Nov dan

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Jelen, Matjaž
Label: Nika Records
Erscheinungsjahr: 2013
Laufzeit: 41:42
Bewertung: 4/5

Nach dem Ende von Šank Rock ist ein neuer Tag angebrochen und neue Zeiten sind da. Cveto Polak hat das exzellente Solo-Studioalbum „Bass Line“ (2011) veröffentlicht – RockLine-Rezension HIER, jetzt kommt sein guter Freund und erste Šank-Rock-Stimme Matjaž Jelen mit seinem Album. Anfangs war da die Jelen Band: Matjaž Jelen, Eki Alilovski, Cveto Polak, Roman Ratej. Ein Poker der Asse! Über ein so zusammengestelltes Quartett könnte man sofort sagen: eine super Hard-Rock-Besetzung. Für slowenische Rock-Verhältnisse natürlich. Und diese Musiker bauen die Kulisse für Matjažs Gesang. Kein Witz. Das Album ist erstklassig gespielt. Von Anfang bis Ende. Jeder der genannten Musiker gibt sein erwartetes Optimum, und angesichts der vergangenen Reputation, die in den Werken dieser geschätzten Herren festgehalten ist, wissen wir, dass es sich um außergewöhnliche Musiker handelt. Am Ende des Schaffensprozesses dieses Albums bekamen wir statt des Jelen-Band-Debüts kurzerhand Matjažs eigenständiges Solo-Studiowerk.

Das Album ist Matjaž Jelens persönliches Bekenntnis für neue Zeiten. Dieser Musiker – man kann ihn als eine der markantesten Rockstimmen des slowenischen Hard Rocks bezeichnen – bleibt eine der tragenden Figuren im Genrespektrum des slowenischen Rocks. Und? Er bleibt im Herzen nach wie vor ein großer Optimist. Er ist immer positiv gestimmt, und in den Versen spürst du, dass er jeden Moment des Lebens liebt, den er ständig mit einer großen Schöpfkelle ausschöpft. Die zwölf Songs sind vollgepackt mit positiver Energie, und dieses Album hebt den Hörer von Anfang bis Ende buchstäblich auf den Flügeln eines puren Optimismus. Es ruft also zur Party! 

Wenn Cveto Polak sich auf seinem Solo-Studiowerk ausgetobt und der slowenischen Szene ein erstklassiges experimentelles Rockalbum beschert hat, dann kann man sagen, dass »Nov dan« von Matjaž Jelen der logische Nachfolger des musikalischen Erbes von Šank Rock ist. Die zwölf Songs verstecken einige triviale Parallelen zu klassischen Arrangier-Lösungen nach der bekannten Šank-Rock-Rezeptur nicht (Na vrh sveta, Če tebe ni tam, letztere entstand in Zusammenarbeit mit Riff-Meister Zvone Hranjec), auf dem Album gibt es aber auch Momente, die einigen Hard-Rock-Acts der internationalen Szene nahekommen, wie etwa der energiegeladenste Song des Albums, das »Winger-artige« Ne, me ne zanima. Der Song Glej le naprej hat in der Strophe eine ähnliche Gitarrenfigur, die den Kern des zeitlosen Mike And The Mechanics-Hits The Living Years bildet. Keine Sorge, der Refrain steuert danach das ganze Ding auf die unverkennbare »Jelen-Šank-Art«.

Den Titelsong hat Jan Plestenjak als Autor beigesteuert! Der Track steht hervorragend, qualitativ gehört er zur Spitze der Songs dieses Albums, da er im arrangier-klanglichen Sinne die richtige Balance zwischen dem dramatischen Moment (der Stimmungsumschwung zwischen Strophe und Refrain wirkt vollblütig!), der melodischen Eingängigkeit und der geforderten Rock-Magie im Song gefunden hat! Ich meine, Jan muss zu den Rockern überwechseln! Nov dan ist neben Ne, me ne zanima der Song, dessen Refrain eine leicht düstere Dramatik entfaltet!

Einige Songs des Albums jagen aber auch aktuelle Musiktrends. Kein Problem. Auch diese Songs behalten den bekannten hartklingenden Rock-Touch bei, der eigentlich die ursprüngliche »Šank-Rock-Philosophie« von Matjaž Jelen effektiv mit aktuellen Klangtrends mischt, vor allem der alternativen Popmusik (so etwa Brez tebe padam oder das abschließende Today / Danes je tisti dan, wo sich in die »mid eight«-Figur sogar vorproduzierte Programmsamples einschleichen). Die Koexistenz ist da, was bedeutet, dass das »Experiment« gelungen ist! 

»Nov dan« hat eigentlich zwei Teile. Der erste ist rockig stärker zugespitzt. Dieser wird aber durch das Gesangsduett von Matjaž und Manuella Brečko in der halb-baladenhaften Barve »unterbrochen«. Danach reihen sich Črna steklenica, Brez tebe padam, die exzellente flüsternde Ballade Počasi.. Je lepo und Lebdim an, die im Bereich akustischer Arrangements reicher sind – daher wird der anfängliche Rock-Drive des Albums im zweiten Teil mit mehr Momenten sophistizierter Klangfärbung »ausbalanciert«.  

Matjaž bleibt ein hervorragender Interpret. Als Vokalinterpret reift er. Wie Wein! Seine Stimme ist dominant und autoritativ in jeder Lage, und der Mann slalomt meisterhaft zwischen Momenten, die eine kompromisslose, kraftvolle Entfaltung des reinen, mit dem Ertrag einer ausgearbeiteten Melodie vollständig gewürzten Gesangs erfordern, und jenen, denen er in subtileren und ruhigeren Passagen ein fühlendes, streichelndes und samtiges stimmliches »Zittern« beifügt (Počasi…je lepo). Man kann sagen, dass Matjaž als Vokalist mit den Jahren nur in der Qualität der Emotionsvermittlung und in der Wirksamkeit, Botschaften zum Leben zu erwecken, zunimmt. Obwohl das abschließende Today / Danes je tisti dan eine Kombination aus slowenischen und englischen Versen trägt, braucht Matjaž diese Kombination nicht. Genau deshalb bleibt er eine der tragenden Figuren des slowenischen Hard Rocks, weil er auch auf dem Album »Nov dan« die erfolgreiche Überführung der slowenischen Sprache ins Hard-Rock-Erbe weiterentwickelt und vertieft – etwas, das Matjaž noch seit den Zeiten von Šank Rock pflegt und ausbaut. Diese Kunst, die klare melodische Komponente innerhalb der Songs bei strikter Verwendung der slowenischen Sprache aufrechtzuerhalten, hat Matjaž wieder einmal vorzüglich und überaus geschmackvoll in sein eigenständiges Solo-Studiowerk gegossen.

»Nov dan« ist eine bildhafte Mischung aus vielfältigen Geschichten ausgearbeiteter Identität und Charakter. Die Songs sind abwechslungsreich, das Album entwickelt sich in einem vorbildlichen dynamischen Wogen vieler Stimmungen. Es ist ein echtes Hard-Rock-Album, nach der traditionellen slowenischen Rezeptur des musikalischen Rockempfindens gemeißelt. Dabei ist auch die Tatsache wichtig, dass es Matjaž Jelen, umgeben von einem exzellenten Team aus Textern und Komponisten, mit dem Album »Nov dan« gelungen ist, in die Arrangements höchst effektiv das Element der trendigen Alternativ- und auch der Pop-Ästhetik einzuhauchen und so Schritt zu halten mit dem Puls der aktuellen Zeiten kommerzieller Musikrhetorik. »Nov dan« ist Matjaž Jelens authentische persönliche Bekenntniskarte, die mit der Unterstützung exzellenter Studiobegleiter dem slowenischen Musikmarkt ein außerordentlich schönes Werk von vollblütiger Rock-Power liefert. Ein Album mit treffsicher eingesetzten kurzen und prägnanten Arrangement-Moves, das sich durchgängig in echter entspannter Atmosphäre entwickelt hat. Es ist die perfekte Mischung aus Matjažs musikalischem Erbe und seiner schöpferischen musikalischen Aufgeschlossenheit für neue Zeiten. Das hat er völlig unbeschwert gemacht. Mit dem Album »Nov dan« ist er tatsächlich in einen neuen Tag geschritten. Hoffen wir also, dass Matjaž in dieser kreativen Manier auf seinem musikalischen Weg weitermacht und dass „Nov dan“ in Zukunft noch den einen oder anderen jüngeren Studiobruder bekommt. 

Besetzung

Matjaž Jelen – Gesang, Gitarre
Eki Alilovski – Gitarre
Cveto Polak – Bassgitarre
Roman Ratej – Schlagzeug

GASTMUSIKER
Ernie Mendillo – Bassgitarre auf Track Nr. 9
Manuella Brečko – Gesang auf Track Nr. 7 

Produktion

Matjaž Jelen & Jure Toni

Trackliste

1. Na vrh sveta
2. Vse se v pravo smer vrti
3. Če tebe ni tam
4. Ne, me ne zanima
5. Nov dan
6. Glej le naprej
7. Barve
8. Črna steklenica
9. Brez tebe padam
10. Počasi.. je lepo
11. Lebdim
12. Today / Danes je tisti dan 

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