Panzerballett: Planet Z

0 159

Label: Gentle Art Of Music
Erscheinungsdatum: 18. 9. 2020
Produktion: Victor Bullok & Jan Zehrfeld
Albumlänge: 51.17 min
Genre: Jazz/Avantgarde-Metal/Progressive Metal
Bewertung: 10/10


Die deutschen Jazz-, Funk- und Prog-Metal-Fusionisten Panzerballett unter der Führung des genial verrückten Gitarristen Jan Zehrfeld sind wieder da – mit dem neuen Album »Planet Z«. Das ist einmal mehr ein Leckerbissen für alle musikalischen Feinschmecker, die neben außergewöhnlicher technischer Perfektion auch Sinn für ungezügelte Improvisation, ausgefeilte Kompositionskunst und gelegentlichen (diesmal ausschließlich instrumentalen) Humor zu schätzen wissen.

»Planet Z« ist, im Gegensatz zu den meisten Panzerballett-Alben, die in der Regel zumindest einen minimalen Gastgesangs-Beitrag enthalten, ein vollständig instrumentales Werk, auf dem die deutschen Meister des musikalischen Experimentierens ihren beneidenswerten Sinn für das eklektische Dehnen und Verflechten von Elementen des Progressive Metal, Jazz-Fusion und Funk unter Beweis stellen – mit Einflüssen zahlreicher unterschiedlicher Gruppen aus den genannten Genres, von Mahavishnu Orchestra, Weather Report, Frank Zappa, King Crimson, Gong und Herbie Hancock bis hin zu Planet X, Iron Maiden und Meshuggah. Das Münchner Quintett hat diesmal eine Reihe namhafter Schlagzeug-Größen eingeladen, darunter Virgil Donati, Marco Minnemann und Morgan Ågren – um nur die drei bekanntesten Schlagzeug-Wunderkinder zu nennen –, die auf »Planet Z« mit ihren beneidenswerten technischen Fähigkeiten in die Schuhe von Zehrfelds Stamm-Schlagzeuger Sebastian Lanser geschlüpft sind.

Wie auf den vorherigen Alben sind auch diesmal einige Kompositionen völlig originale Eigenkompositionen, während andere Bearbeitungen bekannter Stücke anderer Autoren sind – so etwa die äußerst witzige und kurzweilige Bearbeitung von Wagners Klassiker, die Panzerballett auf listige und einzigartige Weise unter dem Originaltitel »Walkürenritt« neu interpretiert haben. Das ist auch bei weitem das deutscheste Stück auf »Planet Z«. Der Opener »Prime Time«, auf dem Virgil Donati am Schlagzeug so richtig loslegt, ist ein waschechter Jazz-Rock-Fusion-Leckerbissen mit zahlreichen gebrochenen Rhythmen, chamäleonartigen Saxofon-Einlagen und genial-verrückten Gitarren-Passagen – aber das ist erst die Vorspeise für den noch seltsameren und eklektisch gewürzten Rest des Albums. Oft ist es das Saxofon, das in Produktion und Spiel am ‚rationalsten‘ und beruhigendsten klingt und die meist giftigen Gitarren-Passagen sowie die kataklysmischen Schlagzeug-Übergänge zähmt – was besonders deutlich auf dem Track »Who the Jack Is Migger« zu hören ist.

»No One Is Flying a Plane«, einer der Höhepunkte von »Planet Z«, klingt zum Beispiel so, als hätte eine Hornisse Frank Zappa während seiner Jazz-Fusion-Phase gestochen und er würde beim Dirigieren seiner Begleit-Jazzband und gleichzeitigem Gitarrespielen mit wütendem Improvisieren völlig ausrasten – während er aus der Zukunft einen Gitarren-Kumpel eingeladen hätte, der mit Speed-Metal aufgewachsen ist. »Coconut«, auf dem Marco Minnemann mit seiner spezifischen Schlagzeug-Technik begeistert, enthält so einige Gitarren- und Saxofon-Einflüsse der unvergesslichen King Crimson, allerdings auf deutlich brutalere Weise. Das abschließende »SOS« klingt wie ein wütendes Sezieren gebrochener Rhythmen, in die die rasenden Gitarren-Passagen beider Gitarristen hineinprallen. Zehrfeld stützt sich dabei auf die ‚Morsesignalisierung‘, und das Phrasieren ist tatsächlich das Diktieren eines Notrufs: „S-O-S“. So überrascht es kaum, dass »SOS« im Phrasieren sinnvolle Assoziationen mit dem Track »Breaking Brain« (2015) aus Typewritter II weckt.

»Planet Z« vereint auf ausgesprochen unterhaltsame, stellenweise alberne und durchgehend intelligente Weise einige der wildesten Improvisationselemente aus der goldenen Ära des Jazz-Rock-Fusion und des Progressive Rock sowie des modernen Progressive Metal – und damit spielen Panzerballett wie eine gut geölte Maschine voller ungezügelter instrumentaler Ideen. Im Bereich des instrumentalen Jazz-Rock-Fusion und Progressive Rock ist »Planet Z« zweifellos einer der Hauptkandidaten für das beste und vor allem witzigste musikalische Werk des Jahres 2020.

Autor: Peter „Dr. ProgRock“ Podbrežnik


Trackliste:
01. Prime Time [feat. Virgil Donati]
02. Who The Jack Is Migger? [feat. Marco Minnemann]
03. Mind Your Head [feat. Morgan Ågren]
04. No One Is Flying The Plane [feat. Gergo Borlai]
05. Walkürenritt [feat. Hannes Grossmann]
06. Urchin vs. Octopus [feat. Gergo Borlai]
07. Alle meine Ändchen [feat. Andy Lind]
08. Coconut [feat. Marco Minnemann]
09. SOS [feat. Gergo Borlai]

Musiker:
Jan Zehrfeld – Gitarre, Bassgitarre (mit Ausnahme der Tracks Nr. 1 und 4)

Schlagzeuger:
Virgil Donati
Marco Minnemann
Morgan Ågren
Gergo Borlai
Hannes Grossmann
Andy Lind

Saxofonisten:
Florian Fennes (1, 3, 5, 7)
Sam Greenfield (2, 8)
Georg Gratzer (9)

Anton Davidyants – Bassgitarre auf den Tracks Nr. 1 und Nr. 4.
Joe Doblhofer – Gitarrensoli auf den Tracks Nr. 1 und Nr. 2
Jan Eschke – Klavier auf Track Nr. 4 und Synthesizer-Solo (Track Nr. 7)
Michael Lutzeier – Baritonsaxofon-Solo (Track Nr. 4)
Wolf Wolff – gesprochenes Wort auf Track Nr. 4

Bläsersektion auf Track Nr. 4:
Larry Muñoz – Saxophone
Mark Oates – Trompeten


Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies