Ogledala

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Künstler: Ogledala
Label: Dallas Records
Erscheinungsjahr: 2008
Laufzeit: 47:29
Bewertung: 4.5/5

Beim Label Dallas sind soeben vier Alben von Bands des Rijeka New Wave erschienen: Grč, Mrtvi Kanal, Ogledala und Fit! Das gleichnamige Album der Band Ogledala erblickte 1984, als die Songs fertiggestellt, produziert und für die Veröffentlichung aufbereitet waren, leider nicht das Licht der Welt. 24 Jahre rauf oder runter. Egal. Besser nach 24 Jahren als nie. Jedenfalls ist es jetzt da. Dank einiger Nostalgiker, die die außergewöhnlichen Qualitäten dieses Opus nicht vergessen hatten.

Ich persönlich werde nie einen wirklichen Einblick in das Phänomen des (weltweiten) Rijeka-Rock Phänomens bekommen – dafür müsste mein Geburtsjahrgang tief in den Sechzigern liegen –, aber ich kann zumindest andeuten, dass Ogledala nach dem ersten Rijeka-Boom, der von Punk-Bands wie Termiti oder Parafi geprägt wurde, diese rohe, direkte, rebellische Haltung hinter sich ließen und ihr Rockverständnis auf das Niveau avantgardistischer Auseinandersetzung mit Elementen des New-Wave-Synth-Pop und sogar der Neuen Romantik der frühen Duran Duran, Spandau Ballet, Ultravox hoben – mir schleichen sich dabei sogar die neotenen Simple Minds in den Sinn. Allem hauchten sie Intellekt und Stil ein! Art. Eine Band, die mit ihrem künstlerischen Ansatz im jugoslawischen Raum klar getrennt war von den bierselig partytime-orientierten Unterhaltungsmusikern, die ich lieber nicht aufzähle, um die Gefühle der Jugo-Nostalgiker nicht zu verletzen, auch wenn es davon ein kleines Meer an Beispielen gibt. Mit entschiedener Ausrichtung gen Westen!

Für den hermetisch abgeschlossenen Raum des ehemaligen Jugoslawiens waren Ogledala ein wahres Wunder, ein wahrhaft unentdecktes Juwel, dessen Glanz unter anderen kreativen Bedingungen und mit entsprechender Unterstützung viel heller hätte leuchten können. Im Groben gießt du dem Punk-Ausdruck immer mehr Melodie ein, die du mit dem primitivsten Synthesizer einbringst, den je jemand auf diesem Planeten erschaffen hat. Den kombinierst du mit einstimmigen Lead-Melodien auf der Gitarre mit dünnem, scharfem, verzerrtem Sound sowie der Begleitung schlicht abgehackter und höher klingender Akkorde, die du in der Produktion auf die Distanz einer völlig getrennten Entität rückst und im Klangbild mit dem Keyboard-Sound ausbalancierst. Als Gegengewicht setzt du dem kühne, vereinfachte Rhythmen entgegen, die Energie einbringen, sogar mögliche Pop-Dance-Impulse nicht verbergen und mit einer melodisch klar geformten Basslinie gewürzt sind. Na ja. Typische Achtziger. Artismus, gesucht im Minimalismus, und das intelligente, inspirierte Zusammenführen kurzer und simpler musikalischer Tricks und Ideen. Einzigartig.

In all das fügt sich zentral eine sehnsüchtige und leidenschaftliche, mittel bis tief intonierte Männerstimme ein, die überzeugend verschiedenartige Emotionen aneinanderreiht, und vor uns zeichnet sich die typischste Vertreterin der oben beschriebenen Qualitäten aller Songs der Band ab: Ogledala su oko mene. In ausdrucksmäßig unvermindert gleicher Qualität folgen die Songs: Kako ti je sada, Sve se nastavlja, das mit der Melancholie seines Refrains vollgepackte Još jednom, und das laszive Šapat tame. Schon das einleitende Klopfen des Effekts im Song Ogledala su oko mene erinnert flüchtig an den Beginn von Duran Durans Careless Memories, während die Gitarrenlinie im Refrain mit dem Charakter eines dünn komprimierten, verzerrten Sounds, auf  klare klangliche Distanz zurückgezogen, einen Trick bietet, der sich nicht weit von dem in  einem Song wie Planet Earth (Duran Duran) entfernt. Die gelegentliche Referenz zum gleichnamigen Debüt von Duran Duran, mit einem Phasenversatz von vier Jahren (was die Erscheinungsjahre der Alben betrifft), ist als Vergleich gar nicht so fehl am Platz. Sie deutet zumindest grob an, wo der Hund (gelegentlich) die Pfote hinstreckt. Die Verse sind oft bewusst unlogisch zusammengestrickt, was damals auf der weltweiten Poprock-Szene sehr in Mode, sehr gefragt, sehr Art war!

Noch sei erwähnt, dass sich in einer der abschließenden Refrainwiederholungen des Songs Sve se nastavlja ein Halbton-Ausreißer in der Lead-Melodie der Gitarre einschleicht, was man als naiven Studiofehler verbuchen kann – gleichzeitig aber kann man dankbar sein für die eingefangene Authentizität der Aufnahme!

 „Ogledala“ ist ein Album, das mit seiner Veröffentlichung konkret zu spät kam. Heute, wenn man es zum ersten Mal auflegt, wirkt es verloren, entrückt, fast schockierend. Doch für damals wäre es überhaupt nicht verwunderlich gewesen, wenn man in Jugoslawien eine EKV-Tour gebucht und Ogledala als Vorband hinzugefügt hätte. Glaubt mir, das wäre eine phänomenale Kombination gewesen, die vielleicht hilft, das ausgeprägte Gespür der Band für das Hinzufügen einer feinen Art-Komponente zum Verständnis des Rock-Erbes herauszuarbeiten. Avantgardistische Exzentrik des Art-Pop-Punk-Rock mit eingestreuten psychedelischen Elementen des New-Wave-Synth-Pop, entstanden mit harter Schufterei, ohne die Möglichkeiten, die ausländische Bands in Großbritannien oder den USA hatten, aber mit einer Kompositionsqualität, die die weltweite Attraktivität der damaligen „Mainstream“-Musik wirksam einfing. „Ogledala“ ist ein Muss für alle nostalgischen Romantiker der Achtziger. Jahre der Jugend und Unschuld. Ein übersehenes, einzigartiges Juwel, das nie die echte Bestätigung, den echten Dank, die echte Anerkennung bekam. Diese Veröffentlichung des Labels Dallas gibt der Band das zumindest zum Teil zurück.

Besetzung

Leo Rumora – Gesang, Schlagzeug
Damir Bajić – Gitarre
Miro Zupčić – Keyboards
Dado Trpkov – Bassgitarre

Produktion

Janez Križaj

Trackliste

1. Ogledala su oko mene (intro)
2. Kako ti je sada
3. Ogledala su oko mene
4. Sve se nastavlja
5. Samo ti
6. Još jednom
7. Šapat tame
8. Priča
9. Kule
10. Dah pločnika

BONUS-TRACKS (Live Split):
11. Dok grad spava
12. Večeras

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