Panta Rei

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstlerin: Taša
Label: Celinka
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 44:53
Bewertung: 4/5

Taša, bürgerlich Nataša Vester Trseglav, ist eine Musikerin, die uns mit »Panta Rei« (alles fließt) ihr Singer-Songwriter-Debüt vorlegt. Keine Sorge, das ist keine Hommage an den berühmten serbischen Singer-Songwriter Đorđe Balašević, der vor vielen Jahren (au weia, bald sind es runde dreißig) ein Album mit demselben Titel veröffentlichte. Auf Tašas Album finden sich also elf waschechte Eigenkompositionen. Alles hat sie selbst geschrieben: die Musik, die Arrangements, die Gesangsmelodien und die Texte. Im Studio stand ihr lediglich ihr enger kreativer Vertrauter Teodor Amanovič – Toš zur Seite, ein Mann, der mit wachsamer Sorgfalt stets alle kleinen, aber wichtigen Korrekturen im Studio im Blick hatte. Die Songs und das Album stehen genau so, wie es sich gehört. 

»Panta Rei« ist in der Gesamtbilanz ein zutiefst persönliches Singer-Songwriter-Album. Die Texte sind intim und persönlich bekennend. Sie reihen Geschichten über die Sehnsucht nach emotionaler wie auch spiritueller Erfüllung (Nežnosti), nach Akzeptanz und Vergebung aneinander. Die Botschaften sind heiter, durchdrungen von herzlichem Optimismus und Liebe. Für Nataša liegen harte Lebensprüfungen hinter ihr, die sie gelehrt haben, dass ihr nichts anderes übrig blieb, als das Leben mit einem vollen Schöpflöffel Optimismus-Vibrationen zu schöpfen. Taša ist mit den Versen, die sie für dieses Album erschaffen hat, gewachsen und gereift. Sie ist ihre Seelenhirtin, geht mit ihnen um, als wären sie ein Teil von ihr — was sie auch sind. Nur bleibt es nicht nur auf dem Papier, denn mit der Realisierung der Tonaufnahme kommt es natürlich auch zum eigentlich Wesentlichsten. Taša geht mit unglaublicher Herzlichkeit und Hingabe an sie heran. Ohne diese Echtheit und Aufrichtigkeit wäre ein Werk, in dem kein Platz für nachträgliche klangkosmetische Studio-Schminke ist, nämlich im Nu durchgefallen, und auch seine Singer-Songwriter-»Konkurrenzfähigkeit« wäre arg erschüttert, wenn nicht gar fraglich. »Panta Rei« liefert also eine abwechslungsreiche und kernig überzeugende Landschaft von Emotionen und Leidenschaften. Mit einer außergewöhnlich angenehmen Stimmlage, mit der sie den Hörer anspricht, besonders wenn sie sich dem sanften Vokal-Kolorit hingibt, trägt sie die Interpretation gelegentlich fast bis an die Grenze des Flüsterns. Tašas vokale Geschmeidigkeit und Weichheit verstärken wirkungsvoll einzelne emotionale Zustände — überhaupt Zustände der Sehnsucht, des stillen Schmachtens, des Wartens,…Taša  kann mit ihrer Stimme fast schüchtern abtauchen wie ein kleines Mädchen von unschuldiger Naivität, sofern das Wiederbeleben der Botschaften in den Versen es von ihr verlangt.

Was ist sonst noch wichtig auf einem Album ohne Gitarren? Man spürt, dass Taša viele Jahre lang sehr gerne auf dem Klavier und mit Keyboards improvisiert hat. Die junge Frau setzt auch das E-Piano ein, natürlich obligatorisch von der Marke Rhodes, und die Arrangements setzt sie besonders in den Strophen gerne allein mit schlichten Synthie-Teppichen um. Die Arrangements von Klavier und Keyboards, die ihre Vokal-Performance umhüllen, sind mehrfach harmonisch bewegt. Taša »legt« beim  Klavierspiel nicht nur nackte Akkorde hin, sondern belebt sie vielseitig mit Harmonien, die »unter« den Vokallinien liegen. Ich will damit sagen, dass der Einsatz von Klavier und Keyboards bzw. deren Verteilung im Arrangement optimiert ist und man weitere Zutaten in der Klanglandschaft schlicht nicht vermisst. Bei all der Intensität von Tašas aufrichtig mitempfundenem Vokal-Beitrag reicht ein solches Arrangement mehr als aus — auch wenn ich nicht provoziere, wenn ich bescheiden den persönlichen Einfall hinzufüge, dass es Gitarren in der Musik nie zu viele gibt.

Popmusik, die sich gelegentlich auf den Moment des Kabaretts oder des Chansons stützt, was äußerst geschickt verborgen ist, weil das Maß an hörenswerter Musikalität in allen Songs außerordentlich ist. Das Album kriecht sofort und invasiv ins Ohr. Es wundert nicht, dass Taša noch in den Jahren 2015 und 2016 eine schöne Sammlung von Radio-Singles aneinanderreihte (Vedno znova, Čarobna cesta, Škratove sence), wobei sich das Album auch gerne in tänzerischer rhythmischer Kinetik dreht. In diesen zwei Jahren? Ja. »Panta Rei« durchlief einen langen Entstehungsprozess und ist daher entsprechend äußerst ausgefeilt, was letztlich auch die mittigen »mid-eight«-Passagen beweisen, sowie die außerordentlich geschickte, arrangierungsmäßig fließende Steigerung der Atmosphäre durch die Strophen in den Pre-Chorus und Refrain. Gegen den nivellierend-musikalischen Pol des Albums liefert das »giftige« Duo Urban Krč (Schlagzeug) und Žiga Golob (Bass) eine lebhafte, organische rhythmische Performance. Besonders in ruhigen Passagen tendiert der Beitrag beider Musiker hin zur  Kabarett-Jazz-Rhetorik, auch wenn das Album »Panta Rei« wenig bis gar nichts mit Jazz zu tun hat. Es trägt lediglich einige optionale Ansätze in den Kompositionen, die in jazzige Gefilde führen könnten, dennoch spürt man im Spiel, dass Kugler und Golob im Grunde Jazzmusiker sind.

Wie gesagt: ein außerordentlich starkes Album. Unglaublich wohl tut die kompositorische Vollendung des Arrangements, das äußerst effektiv die Ausgangskulisse für Tašas Vokallinien aufrechterhält, sodass diese in ihrer inhaltlichen Ausdruckskraft optimal betont und kontrastiert werden. Damit erstrahlen sie in voller Ausdrucksintensität. Das ist auch das Wesentliche, das eine kraftvolle und überzeugende Singer-Songwriter-Leistung wie »Panta Rei« gewährleistet. Deshalb ist das gesamte Album unglaublich gekonnt am Mittelwellen-Sound ausgerichtet. Eine Singer-Songwriter-Leistung also, die das ohnehin oft armselige Bild der slowenischen Mittelwellen-Musik durchaus bereichern und zu einem gesunden Bild des slowenischen musikalischen »Mainstreams« beitragen kann. »Panta Rei« ist ein Album der Spitzenklasse und unverhüllter Pop-Rhetorik, das aber dank der flexiblen Strukturen, auf denen die musikalische Landschaft des Arrangements aufgebaut ist, auch eine Menge ausgezeichneter Entwicklungsansätze für Tašas künftiges künstlerisches Engagement in sich trägt. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg — in dieser Zeit, hier und jetzt verdient es so viele Konzertinterpretationen wie möglich. 

Taša – Čarobna cesta (offizielles Video):

Besetzung

Nataša Vester Trseglav – Taša – Gesang, Klavier, Keyboards, Hintergrundgesang
Žiga Golob – Bassgitarre
Urban Krč – Schlagzeug
Kevin G. Davy – Trompete

Produktion

Teodor Amanovič – Toš

Trackliste

1. Drevored
2. Čarobna cesta
3. MOrda pa kdaj
4. Nežnosti
5. Nora misel
6. Panta Rei
7. Zapleši z mano
8. Vse je OK
9. Škratove sence
10. Vedno znova
11. Za njo

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