Jurki & Basisti
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Jurki & Basisti
Label: Celinka
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 42:13
Bewertung: 4.5/5
Bojan Jurjevčič ist ein Mann mit einer Karriere von biblischen Ausmaßen. Ein Kerl, der über drei Jahrzehnte künstlerischen Schaffens der Theatermusik verschrieben ist und dabei all die Zeit auch eine Band angeführt hat, die sich im Laufe der Zeit schrittweise vom Namen Basisti über Jurki z Basisti zur aktuellen Inkarnation Jurki & Basisti gemausert hat. Mit der neuen, erneuerten und verjüngten Formation hat Jurki beschlossen, ein neues Studioalbum herauszubringen. Insgesamt gerade mal das dritte echte Longplay-Dokument!
Bojan Jurjevčič ist ein mit allen Wassern gewaschener Musikveteran, der mit einem Sack frischer eigener Ideen und einer erneuerten Mannschaft exzellenter Musiker, die ebenfalls im Laufe ihrer Karriere in verschiedenen Formationen und mit vielen renommierten Künstlern gespielt haben, ein neues hervorragendes musikalisches Werk abgeliefert hat. Es ist längst keine Neuigkeit mehr, dass Jurki als Poet expressiv außergewöhnlich stark ist und dass die Singer-Songwriter-Note in Verbindung mit ihm unverkennbar ist. Auf dieser Platte hat Jurki in seinen Botschaften erneut knackig ein paar kräftig »Deftige« vom Stapel gelassen.
Das Album Jurki & Basisti wirkt lebendig, nach dem Vorbild eines Konzertauftritts. Gleichzeitig aber gegenüber dem Album »Dama in top« aus dem Jahr 2002 eher »weicher«, mit mehr wohlklingender Wärme und Tiefe, und auch das Klangbild der Produktion ist gegenüber dem Vorgänger deutlich verdichteter (die Effizienz seiner Bausteine ist größer). Jurki hat in der zwölfjährigen Pause zwischen den Alben sein täglich Brot verdient mit dem Komponieren einer ganzen Reihe von Musikstücken für Werbespots, Fernsehsendungen, Filme und Theaterproduktionen. An seiner kreativen Produktivität besteht kein Zweifel. Gleichzeitig ist aufgrund der enormen Erfahrung, die dieser Künstler angehäuft hat, auch völlig klar, dass ihm die Dinge in der Phase des Komponierens und Arrangierens glasklar sind. Er weiß genau, wie ein beliebiger Track »stehen« muss, damit er auf Anhieb »packt« und seine Botschaft das Ziel direkt und geradewegs ins Schwarze trifft!
Das Team bewährter Musiker beweist, dass es bei der Ausführung seiner Aufgaben unter der Leitung des erfahrenen Jurki im Studio mit außerordentlicher Geschicklichkeit zu Werke geht. Für das Album »Jurki & Basisti« hat Jurki Bläser vollständig aus den Arrangements verbannt. So kommt auf einzelnen Tracks des Albums die »samtene Wärme« der Klänge von Hammond und Wurlitzer zu größerer Ausdruckskraft! Sie verbindet sich hervorragend mit den Gitarrenphrasen und koloriert die Motive auch durch das kunstvolle Einbetten von Pedal-Steel- und Lap-Steel-Gitarren ins Arrangement. Diese Begleitkulisse, in die Bojans charismatischer Gesang eingebettet ist, wird von der gedrungenen und kompakten kinetischen Form der Rhythmussektion getragen, in der sich der exzellente Schlagzeuger Žiga Kožar (Don Mentony Band, Moonlight Sky Trio,…) und der erfahrene Bassist Jani Lah (Tomaž Domicelj Band, Matej Krajnc,…) vereinen, wobei Jani Lah mit feinsinniger Präzision brilliert. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Jurkis vokale Interpretation, die in die Songs erneut eine Dosis unverkennbaren Sarkasmus einbringt, dazu auch schelmische Noten. Ein Meister ist eben ein Meister. Er trägt die Verse mit einer Note außerordentlicher Einfühlung vor, und die Songs, die sich in den aufgelockerten Genrerahmen des schelmischen Kabarett-Blues (En lep dan na tvojo dlan, Priznam) und des Kabarett-Rock ’n‘ Rolls (Pismo) bewegen, mit gelegentlichen Ausflügen Richtung Jazz, bis hin zu einer kernigen Mischung aus Blues und Alternativrock mit dem Flair eines Desperado-Revolverhelden (A in B, Vsak je sam, Navaden dan). Den in den Klammern des vorigen Satzes genannten Songs würde auch Nick Cave mit Sicherheit interessiert lauschen.
Der Song Janezu se jebe stellt eine größere stilistische Abweichung dar, aber für diejenigen, die Jurkis breiteres Werk kennen, wird die Komposition keine Überraschung sein. Sie ist aber das Besondere des Albums »Jurki & Basisti«. Die Assoziationen an Janez Janša sind hier nicht mehr so wichtig wie die Tatsache, dass wir die Botschaften dieses Songs sofort mit dem Stereotyp der klassischen Mentalität des durchschnittlichen Slowenen in Verbindung bringen können, und er veranschaulicht gleichzeitig treffend die Aktualität des extrem verwaisten Geisteszustands der slowenischen Gesellschaft, die aller moralischen Werte und Grundsätze beraubt ist. In diesem Song kreischen die Gitarren konkreter auf, die rhythmische Kinetik bekommt sogar funkige Züge, und das Feeling sowie seine Entwicklung rufen nach einer Art Exzentrizität, die sinnvoll den Charakter der Band Na lepem prijazni (NLP) assoziiert! Genau in diesem Song ist der einleitende Trick, den eine Operetten-Frauenstimme aufbaut, gleichzeitig auch eine sinnvolle Parallele, die Jurki mit Tricks im Stil von Ennio Morricone verbindet. Na ja, das ist eben jene Art von Arrangement-Würze, die dem abgebrühten Meister bestens vertraut ist, wenn es darum geht, eine musikalische Untermalung für ein beliebiges Filmdrehbuch zu schaffen.
Ans Ende des Albums lehnt sich das weithin bekannte Eigenwerk Od dela se umira, das Mitte der Achtziger entstand, aber seine Zeitlosigkeit vollauf bewahrt hat! Auch dieser Song, neu aufgefrischt mit einem Remix, überrascht immer wieder durch den wirkungsvollen Einsatz des elementaren Axioms des Komponierens, das sich »weniger ist mehr« nennt. In dieser Hinsicht handelt es sich um wahre schöpferische Brillanz. Dieser Ansatz lässt sich übrigens mühelos durch das gesamte Album »Jurki & Basisti« hindurch ablesen. Im Vordergrund steht natürlich Jurkis unverkennbarer Gesang, der den Löwenanteil der Arbeit beim Bezaubern des Hörers übernimmt, während die übrigen Bausteine der Kompositionen die Begleitkulisse außerordentlich wirkungsvoll einfärben und die Stimmungslagen, die Jurki in seinen Botschaften entfalten möchte, perfekt kontrastieren und potenzieren.
Jurki & Basisti liefern der slowenischen Musikszene ein typisch slowenisches Album. Gewürzt mit dem Melos und den Gefühlen echter geografischer Herkunft, in der dieses (slowenische) Album heranreifte. Dabei liefert das Album auf ansprechende und geschmackvolle Weise ideelle Vielfalt, Vielschichtigkeit der Wahrnehmung der musikalischen Essenz sowie das Wesen aller Wesen! Eine außerordentlich einfühlsame Interpretation von Poesie, die durch genialen metaphorischen Sarkasmus durchgehend gekonnt unsere Welt zeichnet. Jurki ist ein Situationsprediger. Ein Beobachter. Der Song Pismo wird euch mit seiner Poesie zu Tränen lachen lassen angesichts der abschließenden Erkenntnis, wie eine Tochter »ihre Schwiegermutter austrickst«, und gleichzeitig beißend darauf hinweisen, dass in diesem Witz jede Menge Wahrheit steckt, der wir täglich (stumm) Zeuge sind. Im Inneren dieses anspruchslosen, oft sogar völlig entspannten und gemütlichen Albums steckt knackig verpackt die Beklemmung und eine Melancholie, die sich über den Himmel des slowenischen Landes spannt. Gefühle, Leidenschaften und Emotionen werden mit großer expressiver Kraft vermittelt, weshalb dieses Werk so authentisch, überzeugend und inhaltlich reich ist. Ihr werdet noch lange daran kauen können.
Wenn ich zu diesem wunderschönen Werk noch ein bisschen (mehr) persönliche Note hinzufüge, wünsche ich mir aufrichtig, dass solch authentische Erzeugnisse vollblütiger schöpferischer Eigenständigkeit auf der slowenischen Musikszene häufiger entstehen würden. Hoffen wir also, dass wir auf den Nachfolger des Albums »Jurki & Basisti« nicht wieder länger als zehn Jahre warten müssen — ansonsten: Hut ab vor Jurki und seiner Crew für dieses aufrichtige Bekenntnis und musikalische Meisterwerk.
Besetzung
Bojan Jurjevčič Jurki – Gesang, Gitarre, Dobro, Mandoline, Synth, Baritongitarre, Bassgitarre, Programmierung, Blues Harp, Wurlitzer, Perkussion
Miha Meglič – Gitarre
Miloš Rebula – Hammond, Wurlitzer, Klavier
Janez Lah – Bassgitarre
Žiga Kožar – Schlagzeug, Perkussion
Andraž Mazi – Lap Steel, Pedal Steel
ZUSÄTZLICHE VOKALISTEN:
Barbara Fürst – Operngesang
Aleš Hadalin – Hintergrundgesang
Petra Trobec – Hintergrundgesang
Metod Banko – Hintergrundgesang
Neža Peterle – Hintergrundgesang
Tomaž Maher – Hintergrundgesang
Blaž Medja & Aleš Berkopec – Remix von Track Nr. 11
Produktion
Franci Rainer & Bojan Jurjevčič Jurki
Trackliste
1. En lep dan na tvojo dlan
2. Priznam
3. A in Be
4. Pismo
5. Navaden dan?
6. Back on dixie bound I
7. Vsak je sam
8. Če imaš prav
9. Janezu se jebe
10. Back on dixie bound II
11. Od dela se umira (remix)