Planet Alliance
Label: Metal Heaven
Veröffentlichung: 2006
Planet Alliance ist ein Projekt aus Stars, die aus mehreren bekannten und angesehenen Bands des melodischen Hardrock bzw. „Power“-Heavy-Metal zusammengetrommelt wurden. Eine Allianz von Leuten also, die Mitglieder von oder waren: Cloudscape, Last Tribe, Uriah Heep, Ozzy Osbourne, Hammerfall, The Flower Kings, Freak Kitchen, Narnia, Rob Rock – um nur ein paar zu nennen! Unter den Namen, die sich heute den Titel Legende verdient haben, ragt bei diesem Projekt Bob Daisley heraus. Und wie hat dieser Zusammenschluss funktioniert?
Hauptautor des Materials ist der hyperaktive schwedische Multiinstrumentalist Magnus Karlsson, der allein letztes Jahr etwa die Musik für Starbreaker und das Debüt von Allen/Lande geschrieben hat und dieses Jahr an den Songs für das Soloalbum von Tony O’Hora mitgewirkt hat (ex-The Sweet, ex-Praying Manits, aktuell in Verhandlungen über einen festen Platz als Sänger bei Shy). Ein Typ also, der keine Pause kennt. Dass Karlsson die Grundgestalt des Materials für dieses Projekt geliefert hat, ist nicht schwer zu erraten. Die Arrangements erinnern nämlich stark an die eben erwähnten Sachen. Vor allem die Keyboard-Arrangements und besonders die Form der Gitarrenriffs.
Das Album ist alles andere als instant und braucht mehrere Durchläufe, bis du ihm auf den Grund gekommen bist. Es ist überall gespickt mit bravourösen Gitarrensoli und beeindruckenden Verzierungen, die in ihrer technischen Brillanz den Atem rauben. Vor allem aber tut das intensive Zusammenspiel aus Keyboards und Gitarrenriffs gut, das durch die ganze Platte atmet, und zwar in einer Produktion mit ordentlich Tiefe. Der Sound ist härter als etwa auf dem Allen/Lande-Album „The Battle“, und die Songs wechseln sich im Anteil von Hardrock- und Power-Metal-Elementen ab, je nach Beitrag und Zugehörigkeit der Projektmitglieder, also je nachdem, aus welchen Stammbands sie kommen. Die technische Umsetzung ist perfekt, das Gespür für Melodien erstklassig und in den Kompositionen bis zum Maximum ausgereizt. Wie gesagt: Das Produktionsbild ist maximal ausgenutzt und gefüllt, und die Instrumente liegen in wunderschönem Gleichgewicht, mit der massiven Wucht der Gitarrenriffs als Fundament!
Karlsson hat mit seinen Arbeiten auf früheren Alben in den erwähnten Bands die Messlatte extrem hoch gelegt, und für Planet Alliance ist klar, dass diese Standards nur schwer zu erreichen sind, geschweige denn zu übertreffen. Hier hätte man sich einen größeren Beitrag der bunten Truppe erwartet, die an dem Projekt beteiligt ist, was leider nicht passiert ist. Allerdings waren die Songs offenbar schon im Kern so ausgefeilt, dass sich der Spielraum für die Beteiligten gleich zu Beginn ordentlich verengt hat. Wenn ich mich weiter in die Details und den Gesang von Mike Andersson (Cloudscape) verbeiße: An seiner Perfektion habe ich nichts auszusetzen, aber manche Songs würden bei einem etwas variableren Gesang an Stimmung gewinnen. Klar, man kann nicht gleich nach Jorn Lande oder Joe Lynn Turner „für jede Kleinigkeit“ rufen, aber ein zusätzlicher Sänger mit einer kontrastierenden Klangfarbe zu Mikes Ansatz wäre echt Gold wert gewesen, und das Album hätte an Dynamik und Atmosphäre gewonnen. Die Songs haben einen Hauch skandinavischer gotischer Melancholie und sind gegen süßes Schluchzen geimpft.
Also: ein Album, das nichts wirklich Besonderes bietet. Es besteht aus kernigen, kompakten, riffbetonten Kompositionen, die Songs sind vorhersehbar, aber zufrieden sein werden alle, die auf technisch ausgefeilte und teuflisch schnelle Soli und bunte Spielereien der klassischen skandinavischen Schule stehen. Außerdem ist „Project Alliance“ ein empfehlenswertes Album für alle Fans der anderen Arbeiten von Magnus Karlsson, vor allem des erwähnten Projekts von Russel Allen und Jorn Lande, „The Battle“. Das Problem bei Projekten ist eben, dass die Mitglieder im Studio schwerer die richtige Chemie aufbauen, denn eine Band atmet für dieselbe Sache, ein Projekt braucht dagegen eine Kalibrierung über einen längeren Zeitraum, die aber nie oder nur selten stattfindet. So leidet auch „Project Alliance“ stellenweise spürbar unter einem Mangel an „Saftigkeit“, die aber enorm wichtig ist, um ein überzeugendes Produkt zu schaffen, das zu 100% hinter dem steht, was es bietet.
Besetzung
Mike Andersson – Gesang, Keyboards
Magnus Karlsson – Gitarre, Keyboards
Mattias „IA“ Eklundh – Gitarre
Janne Stark – Gitarre
Carl-Johan Grimmark – Gitarre
Bob Daisley – Bass
Magnus Rosén – Bass
Jaime Salazar – Schlagzeug
Anders Johansson – Schlagzeug
Produktion
Anders Theander
Tracklist
1. The Real You
2. Remember Me
3. Ain´t No Pleasin´ You
4. Calling My Name
5. A Taste Of Paradise
6. The Quickening
7. Divided We Stay
8. It´s Your Cross To Bear
9. The Great Unknown
10. Where To Go
11. Digging Your Own Grave
Spielzeit: 48.27