Penetrator

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Lene kosti
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2012
Laufzeit: 44:38
Bewertung: 4/5

Einleitung:
Unglaublich, wie die Zeit mit giftiger Geschwindigkeit vergeht! Noch nicht lange ist es her, da haben die wiedervereinigten slowenischen Agenten der stählernen Metal-Vaterschaft mit granitenen Wurzeln Lene kosti ihr erstes echtes Studioerstlingswerk „Do Or Die“ veröffentlicht. Das ist ein hochfliegender Tonträger, der die großen Ambitionen und den vollen Schwung der Band nicht versteckt! Damit hat sie ihre Schulden für eine viel zu lange Schlummerphase beglichen, die im Fall von Lene kosti mit einer großen Wiedergeburt endete. Nicht nur, dass „Do Or Die“ endlich ein umfangreiches Kapitel verkörperte, das bis zu seiner Veröffentlichung in der slowenischen Metal-Geschichte fehlte, es ist auch ein Album, das mit einer unverwechselbaren und einzigartigen metallischen Breite glänzt, und seine außergewöhnlichen Qualitäten haben Lene kosti die Türen weit auf Konzertbühnen und zur erfolgreichen Selbstvermarktung geöffnet. Gemeint ist hier natürlich der europäische Raum jenseits der slowenischen Grenzen.

Entstehungshintergrund des Albums:
Angesichts der Außergewöhnlichkeit des Albums „Do Or Die“ musste im Lager von Lene kosti vor der Aufnahme eines neuen Albums sicher so etwas wie Schöpfungsangst aufgeflammt sein. Wird es möglich sein, einen Nachfolger zu schaffen, der, wenn schon nicht besser, dann wenigstens würdig dem Album „Do Or Die“ folgt? Ein Album, das sich in seinen musikalischen Ausdrucksmitteln zumindest ebenbürtig mit dem hervorragenden Vorgänger messen kann.

„Penetrator“ wurde eigentlich in aller Eile fertiggestellt, kurz vor dem Studioeinzug der Band (Anfang Oktober 2011), und das roh komponierte Material wurde erst im Aufnahmeprozess selbst zum Hochglanz poliert, der bis Dezember 2011 abgeschlossen war – für die Metal-Szene in Slowenien eine außergewöhnliche Geschwindigkeit. Doch die Befürchtung, das sei zu schnell gewesen, ist völlig unbegründet! Die Schlagzeugarbeit auf dem Album übernahm Rok Večerin W.U.K.O., der seine Aufgabe mit Auszeichnung erfüllte und damit den schwer zu ersetzenden Requiem-Schlagzeuger Miha Nedoh, der auf „Do Or Die“ gespielt hatte, erfolgreich ersetzte.

Tracks des Albums:
Betrachtet man das Material, kann es sich nicht mit einer solch thematischen Vielfalt und Abweichung von der grundlegenden Metal-Haltung rühmen, aber die bloße Suche nach der ursprünglichen Achse des klassischen Metal des Albums „Penetrator“ lässt das auch gar nicht zu. Lene kosti haben mit neuen Ideen erneut die Aufmerksamkeit zweier prominenter deutscher Musiker auf sich gezogen, die bereits auf dem „Do Or Die“-Album mitgewirkt hatten. Der erste ist Sänger und Bassist Mat Sinner (Sinner, Primal Fear), der zweite Gitarrist Manni Schmidt (ex-Rage, ex-Grave Digger). Mit ihren Beiträgen veredeln sie das äußere Erscheinungsbild von „Penetrator“ zusätzlich. Mat Sinner legte ein Gesangsduett mit Dr. Evil im Track Spread Your Legs ein. Die Verbindung der beiden Vokalisten wirkt überaus gelungen. Sinner hat wahrscheinlich aus mehreren angebotenen Optionen der Band gerade Spread Your Legs gewählt, und zwar wegen der leichten Rockkonnotation, die auch Let`s Rock besitzt. Beide Tracks sind die Momente der neuen Platte, die am meisten die Charaktereigenschaften des Albums „Do Or Die“ geerbt haben. Manni Schmidt platzierte sein Solo im Titeltrack Penetrator. Dafür nutzte er seinen charakteristischen Griff – die „Gitarrenhand“, den charakteristischen Trademark-Sound, der auch seine Songs für Grave Digger ziert. Das hervorragende Solo mit sorgfältiger Notenplatzierung, flott gespickt mit Pull-offs und Tremolohebel-Einsatz, beweist, dass Manni bei aller strikten musikalischen Professionalität dem neuen Material von Lene kosti mit größtem Respekt begegnet ist. Wenn so angesehene Musiker wie Manni Schmidt und Mat Sinner auf dem Feld des modernen Europower Metal aus dem Kern von Lene kosti Qualitäten herausschälen können, für die es sich lohnt, ihren Teil beizutragen, ist das an sich schon ein Indikator dafür, dass die Musik von Lene kosti wirklich etwas Besonderes ist.

Das Album eröffnet mit vernichtender Wucht. Die Tracks The Cage und Penetrator wetteifern geradezu darum, welcher dem anderen den Vorrang streitig macht. Beide sind in den Refrains „arenentauglich“ angelegt, und dieses Gefühl wiederholt sich im weiteren Verlauf des Albums mehrfach. Arenentauglich? Die Band hat in den Kern vieler Refrains schlichte „Gruppenrufe“ eingebaut, die den Hörer automatisch dazu verleiten, selbst einzustimmen – das Gefühl unterscheidet sich kaum von dem, mitten im Delirium der Massen einer römischen Arena bei Gladiatorenkämpfen zu stehen. Die Kombination aus dem ultrasonischen Rollen des Doppelbass-Fußpedals mit der ursprünglichen Wucht simpel geführter Metal-Riffs, wobei den Hauptteil der Melodie der Gesang von Milan Krušič trägt. Das sind besonders die giftig aufgedrehten Tracks The Cage, Penetrator, Die You Bastard, Refuse To Die. Letzterer mit noch einem fantastischen Solo von „Dyz“ sowie auf der anderen Seite einem Motiv, das eindrucksvoll an den Track Exciter von Judas Priest erinnert. So elementar wie es nur geht. Und voll wirkungsvoll. Den Begriff der Gitarrenphrase kennen Lene kosti verdammt gut.

Der Track Heavy Artillery, über einen räuberischen „Maiden“-Rhythmusgalopp gelegt (stell dir eine aufgedrehte Version von Time For Love aus dem Album „Do Or Die“ vor), schafft eine neue Stimmungslage auf dem Album; Tears Of Sadness, das dahinter eingereiht ist, ist eine Halbballade, gewidmet Milans verstorbener Mutter. Dieser Track beweist, dass Krušič sich in zwei Jahren als Interpret weiterentwickelt hat, da er die Verse bei der Melodiesuche noch lebhafter gestaltet, was den Songs natürlich noch mehr Farbe verleiht und tiefere Nuancen zwischen den einzelnen Stimmungen staffelt. Tears Of Sadness beweist mit seiner hervorragenden Melodie und der stufenweise gesteigerten Atmosphäre mit einem „Crescendo“ in der Gesangslinie, dass Krušič durchaus raffiniert und feinsinnig sensibel sein kann, wenn es nötig ist. Öl ins Feuer gießen die makellosen Begleit-Sopranvokale der ausgebildeten Sängerin Inez Osina.

Vom restlichen aufgedrehten „Klopper“-Material heben sich auf dem Album die bereits erwähnte, über den „Maiden-Galopp“ gelegte Heavy Artillery sowie die halbballadige Tears Of Sadness ab. Neben diesen beiden stechen aber auch die Tracks Devil In Disguise und 13th Warrior heraus. Devil In Disguise ist eigentlich der zweite Teil des Tracks Uninvited Guest vom Album „Do Or Die“, und Milan Krušič nähert sich darin mit seiner extrem bösartigen Haltung im Handumdrehen den vokalen Lösungen von King Diamond selbst. Den schwerfällig rollenden Stampfer reißt kurzzeitig eine einfallsreiche Lösung mit einem Akustik-Einschub in der Mitte aus dem Kessel des Bösen, wo Krušič mit seinem predigerhaften Ton noch ein bisschen mehr an King Diamond erinnert. Der abschließende 13th Warrior ist der besondere Track des Albums. Es ist der Punkt in der Karriere, an dem Lene kosti sich bisher am direktesten mit Power Metal auseinandergesetzt haben. Er besitzt die Charisma einer episch-bombastischen Würze, wofür in erster Linie die funkelnd ausgefeilte, unter die Haut gehende melodische Gitarrenverzierung von Marc Kavaš verantwortlich ist, die sich über dem Riff spannt, weiters der höchst kompatible, doch plötzlich schockierende Atmosphärenschwenk hin zum Motiv eines orientalischen Melos und der sturmangriffige (treibende) Rhythmus des Tracks, der vor Augen mühelos die historische Kernaussage jedes militärischen Marsches umreißt. Von den anstürmenden französischen Grenadieren bis zu den spartanischen Hopliten. Zur leichteren Orientierung: 13th Warrior ist grob, was die Atmosphäre betrifft, eine Art Hybrid aus „germanisierten“ Saxon vom Album „Lionheart“ (2004) und dem Track One Shot At Glory von Judas Priest. Dieser Track deutet leise an, wohin sich  die musikalische Evolution und das Reifen von Lene kosti in Zukunft noch bewegen könnte.

Giovanni`s Mojo ist ein Bonustrack, gedacht für alle, die auf dem Album den Boogie-Charme der früheren Werke der Band vermissen werden. Der gesamte Track gehört Giovanni Kavaš und zeigt unverhohlen das außerordentliche Talent des Musikers, wobei sich die Frage stellt, warum er sich vielleicht nicht selbst an ein Blues-Boogie-getöntes Nebenprojekt wagen würde.

Produktion und DYZ’s Beitrag:
Mehr denn je tritt das Bedürfnis, wenn nicht schon die Notwendigkeit nach unnachgiebigem solistischem Feuerwerk zutage. So bekam Domen „Dyz“ Justin noch mehr Raum, um zur Mitgestaltung des zermalmenden Erscheinungsbilds der erschaffenen Atmosphäre auf dem Album beizutragen. Seine Soli auf den Tracks Refuse To Die und The Cage sind nach dem Vorbild der größten Metal-Gitarristen der Welt geschmiedet, wie Alex Skolnick (Testament), Craig Locicero (Forbidden) oder Gary Holt (Exodus). Dyz hat den Sound auf Maximum aufgedreht. Die Gitarren sind scharf wie ein Rasiermesser und stechen wie die schärfsten Wespenstacheln, die sich im Wahnsinn des Jüngsten Gerichts über die Menschheit ergossen haben. Der Sound verkörpert ein hervorragendes kontrastreiches Verhältnis der Klangelemente, das einen zermahlend rohen und glühend lebendigen Effekt erzielt. Als würdest du dich plötzlich in den lodernden Flammen eines Feuers wiederfinden, das vom Himmel auf die Erde herabkommt! In diesen außergewöhnlichen Kontrast zwischen dem Rollen der Doppelbassbomber der Trommeln, dem aufgedrehten, satt dröhnenden Bass und der erwähnten massiven Klangmauer des Gitarren-Riffings ist der Gesang von Dr. Evil eingebettet. Der nervt wieder einmal in gewohnter Weise herum, was dem punkigen Haufen voller Arroganz von Lene kosti zweifellos guttut! Diesmal nimmt Milan deutlich mehr Verse mit klarem Gesang, verglichen mit dem „Geschrei“ des Albums „Do Or Die“. Sein Gesang wirkt auf dem Sound von „Penetrator“ jedoch, als käme er aus einer Tiefe, einem Höhlenabgrund, er wirkt böse und gnadenlos, ist etwas in das Klangbild versenkt. Das Album trägt eine allgemein düstere und verhängnisvolle Atmosphäre, die kein Blümchenpflücken kennt. Ich kann sagen, dass „Penetrator“ mit seiner außerordentlichen klanglichen Politur auch für die Entwicklung der Produktion von Metal-Alben in Slowenien eine neue Ära eingeläutet hat! Einen neuen qualitativen Meilenstein, mit dem sich Slowenien den Leistungen der besten Weltproduzenten im Bereich der härteren Musikgenres deutlich angenähert hat.

Fazit:
So ist es immer, wenn männlich zottelige und bärtige Recken der trotzigen Saporosher Kosaken Metal spielen, die die halbe Menschheitsära überlebt haben und hinter denen sämtliche punischen und spartanischen Schlachten liegen. Das unverbesserliche Punk-Ensemble, das das ewige und legendäre kreative Dreieck Kavaš-Krušič-Kavaš bildet, hat auch diesmal nicht versagt. Einfach. Die Musik, die dich leitet und inspiriert, wird von den Erfahrungen, die diese Jungs besitzen, durchgehend meisterhaft gelenkt und geführt. Auf eine Art feinmechanisch mit der Weisheit, dem Wissen und der Fertigkeit reicher Erfahrungen so kalibriert, dass sie stets die größte Wirkung erzielt. Sowohl bei der Interpretation selbst als auch beim Zuhören. Und das ist das Meiste, was dir ein Musiker überhaupt bieten kann. Und die Weisen der Band Lene kosti verstehen dieses Prinzip vollständig und folgen ihm!

„Penetrator“ ist ein Album, das das Boogie-Vorzeichen abgeworfen hat. Dieses haftete Lene kosti seit jeher an und ist ebenso klar auf dem zwar vielgelobten „Do Or Die“ vermerkt. Sofort entsteht die Gefahr, in die hinterhältige Falle der Generik zu tappen, wenn man sich in das nackte Schablonen-Schmieden der ursprünglichen Form des Heavy Metal hüllt. Der Boogie brachte Lene kosti nämlich immer Siegespunkte reizvoller Eklektik. Und dennoch bringt auch „Penetrator“ Lene kosti einen neuen Trumpf, denn die Band hat sich damit einen wichtigen Platz auf der Heavy-Metal-Bühne Sloweniens erkämpft. Er hat nämlich alle musikalischen Eigenheiten des einzigartigen Sounds der Band beibehalten. „Penetrator“ gibt der Band das wahre Vorzeichen des klassischen Heavy-Metal-Purismus, über den man Folgendes sagen kann: „Was Judas Priest in Großbritannien und was Accept in Deutschland sind, das sind Lene kosti in Slowenien!“ Lene kosti haben also mit dem Album „Penetrator“ ihr eklektisch unverwechselbares Kunstgesicht bewahrt! Und das war am Ende das Wichtigste bei der ganzen Sache! Wir haben ein neues hervorragendes Album bekommen, das eine Bereicherung für die slowenische Metal-Szene ist und als solches jederzeit stolz mit den Werken aller verwandten Bands Westeuropas und Nordamerikas mithalten kann. Melodie, Energie und Aggression sind stark dem Aussagegehalt der teutonischen Metal-Schule Deutschlands angenähert, was Lene kosti die Türen zumindest für einen erfolgreichen Durchbruch auf das Terrain Mittel- und Westeuropas weit öffnet, wenn nicht noch mehr.

Besetzung

Milan „Dr. Evil“ Krušič – Gesang
Marc Kavaš – Gitarre
Giovanni Kavaš – Gitarre
Aaron Cernatič – Bassgitarre
Rok Večerin „W.U.K.O.“ – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Manni Schmidt – Gitarre, Soli auf Track Nr. 2
Mat Sinner – Gesang auf Track Nr. 8
Ines Osina – Backgroundgesang auf Track Nr. 4
Domen Justin „DYZ“ – Gitarre, Soli auf den Tracks Nr. 1 und Nr. 6

Produktion

Domen Justin DYZ

Trackliste

1. The Cage
2. Penetrator
3. Heavy Artillery
4. Tears Of Sadness
5. Let`s Rock
6. Refuse To Die
7. Devil In Disguise
8. Spread Your Legs
9. Die You Bastard
10. 13th Warrior
11. Giovanni`s Mojo*

*…Bonustrack

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