie nicht richtig zum Ausdruck kam. Denn die klassischen Instrumente kommen bei verschiedenen Spannungsmomenten schön zur Geltung, wie man etwa bei Treatment und Spirit Breaker hören kann
Als Musiker haben ABR in einigen Bereichen Fortschritte gemacht. Die Gitarren bieten zwar nichts besonders Neues, dafür ist die Rhythmussektion umso abwechslungsreicher. An Fantasie mangelt es Schlagzeuger Matt Greiner nicht, und auch der Bass glänzt mit einigen eigenen Linien. Beim Gesang hingegen gibt es keine wesentlichen Veränderungen. Neben dem gewohnten Screaming ist gelegentlich ein Growl zu hören, und stellenweise tauchen melodiöse »Gang«-Vocals auf (z. B. beim Song Echoes), womit die Band den Songs mehr Pathos verleihen will.
August Burns Red beweisen mit Rescue & Restore, dass sie konsistent sind. Das Problem ist nur, dass das Album zu wenig herausragende Songs hat – aber das Gesamtwerk überzeugt trotzdem noch ganz ordentlich. Mit diesem Album haben August Burns Red auf jeden Fall bewiesen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Metalcore und einem Lady Gaga-Song – wenn man noch eine weitere »provokante« Aussage von Gitarrist Brubaker aufgreift.
Besetzung
Jake Luhrs – Gesang
JB Brubaker – Gitarre
Brent Rambler – Gitarre
Dustin Davidson – Bassgitarre, Gesang
Matt Greiner – Schlagzeug
Produktion
Carson Slovak, Grant McFarland
Trackliste
02. Treatment
03. Spirit Breaker
04. Count It All As Lost
05. Sincerity
06. Creative Captivity
07. Fault Line
08. Beauty In Tragedy
09. Animals
10. Echoes
11. The First Step