Nothing Is More

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Künstler: Go Betty Go
Label: SideOneDummy Records
Erschienen: 2005
Laufzeit: 37:39
Bewertung: 4/5

Go Betty Go ist ein Quartett aus Los Angeles. Vier Jahre hat es gebraucht, bis sie endlich ihr Studiodebüt „Nothing Is More“ (2005) rausgebracht haben, das im Alternative Rock mit Pop-Punk-Attitüde verwurzelt ist. Was für ein irres Kunstwort? Aber heute ist halt alles möglich. Wie kann Punk Pop sein, oder andersrum? Zum Teufel damit,… es zählt nur die gute Musik.

Das klingt im ersten Absatz noch ziemlich gewöhnlich – bis der weibliche Faktor ins Spiel kommt. Go Betty Go sind nämlich vier Mädels. Haben sich bei dir schon die Nackenhaare gesträubt und die Ohren gespitzt? Zwar sind Frauenbands heute auf dem Vormarsch, aber auf jede einzelne kommen im Schnitt immer noch 100 Männerbands. Go Betty Go sind eine Band, die dich davon abbringen wird, das schwache Geschlecht zu unterschätzen, wenn es sich daranmacht, echten Rock ’n‘ Roll-Krach zu veranstalten. Sie spielen nämlich Noten, die in ihrer Echtheit und Wiedererkennbarkeit so manch eine Alternative-Rock-Band mit männlicher Besetzung locker in den Schatten stellen.

Go Betty Go sind keine schnell zusammengezimmerten Musikerinnen, die sich bloß aus Langeweile und allgemeiner Übersattheit mit „gefährlichen Spielzeugen“ im Studio vergnügen. Die Mädels schwingen diese Spielzeuge nämlich mit enormer Geschicklichkeit, sodass sie in ihren Händen zu echten Waffen werden und ihrem Zweck gerecht werden.

Die Mädels servieren uns auf äußerst wirkungsvolle Weise zwölf knallharte, direkte Songs, die fröhlich eine ordentliche Portion Rock ’n‘ Roll-Lärm und jugendliche Arroganz vereinen, dabei aber von einer hochansteckenden Melodiösität geziert werden – Hauptschuldige ist die Stimme von Sängerin Nicolette, die frech-„bitchy“ rüberkommt, wie ein Hauch Puderzucker auf Mamas Apfelstrudel, in den aus Versehen eine Handvoll getrockneter roter gemahlener Balkan-Peperoni gefallen ist. An Temperament mangelt es den Mädels wahrlich nicht. Die Schwestern Nicolette (Gesang) und Aixa (Schlagzeug) mit argentinischen Wurzeln tragen definitiv zu dieser Latino-Würze des Quartetts bei.

Die Mädels galoppieren unaufhaltsam durch 12 Songs! Diese präsentieren im Grunde ein draufgängerisches „in your face“ Rock ’n‘ Roll-Geballer, in dessen Sog uns sofort die ausgelassenen Saturday, I’m From L.A. und Get Out ziehen (letztere mit einem besonders zerstörerisch herausgestellten Hauptmotiv und rasender rhythmischer Unterlage), und dabei finden sich die Mädels in dieser bewährten und größtenteils vorhersehbaren Formel bestens zurecht, indem sie Ska-Elemente sowie Latino-Rhythmen und -Melodiöses einbauen (z.B. The Pirate Song). Der Rock ’n‘ Roll der Band ist von allem Überflüssigen und jeglichem Kompliziertmachen befreit. Zwei der Songs sind auf Spanisch geschrieben. In No Hey Padron werden Ska-Elemente kunstvoll mit dem R ’n‘ R-Drive verwoben – Spanisch macht sich in diesem Song hervorragend und übernimmt die Kontrolle, ebenso wie in Donde Voy gegen Ende des Albums, wo die Mädels dieselbe Formel mit anders kombinierten Motiven anwenden. Das funktioniert unglaublich effektiv, vor allem das Latino-Melodiöse im Gewand des giftigen Gitarrenriffs. Den Pop-Punk-Akzent des Albums unterstreicht erneut das abschließende Unreal. Wenn man einen Song wählen müsste, der im Radio am besten funktioniert, dann ist das neben den ersten drei Songs definitiv Runaway – der locker als Single veröffentlicht werden könnte, angesichts der erreichten Melodiösität und Rock ’n‘ Roll-Kompaktheit. Am wenigsten geglückt ist der einzige ruhige Song des Albums, Ticking Bombs – eben wegen dieser Ruhe, die in Generizität abdriftet. Go Betty Go sind am stärksten – funktionieren am besten –, wenn sie am wütendsten sind!

Go Betty Go haben enormes Potenzial. Die Musik ist für die Bühne und die Party geboren, und die Energie, die sie ausstrahlt, zieht dich im Handumdrehen in ihren Bann. Go Betty Go strahlen den freien Sturmlauf ungezähmter Jugend aus, getrieben von der Gier, noch Unerlebtes zu kosten. Als Debüt wirkt „Nothing Is More“ keineswegs naiv – die Mädels wissen genau, was sie anbieten wollen, und das Album kommt unglaublich überzeugend rüber. Auch die hervorragende „Garagen“-Produktion verdient eine Erwähnung. Mit solcher Leidenschaft könnten Go Betty Go zur Popularität von Kitty heranwachsen. Wo sind eigentlich Kitty heute – erinnert sich noch jemand an sie? Die Nachfolger werden also gesucht. Na ja… Wir werden sehen, was die Zeit bringt.

Besetzung

Nicolette Vilar – Gesang
Betty Cisneros – Gitarre, Backing Vocals
Michelle Rangel – Bassgitarre
Aixa Vilar – Schlagzeug, Backing Vocals

Produktion

Ted Hutt

Tracklist

1. Saturday
2. I’m From L.A.
3. Get Out
4. The Pirate Song
5. You Want It All
6. No Hay Perdon
7. Runaway
8. Crumbling Down
9. Ticking Bombs
10. Laugh Again
11. Donde Voy
12. Unreal

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