Notes From the Shadows
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Astral Doors
Label: Metalville Records
Veröffentlichung: 2014
Laufzeit: 52:32
Bewertung: 3/5
Die Schweden von Astral Doors gehören zu jenen glücklichen oder unglücklichen Bands – je nach Sichtweise –, die auf geradezu schaurige Weise an vergangene Schöpfungen der Rockmusik erinnern. Sogar an Rock-Ikonen. Auch auf dem siebten Studioalbum ändert sich daran nichts. Der Gesang zieht nach wie vor »brutal« in Richtung Ronnie James Dio, und die Band reitet durch 11 neue Songs mit nicht weniger Gnadenlosigkeit in den Kompositionen, völlig unbekümmert inspiriert von Werk und Schaffen der Bands Rainbow, (Dio/Martin era) Black Sabbath und Dio. Kopisten gab es in der Rock-Ära einige, doch wer die perfekte Ronnie James Dio-Kopie sucht, würde sie mit Sicherheit in Nils Patrik Johansson finden. Es gibt nur noch einen einzigen Sänger, der sich so gefährlich nah an Ronnie herantastet. Jorn Lande natürlich – mit dem Unterschied, dass Letzterer das nicht immer absichtlich tut.
Wie dem auch sei – die fantasiebetonte Botschaft der Texte, angereichert mit Okkultismus und Hexerei, harmoniert genauso mit dem, was die Lyrik von Ronnie James Dio zu Zeiten von Rainbow, Black Sabbath oder später in seiner Band Dio vermittelte. Bei Astral Doors handelt es sich dabei um das typische Songformat, wie es der Power-Metal-Bereich nur zu gut kennt – konkret aufgeladen mit bombastisch reißenden Stimmungen, gelegentlich gewürzt mit einem Hauch Symphonik (Confessions). Einzelne Kompositionen sind in ihrer Grundstruktur durchaus mit Sabaton vergleichbar, was auch für die Produktion gilt. Doch es ist der Gesang, der Astral Doors weit entfernt von jeglichem Versuch hält, Parallelen im Power Metal zu ziehen.
Astral Doors gehen sogar so weit, dass sie sich im akustischen Intro von Shadowchaser das Hauptmotiv des Rainbow-Tracks Man on a Silver Mountain ausleihen, das sich dann in die Hauptgitarrenfigur des Songs entfaltet, auf der die Strophe »sitzt«. Kein Wunder, dass der Gesang in diesem Track die stimmliche Erscheinung von Ronnie James Dio noch intensiver aufleben lässt. Inhaltlich und atmosphärisch schließt später auch Walker the Stalker an diesen Song an. Das mittelschnelle, düstere Die Alone ist als Komposition sehr kühn angelegt, mit geschmackvollen Tempowechseln und stimmungsmäßigen Übergängen. Alles schön und gut – wenn dieser Song nicht so sündhaft stark nach Black Sabbath klingen würde.
Die Band, die übrigens im Oktober 2006 auch in der Cvetličarna in Ljubljana als Vorband von Blind Guardian auftrat, die damals ihr Album »A Twist in the Myth« präsentierten, leidet auch auf anderer Ebene an Einfallslosigkeit. Du schaust auf das Cover und siehst eine Figur, die an den Imperator Palpatine aus Star Wars erinnert, während das gewählte Motiv selbst an das Cover von Blind Guardians Album »Forgotten Tales« erinnert – oder an eine der Schöpfungen von Derek Riggs für das Iron Maiden-Album »Seventh Son of a Seventh Son« (1988).
Wie bereits erwähnt verstehen Astral Doors es, respektable Kompositionen zu bauen. Diese packen allesamt wirkungsvoll in der dramatischen Steigerung der Stimmungen bis zum Crescendo in den Refrainmelodien. Gitarrenriffs, ein Teppich aus Keyboards und ein kanonenhafter Rhythmusmarsch, mit einem Gesang à la Dio im Mittelpunkt des Geschehens. Alles ist zu einem ausgesprochen lebendigen, dynamischen Ganzen vereint, das wirkungsvoll Momente von Mystik in der Fantasy-Thematik erzeugt. Das wäre alles perfekt, wenn Astral Doors nicht auch diesmal so deutlich nach den genannten Bands und der vokalen Ausdrucksweise von Ronnie James Dio klingen würden. Nach diesem Album werden wieder alle greifen, die das Faktum einer guten Kopie nicht stört – ungezähmte Power-Metal-Liebhaber –, während die anderen lieber weiterhin die Originale hören werden, die vor allem in den Achtzigern entstanden sind. Wie man es auch dreht und wendet: Am besten machst du dir selbst ein Bild von dieser Band. Wenn dir Dio gefällt und alles, was an ihn erinnert, dich anzieht, dann sind Astral Doors mit Sicherheit eine Band, die wie für dich gemacht ist.
Besetzung
Nils Patrik Johansson– Gesang
Joachim Nordlund – Gitarre
Joakim Roberg – Keyboards
Ulf Lagerstroem – Bass
Johan Lindstedt – Schlagzeug
Produktion
Astral Doors
Tracklist
1. The Last Temptation of Christ
2. Disciples of the Dragon Lord
3. Wailing Wall
4. Shadowchaser
5. Die Alone
6. Hoodoo Ceremony
7. Southern Conjuration
8. Walker the Stalker
9. Desert Nights
10. In The Name of Rock
11. Confessions