Comeblack

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Autor: Urban Bolta

Künstler: Scorpions
Label: Sony Music
Erscheinungsdatum: 04.11.2011
Laufzeit: 54:04
Bewertung: 3/5

Als die legendären deutschen Heavy-Metaller Scorpions 2010 das Album »Sting in the Tail« veröffentlichten und eine Abschieds-Welttournee von gewaltigen Ausmaßen ankündigten, schien alles darauf hinzudeuten, dass dies ihr letztes Album sein würde. Doch mitten auf der Tour zogen sich die Deutschen wieder ins Studio zurück und veröffentlichten das Kompilationsalbum »Comeblack«, das scheinbar aus zwei Teilen besteht: neu eingespielten Eigenklassikern und Coverversionen von Klassikern anderer Künstler aus den Sechziger- und Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts. Das Album kam als letztes Geschenk an ihre treuen Fans, die sie im Laufe ihrer langen Karriere auf Schritt und Tritt begleitet und angefeuert hatten – in guten wie in schlechten Zeiten. Wahrscheinlich verspürten die Scorpions mitten auf der Konzerttournee noch einmal den Drang, in den Aufnahmestudios herumzuspielen, in denen sie unglaubliche fünfundvierzig Jahre verbracht hatten – das Ergebnis war bereits das neunzehnte und diesmal angeblich wirklich letzte Studiowerk.

Die erste Hälfte des Albums besteht aus Evergreen-Hits der Scorpions wie Rock You Like A Hurricane, No One Like You, Still Loving You, Wind Of Change und anderen. Diese Songs bilden bis heute das eiserne Rückgrat eines jeden Scorpions-Konzerts – durch das beständige Spielen derselben Stücke haben die Songs jedoch an Schärfe verloren, weshalb die Scorpions unbewusst begannen, sie mit neuen Arrangements zu versehen und mit kleinen Kniffen in neue Klanggewänder zu hüllen. Natürlich reden wir von minimalistischen Veränderungen, die – befeuert durch den kristallklar polierten Sound auf »Comeblack« – ihren Klassikern den Stempel des 21. Jahrhunderts aufdrücken. Die Deutschen haben sich nämlich nie in der Zeit eingefroren, sondern den Trends in der Musik treu gefolgt und diese klug in ihren einzigartigen Stil eingebaut, was ihnen nur selten danebengegangen ist. Die neu eingespielten Klassiker haben neben dem modernen Touch allerdings auch eine gehörige Portion Sterilität, für die das Produzentenduo Mikael Andersson und Martin Hansen gesorgt hat. Die Gitarrenlinien von Matthias Jabs und Michael Schenker sind klar definiert und lassen keinerlei Improvisation im Soundbrei zu, wie er für weniger ausgearbeitete Produktionen typisch ist. In diesem Licht weicht das epische The Zoo – ursprünglich vom Album »Animal Magnetism« (1980) – am deutlichsten vom Original ab: Jabs‘ Gitarren-Soli und Kottaks Schlagzeugattacken erstrahlen hier in einem völlig neuen Licht. Rundum zufriedenstellend ist auch der Beitrag des heute bereits 64-jährigen Sängers Klaus Meine, der das gesamte Album zwar etwa eine Oktave tiefer singt als in den Originalversionen, aber trotzdem einen guten Eindruck hinterlässt und – Hand aufs Herz – dank der Studiobearbeitung noch immer frisch klingt.

Der zweite Teil des Albums besteht aus Coverversionen von größtenteils klassischen Rocksongs, die sie einst dazu inspiriert haben, ihren Träumen zu folgen – so haben sie es selbst ausgedrückt. Eröffnet wird er mit Tainted Love, dem Soul-Stück von Gloria Jones, dessen schwerer Rock-Sound wegen der unglücklichen Songwahl einfach keinen Weg in die Ohren findet. Deutlich besser schneidet die T.-Rex-Hommage Children Of The Revolution ab – Meines unverkennbar klarer und melodischer Gesang verleiht ihr den typischen Scorpions-Charme. Across The Universe und Ruby Tuesday sind die naheliegenden Griffe; aufgrund des Kultstatus der Originalkünstler haben die Scorpions zwar mit dem Feuer gespielt, aber es gelang ihnen in den Coverversionen, das beatlesartige Gefühl für eingängige Melodien bzw. die Seele der Rolling Stones zu bewahren. Trotzdem stellt sich die Frage, an wen solche Cover eigentlich gerichtet sind – schließlich wird jeder lieber die Beatles, die Kinks oder die Stones auflegen als deren zeitgenössische Heavyrock-Interpretationen. Aber eines muss man zugeben: Den Scorpions ist es gelungen, die ausgewählten Songs in ihre eigene Rock-Spannung zu kleiden, die charakteristische Kraft der Band kam wieder zum Vorschein und meisterte damit für das finale Vermächtnis der Band noch eine der letzten abenteuerlichen Hürden ihrer Karriere.

»Comeblack« ist das letzte Studioalbum der Scorpions und daher für alle Fans eine Pflichtanschaffung, denn darin ist ein Stück ihrer Geschichte eingefangen – während der durchschnittliche Bandfan auf der Suche nach den typischen Scorpions-Melodien wohl eher zu ihren klassischen Alben greifen wird. Die Scorpions sind nämlich eine Band, die das Musikgeschehen der letzten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts geprägt hat, und da tötet der moderne Sound die gesamte Nostalgie, mit der man die heute schon ergrauten Deutschen wohl oder übel immer verbinden wird.

Besetzung

Klaus Meine – Gesang
Rudolf Schenker – Rhythmusgitarre
Matthias Jabs – Leadgitarre
James Kottak – Schlagzeug, Background-Gesang
Paweł Mąciwoda – Bass, Background-Gesang

Produktion

Mikael Nord Andersson, Martin Hansen

Trackliste

01. Rhythm Of Love
02. No One Like You
03. The Zoo
04. Rock You Like A Hurricane
05. Blackout
06. Still Loving You
07. Wind Of Change
08. Tainted Love (Gloria Jones)
09. Children Of The Revolution (T. Rex)
10. Across The Universe (The Beatles)
11. Tin Soldier (Small Faces)
12. All Day And All Of The Night (The Kinks)
13. Ruby Tuesday (The Rolling Stones)

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