One Life Stand
Künstler: Hot Chip
Label: EMI Records
Erscheinung: 2010
Bewertung: 3.6/5
Hot Chip, die englische Attraktion der meditativen Electronic-Pop/Rock-Musik, melden sich mit einem neuen Album zurück, das den einfallsreichen Titel One Life Stand trägt. Viele würden sagen, dass das Rezept für kommerziellen und künstlerischen Erfolg dasselbe geblieben ist – und doch spürt man einige musikalische Nuancen, die dieses Album ein Stück weit vom Vorgänger Made in the Dark abheben.
Diesmal übernehmen Goddard und Taylor das Steuer und verantworten den Großteil des Materials auf dem Album. Das Ergebnis ist ein deutlich optimistischeres, fröhlicheres und beschwingteres Werk als der Vorgänger – was womöglich daran liegt, dass die Aufnahmen in den „fröhlichen“ Sommermonaten stattfanden, in denen sich an englischen Stränden zweifellos Horden blasser Inselbewohner tummeln, die versuchen, ihren Hautton zu verändern. Eine jedenfalls gute Ausgangslage für eine ganze Tüte voller Lacher und Spaß.
Hot Chip sind weit entfernt von den Zeiten, als sie in ihre musikalische Vision auch experimentellere oder gar progressive Muster einbezogen haben – doch ein bisschen von dieser Mentalität ist ihnen geblieben. So nerven sie uns nicht durchgehend mit Tanzmotiven, die sich gleichen wie ein Ei dem anderen. Neben hedonistischen elektronischen Rhythmen lassen sich auch zarte Balladen, Momente mit Soul-Einflüssen und der ein oder andere rockige Track genießen. Die Jungs haben die Grundprinzipien der Abwechslung nicht vergessen, bleiben dabei aber gleichzeitig erfrischend geerdet und versuchen nicht, uns mit allzu häufigen Genresprüngen zu beeindrucken. Sie schaffen es immer, alles in den richtigen Grenzen des guten Geschmacks zu halten. Wahrscheinlich macht sie genau das so beliebt bei Hörern und Kritikern. Es fällt schwer, ihnen eine schlechte Note zu geben, weil sie einem einfach zu sehr ans Herz wachsen – genauso wenig kann man sie aber übermäßig loben, da sie sich stets an die Regel der goldenen Mitte halten, alles in Maßen einsetzen und nicht versuchen, in höhere Sphären musikalischer Tiefe vorzudringen. Das ist einerseits verständlich, andererseits frustrierend, denn man fragt sich unweigerlich, was wäre, wenn die Jungs sich weniger damit beschäftigen würden, fürs Ohr „schöne“ Songs zu komponieren, und ihr Talent einfach von der Leine ließen. Das ist halt der Preis des Erfolgs. Wahrscheinlich ist ihnen ein Leben, in dem sie recht gemäßigte und leicht zugängliche Musik mit immer noch reichem musikalischen Erbe spielen, verlockender als das Dahinvegetieren mit Musik, die zu wenige Menschen verstehen, um davon leben zu können. Auf jeden Fall deutet dieses Album gelegentlich ihr Talent an, das uns mit der Frage zurücklässt: „Was wäre gewesen?“ – aber auch kleine Belohnungen sollte man annehmen. Jedenfalls gibt es hier genug Gutes, damit uns die Ohren nicht einrosten.
Mit One Life Stand haben uns Hot Chip ein etwas anders geartetes Werk als den Vorgänger präsentiert, der ein wenig düsterer und ambientaler war – doch das grundlegende Leitmotiv hat sich nicht groß verändert. Das Album ist abwechslungsreich genug, um dich nicht zu langweilen, und zu wenig, um dich vollständig in seinen Bann zu ziehen. Etwas aufgewogen wird das durch den Beitrag von Schlagzeuglegend Charles Hayward (This Heat), was aber dennoch nicht für stehende Ovationen reicht. Was soll man noch sagen – sehr solide, stellenweise gut, aber mit einem Mangel an Ausgelasstheit und tödlichem Instinkt.
Besetzung
Alexis Taylor – Gesang, Keyboards, Gitarre, Perkussion, Klavier
Joe Goddard – Gesang, Synthesizer, Perkussion
Owen Clarke – Gitarre
Al Doyle – Gitarre, Synthesizer, Perkussion
Felix Martin – Drum-Programmierung
Gäste: Fimber Bravo – Perkussion, Charles Hayward – Schlagzeug
Produktion
Hot Chip
Trackliste
1. Thieves in the Night 6:09
2. Hand Me Down Your Love 4:33
3. I Feel Better 4:41
4. One Life Stand 5:23
5. Brothers 4:21
6. Slush 6:29
7. Alley Cats 5:21
8. We Have Love 4:28
9. Keep Quiet 4:02
10. Take It In 4:10