Peaks Of Light

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Samo Šalamon & Howard Levy
Label: Samo Records
Erschienen: 2018
Laufzeit: 46:49
Wertung: 4.5/5

Samo Šalamon gilt derzeit als einer der heißesten Jazz-Musiker überhaupt. Der vielseitig aufgestellte Gitarrist und Musiker bleibt unablässig kreativ, voller Ambitionen und großer Ideen, mit denen er eben diese Kreativität herausfordert. Der produktive Künstler kann sich jährlich auch auf mehreren Alben als Autor verewigen. So erschien im Januar dieses Jahres sein gemeinsames Album mit dem amerikanischen Innovator des Mundharmonikaspiels, Howard Levy – einem hochgeschätzten Meister seines Fachs und Gewinner mehrerer Grammys, der in seiner langen Karriere auch Künstlern wie Bobby McFerrin, Donald Fagen, Dolly Parton, Paquito D’Rivera, Paul Simon und Rabih Abou-Khali zur Seite stand. Zur Verwirklichung ihrer gemeinsamen musikalischen Idee wählten Levy und Šalamon Maribor, wo sie im vergangenen Mai ihr gemeinsames Studiowerk vollständig aufnahmen – eben das Album »Peaks Of Light«.

Zwei Musiker, zwei Welten, zwei verschiedene Instrumente, zwei Reaktionen und zwei völlig unterschiedliche Charaktere in aufeinander abgestimmten Zügen musikalischer Expression. Obwohl das Album sehr einfach angelegt ist und in seiner Vision äußerst minimalistisch daherkommt, ist es mit außerordentlicher Aussagekraft aufgeladen! Der Schlüssel liegt zweifellos im schelmischen, fröhlichen Spiel, hinter dem sich die üppigen Improvisationsweiten beider Meister verbergen. Das Album bewegt sich von anspruchsvolleren Momenten hin zu ungemein fließenden und schnell zugänglichen Augenblicken, spricht den Hörer dabei aber insgesamt völlig unprätentiös an. Am Element absoluter Freiheit in der musikalischen Expression – unerlässlich, wenn wir von guter Jazzmusik sprechen – mangelt es dem Album keineswegs.  Die Produktion setzt auf ein erstklassiges, organisches Klangbild, wobei der Live-Puls des Studios samt all den Leidenschaften und Emotionen beider musikalischen Akteure äußerst authentisch auf den Tonträger übertragen wurde. Das ist ein Album, das sehr feinfühlig und sanft gespielt wird. Es besitzt den organischen Klang eines natürlichen Ineinandergleitens der Klangpastelle von Mundharmonika und Gitarre.

Gleichzeitig verstehen, spüren und  lesen sich die beiden Musiker außerordentlich gut. Levys Erfahrungsschatz ist immens, und es ist unglaublich, wie viele verschiedene Gesichter dieser Großmeister des Mundharmonikaspiels auf diesem Album zeigt. Unser Samo agiert dabei oft als geduldiger Begleiter, als Beobachter, der die Stücke gewissenhaft zusammenhält. In manchen Linien jagen die Instrumente einander bis zu dem Punkt, wo beide – jeder mit seinem Instrument – beginnen, ein bestimmtes Motiv zu verdoppeln; doch dabei verweilen sie keineswegs, sondern übertreffen auch diese Momente, indem sie rasch nach den höheren Sphären des Improvisationsspiels greifen. Jedoch nie übertreiben sie. Das Album bleibt durchgehend sehr hörenswert. Stets kehren beide Musiker geschickt von den Momenten solistischer Abenteuerlust zurück in die kompakte und greifbare Substanz des Leitmotivs, womit sie die einzelnen Stücke gewöhnlich auch abschließen.   

Das Album spricht im Glanz wunderschöner Zugänglichkeit an. Es trägt Momente in sich, die etwas »dickeres Fell« erfordern, ist aber hervorragend ausbalanciert mit Momenten, die sensibel, ruhig und auch ausgeprägt melodisch gewürzt sind – wie etwa das mystische Sleepy Burja und im weiteren Verlauf Riding the Urban Range. Der Moment des Schelmischen in Para Para ist ein überaus willkommener Zug der dynamischen Belebung des Albums selbst. Chaplin Walk ist eine lockere Posse mit einem sanften Hauch von Kabarett. Obwohl Levy mit seinem »Mundharmonikagezwitscher« auf dem Album ein kleines bisschen im Vordergrund steht, ist Šalamon mit seinen Gitarren-Improvisationsmomenten alles andere als passiv. Zum ersten Mal verblüfft er mit einem brillanten Solo von starkem Charakter im zweiten Teil von Barren; mit ähnlichem Ansatz meldet er sich später auch in Riding the Urban Range zu Wort. Momente des Free Jazz, mit dem Samo so gerne auf Tuchfühlung geht, gibt es diesmal eigentlich nicht – flüchtig vielleicht im einleitenden Teil von Our Time sowie  im abschließenden Teil von Freeze, der das Album beschließt. Das integrale Werk ist die dreiteilige The Harmonica Suite, mit einem improvisatorisch großzügiger bewegten Mittelteil, während beide Musiker das Stück im dritten Teil sensibel beruhigen, ihm einen Moment der Mystik einhauchen – der Dialog der beiden Instrumente selbst könnte ohne Weiteres auch als Filmmusik verwendet werden.

Das Album besitzt auch eine intuitive Berührung, die eben jene erwähnte filigranartige Sanftheit und feinfühlige Sensibilität erfordert, zugleich aber auch eine große musikalische Versöhnlichkeit beider Musiker – wenn nicht gar eine außerordentliche spielerische Harmonie zweier musikalischer Welten. Šalamon und Levy zaubern mit einer einzigartigen Fusion zweier musikalischer Welten, die die gleichwertige Expression beider Instrumente widerspiegelt – ebenso wie die beider musikalischer Genies, die hinter diesem Album stehen. Zugleich ist »Peaks Of Light« ein absolutes musikalisches Unikum. Unwiederholbar, einmalig und einzigartig.

Es wird spannend sein zu verfolgen, womit Samo uns künftig noch so angenehm überraschen und beglücken wird. An Ideen und Wagemut fehlt es ihm wahrlich nicht! »Peaks Of Light« ist nur eine von vielen Stationen auf Samos faszinierender musikalischer Abenteuerreise.

Besetzung

Howard Levy – Mundharmonika
Samo Šalamon – akustische & elektrische Gitarre

Produktion

Darko Kuković – Kuki

Tracklist

1. Devil’s Darling (03:02)
2. Chaplin Walks (05:50)
3. Barren (04:54)
4. Sleepy Burja (06:02)
5. Our Tune (04:16)
6. Riding the Urban Range (06:16)
7. Para Para (04:08)
8. The Harmonica Suite – Part I (02:46)
9. The Harmonica Suite – Part II (03:12)
10. The Harmonica Suite – Part III (03:38)
11. Freeze (03:42)
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