As Daylight Breaks
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Serious Black
Label: AFM Records
Veröffentlichung: 2015
Spielzeit: 41:42
Wertung: 4/5
Was bekommst du, wenn du die Coverartworks des Albums »Master of the Sea« (2013) von Minotauro und des Albums »Metus Mortis« (2001) von Brainstorm zusammenwirfst? Das Cover des Debüts von Serious Black mit dem Titel »As Daylight Breaks«.
Serious Black ist eine neue Formation eingefleischter Musikprofis: Gitarrist Roland Grapow (Masterplan, Roland Grapow – solo, ex-Helloween, ex-Rampage), Schlagzeuger Tomen Stauch (Savage Circus, ex-Coldseed, ex-Blind Guardian, ex-Heavenward, ex-Iron Savior, ex-Stormrider, ex-Lucifer’s Heritage, ex-Stranded Guns), Bassist Mario Lochert (Emergency Gate, ex-Visions of Atlantis), Keyboarder Jan Vacik (D-Vision, ex-D-Lusion, ex-Dreamscape, ex-Persiflage, ex-Schnupn), der österreichische Gitarrist Dominik Sebastian (Edenbridge, Shadows‘ Grey, Thirdmoon) und der schwedische Sänger mit dem interessanten Künstlernamen Urban Breed (Project Arcadia, Trail of Murder, ex-Bloodbound, ex-Pyramaze, ex-Tad Morose, ex-Dark Empire).
Mindestens zwei der Genannten tragen eine gewisse Mitverantwortung für die Popularisierung des Power Metals, der auch mit ihrer Hilfe in der zweiten Hälfte der Neunziger mächtig aufblühte. Das sind zweifellos Roland Grapow und Tomen Stauch. Beide liefern erneut das Beste, was man von ihnen erwartet und womit sie sich in die Liga der markantesten deutschen Musiker eingeschrieben haben, die dem Erbe des klassisch melodischen Prinzips im Heavy Metal treu geblieben sind. Der hundertprozentige Gitarren-Autodidakt Grapow versteht es nach wie vor, einen brillanten Riff zu zünden – das spiegelt sich in allen Kompositionen des Studiodebüts wider, und sein Ansatz bei der Kreation von Gitarrensoli bleibt auf Anhieb wiedererkennbar. Auf der anderen Seite liefert Tomen Stauch die typischen Charakteristika, die man sofort mit allen klassischen Blind Guardian-Alben der Virgin Records-Ära verbindet, und bestätigt damit seinen Ruf als einer der markantesten Vertreter der deutschen Schlagzeugschule im Metal. Serious Black bieten auf ihrem Debüt eine pointiert bombastische Spielart des Power Metals, die auf einem eingefleischten Gespür für Musikalität und präzise Ausgestaltung der Arrangements aufbaut. Das Sextett agiert kohärent und ausgewogen durch das gesamte Werk. Die kompositorische Grundlage jedes einzelnen Tracks ist zweifellos Grapows Gitarrenphrase. Von dort aus ergeben sich flüchtige Parallelen, die stilistisch wie auch atmosphärisch zu Masterplan und Helloween (aus der Ära des Albums »The Dark Ride«) hinziehen.
Obwohl die Band sich selbst als durch und durch deutsche Band bezeichnet – und stilistisch definitiv dort auch hingehört –, hat sie sich für den Gesang an den erfahrenen schwedischen Sänger Urban Breed gewandt. Dieser Vocalist ist eine faszinierende Mischung aus den Gesangsstilen von Michael Kiske (Unisonic, ex-Helloween), Roy Khan (ex-Kamelot) und auch Žak (Black Diamond, Mary Rose) – sein erstes Idol ist aber, gemessen am Gesangsansatz, den er entwickelt, zweifellos Bruce Dickinson (Iron Maiden). Der Gesang hält die Reichweite von Pomp und Bombast auf einem außergewöhnlichen Niveau – eigentlich bläst er sie sogar noch weiter auf und verstärkt sie zusätzlich. Gleichzeitig überwindet er mit einem kristallklaren und autoritär dominanten Gesangsansatz spielend leicht die schwindelerregende Stimmbreite, die die Leadmelodien der Songs fordern. Den eisernen Griff der Bombastik des Albums sichern auch die ausgefeilten Keyboard-Arrangements, die wie ein Orchester fungieren und den Power-Metal-Zutaten ein spürbares symphonisches Element verleihen.
Natürlich entdecken Serious Black nichts bislang Ungehörtes – aber sie sind so verdammt abgebrüht und erfahren, dass das Neuverpacken beziehungsweise Recyceln bereits erschlossener Sphären des melodischen Prinzips im Heavy Metal für sie ein leicht lösbarer Happen ist! Deshalb greifen die Leitmotive auf Anhieb, auch wenn sie noch so vertraut und bereits gehört klingen – sie packen einen sofort und wirken beim ersten Durchhören vollblütig und kernig. Die Produktion ist kompakt, die Riffs bilden eine eindrucksvolle massive Klangwand, die durch die kräftige »Hülle« der Keyboards noch intensiviert wird. Die Songs tragen die gewünschte Frische und Abwechslung trotz enger Genredefinition. Die ultramelodischen Refrainmelodien stellen die emotionalen Höhepunkte dar, während die Songs größtenteils mittleren bis beschleunigten Rhythmusfiguren verschrieben sind. Serious Black fügen auch Funken Mystizismus hinzu, wie im Song Akhenaton (der Track handelt vom ägyptischen Pharao Amenophis dem Vierten), der über »Arabesken« »tanzt«, zumal er effektiv mit dem instrumentalen Prelude Temple of the Sun verbunden ist – das seinerseits etwas vom typischen Kamelot-Pomp trägt.
Wenn du nach einem ultraansteckend melodischen und druckvollen Einklang einer süßen Symbiose suchst, ist das Album »As Daylight Breaks« genau das Richtige für dich. Erst recht, wenn du Fan der Grundlagen des deutschen Power Metals bist. Ein Album mit zweifellos kompositorischen und arrangementtechnischen Qualitäten, ein bemerkenswert gefülltes Bündel aus Ideen, Erfahrungen und Routine einer Truppe ausgezeichneter Musiker, die damit einmal mehr ihre hohe Reputation in jenen Musikkreisen unter Beweis stellen, die auch heute noch maßgeblich das Bild des Power Metals des alten Kontinents prägen.
Besetzung
Urban Breed – Gesang
Roland Grapow – Gitarre
Dominik Sebastian – Gitarre
Jan Vacik – Keyboards
Mario Lochert – Bass
Tomen Stauch – Schlagzeug
Produktion
Serious Black
Trackliste
01. I Seek No Other Life
02. High And Low
03. Sealing My Fate
04. Temple Of The Sun
05. Akhenaton
06. My Mystic Mind
07. Trail Of Murder
08. As Daylight Breaks
09. Setting Fire To The Earth
10. Listen To The Storm
11. Older And Wise