Noise Floor

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Autor: Peter Podbrežnik

Künstler: Spock's Beard
Label: Inside Out Records
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 51:56
Wertung: 5/5

Die Fans der kultigen amerikanischen Progressive-Rock-Revivalisten Spock’s Beard traf im Oktober 2016 die Nachricht wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Langzeit-Schlagzeuger und Gelegenheitssänger Jimmy Keegan verlässt die Band. Die übrigen Mitglieder von Spock’s Beard machten daraufhin den einzig logischen Schritt und luden den Originalschlagzeuger (und späteren Sänger) Nick D’Virgilio ein, wieder mit an Bord zu kommen – er nahm die Gastmusiker-Rolle auf dem neuen Album »Noise Floor« freudig an. Nick, der nach seinem Abgang bei Spock’s Beard Mitglied der englischen Progger Big Big Train wurde, war als Gast zwar schon auf dem Best-of-Album der ‚Spockbärte‘ namens »The First Twenty Years« (2015) dabei, wo er seinen Stempel auf dem zwanzigminütigen Epos »Falling for Forever« hinterließ, an dem alle ehemaligen und damaligen Spock’s Beard-Mitglieder außer Originalbassist John Ballard mitwirkten.

Nach dem Meisterwerk »The Oblivion Particle« (2015) war es kaum vorstellbar, dass die ‚Spockbärte‘ noch ein Album auf diesem Niveau hinlegen könnten – aber mit »Noise Floor« gelang es ihnen, die kühnsten Erwartungen der Fans zu übertreffen und ein weiteres Album zu schaffen, das zu den Prog-Rock-Highlights des Jahres 2018 zählt. Schon den Eröffnungstrack »To Breathe Another Day«, der zwar zahlreiche Parallelen zu den legendären Kansas zieht – vor allem wegen der stimmlichen Verwandtschaft zwischen Ted Leonard und Steve Walsh –, kann man bereits zu den Spock’s Beard-Evergreens zählen.

Zur Großartigkeit von »Noise Floor« hat auch die exzellente Produktion von Rich Mouser wesentlich beigetragen, der mit Spock’s Beard in etwa seit dem Zeitpunkt zusammenarbeitet, als Leonard zur Band stieß. Leonard ist auf »Noise Floor« in bester stimmlicher Form, während Keyboard-Zauberer Ryo Okumoto mit seinen vorwiegend symphonisch ausgerichteten Tastenkünsten  so eklektisch und verspielt klingt wie schon lange nicht mehr. Auf den meisten Tracks gesellt sich zur Band auch ein kleines Streich- und Bläserensemble, das die symphonischen Arrangements der meisten Stücke noch weiter bereichert, was sich bereits bei »What Becomes of Me« sehr gut hören lässt.

Die triumphierende symphonisch-progrockige Formel mit zahlreichen melodischen Arrangements, ausgesuchten Mehrstimmigkeiten und meisterhaften Soli, die die meisten ihrer früheren Alben ausgezeichnet hat, bleibt unverändert – hin und wieder tauchen aber auch gelegentliche experimentelle Überraschungen auf. »Somebody’s Home« bietet einige härtere Riffs, vor allem auf Morses Gitarre, während die orchestralen Arrangements im Hintergrund genau die richtige Balance halten, sodass das Ganze überaus geschmackvoll und episch klingt. »Have We All Gone Crazy Yet« gehört auch dank seines gesellschaftskritischen Textes zu den Highlights von »Noise Floor«, während das psychedelisch angehauchte »So This Is Life« mit seinem epischen Refrain gewisse Ähnlichkeiten mit Pink Floyd aufweist – vor allem was die vokale Ausrichtung und die Gitarrenharmonien angeht.

»One So Wise« baut eine dramatisch gesteigerte Spannung auf, während »Box of Spiders« mit Keyboard-Multiharmonien und komplexen rhythmischen Einlagen eines der innovativeren Experimente auf »Noise Floor« darstellt. »Am epischen Abschluss des ‚regulären‘ Albums, »Beginnings«, vergnügen sich die ‚Spockbärte‘ mit ihrem charakteristischen Einsatz von Mehrstimmigkeiten und schaffen einen weiteren feinen Track, der schon sehr bald zu ihren Evergreens zählen wird. Auch die Bonus-Disc ist alles andere als Füllmaterial – alle Stücke darauf sind in etwa auf dem gleichen Qualitätsniveau wie die auf der ersten »Noise Floor«-Disc, weshalb es sich auf jeden Fall lohnt, ihnen Gehör zu schenken.

Für niemanden, der die moderne Progressive-Rock-Szene verfolgt, dürfte es eine Überraschung sein, dass Spock’s Beard mit »Noise Floor« ein weiteres Meisterwerk erschaffen haben – das gleichzeitig sogar ihr bisher interessantestes Werk mit Leonard als Frontsänger ist. »Noise Floor« enthält neben einer exzellenten Produktion alle kompositorischen und klanglichen Elemente, die Spock’s Beard den Titel der wichtigsten Prog-Rock-Band der Neunziger eingebracht haben, und bietet gleichzeitig – dank des reichen Orchesterunterbaus – einige erfrischende Ideen, die wesentlich dazu beitragen, dass sie als experimentelles Musikkollektiv auch mehr als zwanzig Jahre nach ihrer Gründung noch aktuell wirken.

Besetzung

Ted Leonard – Gesang
Alan Morse – Gitarre, Begleitgesang
Ryo Okumoto – Keyboards
Dave Meros – Bassgitarre, Begleitgesang

GASTMUSIKER:
Nick D’Virgilio – Schlagzeug, Perkussion, Begleitgesang
Eric Gorfain – Violine
Leah Katzh – Viola
Richard Dodd – Cello
David Robertson – Englischhorn

Produktion

Rich Mouser und Alan Morse

Trackliste

CD1 – Noise Floor
1. To Breathe Another Day (5:38)
2. What Becomes Of Me (6:11)
3. Somebody’s Home (6:32)
4. Have We All Gone Crazy Yet (8:06)
5. So This Is Life (5:35)
6. One So Wise (6:57)
7. Box Of Spiders (5:28)
8. Beginnings (7:25)

CD2 – „Cutting Room Floor“ EP
9. Days We’ll Remember (4:14)
10. Bulletproof (4:41)
11. Vault (4:39)
12. Armageddon Nervous (3:32) 

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