Overkill

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Künstler: Motörhead
Label: Bronze Records
Erscheinungsjahr: 1979
Laufzeit: 35.15
Bewertung: 4.5/5

„Overkill“ ist das zweite echte Motörhead-Album und das erste offiziell veröffentlichte Tondokument, das Lemmy und seine Crew unter dem Dach von Bronze Records einwickelten. Das Album steht heute aus zwei Gründen als wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Band. Mit „Overkill“ haben Motörhead das Fundament ihrer unverkennbaren Klangausrichtung fertiggestellt, auf dessen Basis sie später mit den Klassikern „Bomber“ und „Ace Of Spades“ wundersam sogar auf Pfade ungeahnter kommerzieller Triumphe aufbrachen. Dabei blieb die Truppe auch diesmal ihrem gnadenlosen Bombardement der Gehörgänge treu – aber mit einem wichtigen Unterschied. „Overkill“ hat mit einer entschlossenen Abkehr vom naiven Punkrock-Gepolter des Vorgängers das Wachstum eines einzigartigen Zweigs des Rock & Roll endgültig in Gang gesetzt, für den die moderne Medizin nach 30 Jahren noch immer kein Gegenmittel gefunden hat! Zum Glück..

Dass es mit Motörhead fortan nicht gut Kirschen zu essen war, wird dir sofort klar, wenn sich der eingängige Philty „Animal“ Taylor mit dem Opener „Overkill“ mit mengeleschem Gespür für Sensibilität in deine Ohren bohrt. Das gewaltige Sperrfeuer von Taylors doppelter Bassdrum reißt die Pforten der Hölle auf, durch die – geschmückt mit Motörhead-Emblemen – die banditenhafteste Inkarnation des Rock & Roll hereinspringt, die man sich vorstellen kann! Von hier gibt es keinen Weg zurück! Perlen wie „I’ll Be Your Sister“ und „(I Won’t) Pay Your Price“, vor allem aber das famose „No Class“, beschwören ohne Zögern eine einzigartige Rock & Roll-Apokalypse herauf, die das Ende der Welt, wie wir sie kennen, verspricht! Es scheint, als ob vor der gnadenlosen Klinge der unermüdlichen Salven von Clarkes rohen Gitarrenriffs, den unkontrollierten nervösen Zuckungen von Philty „Animal“ Taylor und Kilmisters ohrenzerreißender Bassdistortion nichts entkommen kann, was gesund, zivilisiert oder eben normal ist. Es überlebt nur der an alles Böse gewöhnte Pestbazillus, der sich sorglos im Schutz von Lemmys warzigem Gesichtsinventar weidet. Da sind „Tear Ya Down“ und „Damage Case“, die das Herz des durchschnittlich weltgewandten Neandertalers im Nu erobern – als „unschlagbare“ Kombination aus dem Krach eines musikalisch analphabetischen Trios mit kaum wahrnehmbarer Dosis Gefühl für Melodie und Komposition, mit der aufdringlichen und entsprechend nervigen Begeisterung eines lyrisch inspirierten Kuhbesamers – also Lemmy! „Stay Clean“ ist ein weiterer Favorit aus der Serie schwarz-weißer Projektionen dieser im Paradies entstandenen Symbiose, die in der Kategorie der frontalen Lobotomie-Eingriffe schlicht konkurrenzlos ist.

„Overkill“ ist das perfekte Manifest einer barbarischen Interpretation des Rock & Roll, das dich auf den Weg des vollständigen Zusammenbruchs nicht nur der Zivilisation, sondern auch des Menschseins als solchem führen wird. Lass dich davon nicht abschrecken. Wie bei allen zukünftigen Motörhead-Exkursionen werden auch bei „Overkill“ deine Gehirnzellen nur entsprechend frisiert – und dieser leider nicht gerade schmerzlose Eingriff ermöglicht dir entspannte Plaudereien mit Euglenen und anderen geistlosen Einzellern. Nichts zu machen – bei „Overkill“ erscheint das Lynchen desjenigen, der den Menschen als vernunftbegabtes Tier definiert hat, geradezu notwendig.

Besetzung

Ian „Lemmy“ Kilmister: Gesang, Bass
Eddie „Fast“ Clarke: Gitarre
Philty „Animal“ Taylor: Schlagzeug

Produktion

Jimmy Miller

Trackliste

1. Overkill
2. Stay Clean
3. (I Won’t) Pay Your Price
4. I’ll Be Your Sister
5. Capricorn
6. No Class
7. Damage Case
8. Tear Ya Down
9. Metropolis
10. Limb from Limb

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