Pantheon of Bionic Gods

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Autor: Rok Klemše

Künstler: Cordura
Label: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: year_month
Laufzeit: 36:00
Wertung: 4/5

Velenje. Einst Titos, heute Corduras. Velenje, eingefangen in einer Gewitterwolke aus Technical Death Metal im Geiste von Bands wie Death, Pestilence, Obscura, Blotted Science, Watchtower, Cynic und Co. Vor gut vier Jahren veröffentlichte Gitarrist Tim Draksler seine erste EP Morbid Desire, die den Anstoß zur Gründung einer vollwertigen Band gab – und so entstand Cordura. Das Debüt Astral Projection erschien vor gut zwei Jahren, und der Nikolaus hat die Band dieses Jahr fleißig und produktiv mit dem zweiten Studioalbum beschenkt: Pantheon of Bionic Gods.

Astral Projection litt vor zwei Jahren vor allem unter einer schwachen Produktion, durch die die Band nie wirklich explodieren konnte – noch mehr aber unter dem Fehlen eines roten Fadens und Kohärenz, die sich in stellenweise allzu technischen und komplexen Ausflügen verlor. Um das klarzustellen: Cordura bleibt im Kern fest im Genre des Technical Death Metal verwurzelt, aber das zweite Studioalbum ist eine ausdrückliche Weiterentwicklung des ersten, diesmal bis ins kleinste Detail ausgefeilt. Wenn das Debüt nur andeutete, dass da etwas Großartiges schlummert, ist Pantheon der wirklich richtige Schritt in diese Richtung. Diesmal funktioniert Cordura zum ersten Mal wirklich als Einheit – wofür in erster Linie der nun einzige Gesang sorgt, der neben Tims gitarristischen Kunststücken die treibende Kraft des Albums ist. Nejc Heine liefert eine starke und mächtige Gesangsdarbietung, die mühelos die Science-Fiction-Geschichte außerirdischer Schöpfer der Menschheit vor Augen malt – erschaffen allein zur Sklaverei unter den bionischen Göttern. Den Einstieg macht Prime, das mit seinem Bassintro musikalisch an Soundtracks von Sci-Fi-Filmen der Achtziger erinnert, bevor Cordura die Hölle auf Erden mit Technical Death Metal aufreißt – dem musikalischen Äquivalent einer Supernovaexplosion.

Pantheon of Bionic Gods ist eine verdammt abwechslungsreiche Platte, vor allem wegen des vielseitigen Gesangs, der ordentlich growlen kann, aber auch souverän schreien und sogar solide Cleaner abliefern. Hinter der starken Gesangsdarbietung steckt jedoch eine gewaltige Klangwand, die vor allem Drakslers komplexes und ausgefeiltes Riffing aufbaut, dazu eine wahre Salve an Solo-Ausflügen, die mal an den Shred der Shrapnel-Schule erinnern, mal an die Jazz-Atonalität von Allan Holdsworth, dann an die Melodik von Chuck Schuldiner oder Craig Locicero und wieder an die mathematische Komplexität von Ron Jarzombek (mit dem Tim auch das Bauen eigener Gitarren teilt). Tim präsentiert auf diesem Album ein wirklich beeindruckendes Repertoire an Gitarrentechniken – wohl eines der ausgereiftesten im heimischen Raum zum jetzigen Zeitpunkt. Dennoch lässt Tim auch den anderen Instrumenten genug Raum – vor allem verwebt sich das Riffing hervorragend mit dem außergewöhnlichen Schlagzeugspiel von Grega Plamberger. Auch diesmal steuern Gäste ihren Teil zum mächtigen Mosaik bei – sie fügen sich jedoch viel besser in das Gesamtbild von Cordura ein als noch auf dem Debüt. Zu Tims gitarristischer Pyrotechnik stößt auch diesmal der Gitarrenverrückte Grega Habič dazu, und noch schöner beleben die Keyboards von Lucija Hrastnik und die Violine von Ana Novak das metallische Wüten in Insomnia And Despair, dem ambitioniertesten Stück des Albums.

Cordura hat mit Pantheon of Bionic Gods das Debüt komplett in den Schatten gestellt und sich in jeder Hinsicht weiterentwickelt. Klanglich, kompositorisch und arrangementtechnisch. Die Band bleibt nach wie vor unglaublich komplex, daher braucht es ein paar Durchgänge, bevor dich die bionischen Götter wirklich in ihren Pantheon einlassen – aber die Songs bekommen diesmal den richtigen »flow«, der ihnen vorher vielleicht gefehlt hat. 36 Minuten klingen vielleicht nicht nach viel, aber Cordura macht dich mit ihrem unablässigen Beschuss aus den sonischen Kanonen in dieser Spielzeit ordentlich fertig – lässt dich dank des großartigen Hörerlebnisses dabei aber befriedigt und zufrieden zurück.

Besetzung

Tim Draksler – Gitarre
Grega Plamberger – Schlagzeug
Nejc Heine – Gesang

GÄSTE:
Uroš Apat – Bass (6)
Grega Habič – Sologitarre (2, 7)
Mladen Pepič – Sologitarre (7)
Gorazd Planko – Sologitarre (4)
Ana Novak – Violine (7)
Lucija Hrastnik – Keyboards (7)
Lara-Rose Sluyter – Spoken Word (4)

Produktion

Tim Draksler und Cordura

Tracklist

1. Prime
2. Surrealism of the Divine Element
3. Pantheon of Bionic Gods
4. Slave Machinery
5. The Unnamed
6. Importing Virus
7. Insomnia And Despair
8. Axis Mundi

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