Norwegischer Winter von Satyricon in Ljubljana! (2013)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Sebastijan Videc

Ort: Kino Šiška, Ljubljana
Konzertdatum: 05.12.2013

Im Winter passt Black Metal musikalisch am besten – das wissen auch die norwegischen Black-Metal-Veteranen Satyricon, die ihr Tournee-Getriebe erneut mit einer Tour zur Promotion ihres neuen Studioalbums Satyricon in Gang gesetzt haben. Gesellschaft leisteten ihnen im Kino Šiška diesmal die taiwanischen Chthonic, und das Publikum wurde auch von einer heimischen Band eingeheizt.

In letzter Minute fügten die Veranstalter noch eine weitere Vorband hinzu – nämlich die Ljubljanaer Symphonic-Black-Metal-Truppe Condemnatio Cristi, die kürzlich ihr zweites Studioalbum Soundtracks veröffentlicht hatte und so die Gelegenheit bekam, das Album auch auf einer größeren Bühne vorzustellen. Löblich, dass heimische Vertreter die Chance bekommen, vor einer Band vom Kaliber Satyricon aufzutreten – und CC haben diese Chance auch ganz ordentlich genutzt. Die Jungs lieferten eine energische Show, einen selbstbewussten und souveränen Auftritt, doch das Hauptproblem der Band bleibt der ständige Verlust des roten Fadens durch das ewige Hin-und-her zwischen den Genres, was einfach nicht so funktioniert, wie es sollte. Die Band reißt ein paar Momente lang mit rohem Black Metal und Blast Beats alles nieder, stoppt dann alles abrupt mit einem gefühlvollen Solo, das danach in Death-Metal-Gewässer abdriftet. Den Jungs war auch der Sound leider nicht gewogen, der jede größere Trennschärfe der einzelnen Instrumente völlig begrub. Condemnatio Cristi sorgten für ein solides Aufwärmen – mehr leider nicht.

Erstmals betrat der wohl größte taiwanische Musikexport eine slowenische Bühne: die melodische Black-Metal-Truppe Chthonic, die zahlreiche Elemente orientalischer Musik in ihren Sound einfließen lässt und sich thematisch vor allem aus der reichen Geschichte, Folklore und Mythologie Taiwans speist. Chthonic fielen über die Bühne der Šiška her wie ein Sturm und spielten vor bereits recht zahlreichem Publikum ein kraftvolles Konzert, getragen von exzellentem Sound und einem außerordentlich lebendigen und energiegeladenen Auftritt. Chthonic setzen live stark auf ihre visuelle Erscheinung, die sich aus der asiatischen Mythologie speist – und auch wenn der »Gimp« an den Keyboards und der Schlagzeuger mit Maulkorb durchaus kitschig wirken können, haben die Looks der Gruppe ihre Wurzeln in der orientalischen Folklore. Sehr gut schlug sich Frontmann und einziges noch verbliebenes Originalmitglied Freddy Lim, der das Publikum mühelos animierte, mit seiner energischen Lebendigkeit überraschte und dabei auch auf dem traditionellen Instrument Erhu spielte – einer Art zweisaitiger Geige – und eine souveräne Gesangsperformance ablieferte, auch wenn er in manchen Momenten klang wie Alvin und die Chipmunks mit Tollwut. Die größte Männerdichte im Publikum war natürlich auf der rechten Seite der Bühne zu finden, wo Bassistin Doris Yeh ihre Position eingenommen hatte – die aber keineswegs nur »Eye-Candy« war, denn sie fuhr die Finger von Anfang bis Ende souverän und mit Feuereifer über die Basssaiten. Der Premierenauftritt von Chthonic bei uns gelang der Band auf denkbar schönste Weise – ich hoffe, dass man in Zukunft noch weitere asiatische Bands bei uns erleben kann, zum Beispiel die großartigen Sigh.

Den ohnehin schon eisigen Ljubljanaer Dezember kühlten die Black-Metal-Veteranen Satyricon mit der Kälte des norwegischen Winters noch weiter herunter – angeführt vom legendären Duo Satyr und Frost. Die beiden Männer, die bei der Geburt des Biests namens Norwegischer Black Metal zugegen waren, sehen sich heute recht häufigen Kritiken ausgesetzt, Satyricon in die falsche Richtung zu führen und die eigenen Wurzeln zu vergessen. Aber ob Satyricon nun Black, Post-Black Metal oder sonst irgendein Genre-Etikett trägt – die Macht und Größe der Band lässt sich nicht leugnen. Auch wenn das aktuelle Album Satyricon, mit dem sie auf der aktuellen Tour unterwegs sind, doch nicht ganz das ist, was man sich gewünscht hätte. Die Norweger hatten diesmal ein fast zweistündiges Konzert versprochen, doch blieb die tatsächliche Spielzeit leider deutlich darunter. Ihren Ritus begannen Satyricon mit dem Neuzugang Voice of Shadows und legten damit gewissermaßen den Rahmen für ein Konzert fest, das aufgrund der Songauswahl etwas schläfrig und allzu schwebend ausfiel. Satyricon boten diesmal eine recht transzendentale und unwirkliche Show, der es leider an Ursprünglichkeit und der animalischen Natur der norwegischen Band mangelte.  Allein der außergewöhnlichen Charisma des diesmal recht zurückhaltenden Satyr ist die größere Kraft und Überzeugungskraft des Konzerts zu verdanken, das sonst schnell in Vergessenheit geraten wäre. Der schlaue Satyr griff während des Konzerts auch mehrmals zur Gitarre, was dem musikalischen Bild der Band leider keine nennenswerte Veränderung brachte. Dafür stellte der großartige Frost einmal mehr seine unmenschliche Beherrschung seiner Schlagzeugfestung unter Beweis und glänzte besonders in den Momenten brutalen Blast-Beatings. Satyricon gelang es trotz etwas unglücklicher Songauswahl (vom aktuellen Album wurden nicht die besten Stücke ausgewählt  – zum Beispiel Walker Upon the Wind und das für Satyricon so einzigartige Phoenix) immerhin, eine düstere, mystische Atmosphäre zu schaffen, aufgebaut vor allem durch verträumte, ambientale Teile und lange Instrumentalpassagen, die eine Art ritualistisches Zeremoniell entstehen ließen, das der phänomenale Satyr leitete. Doch leider wirkte das Ganze recht routiniert und steril – und das war jedenfalls nicht der Auftritt, den man von den Bannerträgern des norwegischen Black Metal erwartet hätte.  

Setlist

CHTHONIC:
1. Oceanquake
2. Supreme Pain For the Tyrant
3. Southern Cross
4. Sail Into the Sunset’s Fire
5. Defenders of Bu-tik Palace
6. Takao

SATYRICON:
1. Voice of Shadows
2. Hvite Krists Død
3. Now, Diabolical
4. Black Crow on a Tombstone
5. Our World, It Rumbles Tonight
6. Nocturnal Flare
7. Repined Bastard Nation
8. The Infinity of Time And Space
9. To the Mountains
10. The Pentagram Burns
11. Mother North
12. K.I.N.G.

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