Built To Last

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: HammerFall
Label: Napalm Records
Veröffentlichung: 2016
Bewertung: 3.5/5

HammerFall sind die Band, die man nicht groß vorstellen muss. Auch wenn der Metal all die Jahre in eine super extreme Ausdrucksstärke gegangen ist (sowohl was die Klangbearbeitung im Studio betrifft als auch die Darbietungsmaßstäbe), generell was das Brutalisieren angeht – was natürlich den Fokus der Massen auf die modernen Metal-Genres und ihre Fusionen gelenkt hat –, hallt der Gedanke an die im Vergleich dazu ungleich sanfteren, old-school-inspirierten und melodisch beständigen HammerFall, die 1997 mit dem kultigen Erstling »Glory to the Brave« ein echtes Revival des Melodischen im Metal entfachten, beim etwas älteren Metal-Publikum noch immer ziemlich nostalgisch nach.

Kaum mehr als zwei gute Jahre sind seit dem Vorgänger »(r)Evolution« vergangen, da ist schon das neue, insgesamt zehnte Album »Built to Last« da. Die Band hat kürzlich unter die Fittiche des österreichischen Labels Napalm Records gewechselt. Angesichts der Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit eines Stilwechsels der Band geringer ist als dass einem Frosch Federn wachsen, ist das ein mehr als passender Titel für das neue Werk. Beständig und für alles gerüstet. Für immer. Ewig jung? Das kommt drauf an, von welchem Standpunkt aus du an die Band herangehst. HammerFall sind verdammt durchdacht und besonnen, wenn sie neue Schritte angehen, wie etwa die Aufnahme eines Albums. Auch wenn die Bandmitglieder in Interviews und anderen offiziellen Aussagen vorab alles Mögliche versprechen, ist das neue Werk eigentlich ein Spaziergang durch die bereits vergangene Geschichte der Band, dessen sämtliche »Wendungen« auch die Schnecke eines 100%ig Tauben sofort entwirren würde. Trotz der Integration des neuen Schlagzeugers David Wallin (Pain), der zuvor bereits die erste Tournee 2015 mit der Band absolviert hatte, bringt das keinerlei Wendungen in der grundlegenden musikalischen Vision der Band, da Dronjak und Norgren nach wie vor dieselben Gitarrenphrasen durchkneten, die HammerFall von Anfang an bis heute geschrieben haben.

In dieser Hinsicht sind die Gitarrensoli (komischerweise) der interessanteste Teil des neuen Albums – alles andere ist eine sehr vorhersehbare Angelegenheit. Der Opener Bring It! und vor allem das kurz darauf folgende The Sacred Wov ziehen auf dem neuen Werk die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Mit Format, Hauptriff und vor allem der Art, wie Cans die Melodien formt, katapultieren beide Tracks den Hörer direkt zurück auf das Studioerstlingswerk der Band; dem entziehen sich auch Twilight Princess sowie am Ende Second To None nicht, die nichts anderes bringen als abermals zwei Versuche, Karrieremomente wieder aufleben zu lassen, die in der »eisernen« Ballade der Band namens »Glory to the Brave« verewigt sind. Dann ist da Hammer High, ein Track mit abgedroschenen Leitmotiven von Thor-artiger Muskelstählung mit Steroiden und dem Einschüchtern böser Drachen, der mit Hyper-Bombastik auf der Stelle die Gunst der Powermetal-Scharen kaufen will. In dieser Hinsicht ist New Breed, arrangementtechnisch noch das „merkwürdigste“ Stück, punkto Vorhersehbarkeit interessanter. Das restliche Material ist durch und durch HammerFall von Kopf bis Fuß, und echte Fans der Band werden sich (zumindest in der Regel) den Kauf dieses Werks nicht versagen können. »Built To Last« ist also wahres Manna für hartgesottene Fans des europäischen Power Metal wie auch der Band selbst, während es denjenige nicht vermissen wird, der die ersten vier Alben der Band in- und auswendig kennt und weiß, dass er von HammerFall auf den Folgeplatten nur noch inhaltliche Selbstwiederholung erwarten kann. Traurig, aber das bedeutet unter anderem auch ein gewisses Maß an kreativem Verschleiß.

Dennoch bringt das neue Album etwas mehr inhaltlich-arrangementtechnische Kompaktheit im Vergleich zum Vorgänger »(r)Evolution«, der mehr qualitatives Auf und Ab zwischen den Tracks ausstrahlte, weshalb es sich als Ganzes wieder leichter am Stück hören lässt. Von Anfang bis Ende also. Schönes, aber vorhersehbares und einst schon gehörtes neues Material ohne Momente, die man als Höhepunkte bezeichnen könnte. HammerFall bleiben vorsichtig und besonnen. Daher halten sie mit dem neuen Album weiterhin an ihrer bewährten Powermetal-Formel fest, die höchstwahrscheinlich keine neuen Fans anstecken wird, die treue bestehende Fangemeinde aber gewiss zufriedenstellen wird. 

HammerFall – Hammer High (offizielles Video):

 

Besetzung

Joacim Cans – Gesang, Hintergrundgesang 
Oscar Dronjak – Gitarre, Keyboards, Hintergrundgesang 
Pontus Norgren – Gitarre, Hintergrundgesang 
Fredrik Larsson – Bassgitarre, Hintergrundgesang 
David Wallin – Schlagzeug

Produktion

James Michael, Oscar Dronjak & Pontus Norgren

Trackliste

01. Bring It!
02. Hammer High
03. The Sacred Vow
04. Dethrone And Defy
05. Twilight Princess
06. Stormbreaker
07. Built To Last
08. The Star Of Home
09. New Breed
10. Second To None

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