No Sacrifice, No Victory

0 9

Künstler: HammerFall
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 2009
Laufzeit: 49:49
Bewertung: 4/5

Da ist es – das siebte Studioalbum von HammerFall, dem ersten Namen des Old-School-Heavy-Metal-Revivals, das Mitte der Neunziger des letzten Jahrhunderts explodierte, als sich das Etikett „Power“ (plus) Metal massenhaft an solche Bands heftete.

Auch diesmal hält HammerFall in seiner ganzen Essenz treu und fest an seiner Formel fest, die ihn noch am Ende des letzten Jahrtausends zu einer der beliebtesten Heavy-Metal-Bands der Ära des Wiederauflebens der ursprünglichen Heavy-Metal-Formen katapultiert hat. Natürlich muss HammerFall (was auch „No Sacrifice, No Victory“ beweist) dafür in erster Linie Iron Maiden den größten Dank aussprechen.  Den berühmten Terz-Harmonien, dem klassischen Riffing der ersten Hälfte der Achtziger, untermauert von der bekanntesten Maiden-Rhythmik, wirst du auch diesmal nicht entkommen. Wenn man sich nur mal durch die Songtitel wühlt und dabei an Hallowed Be My Name hängenbleibt, fragt man sich, ob das Teil eines versteckten Humors ist oder einfach eine Hommage an die Großen. Und nebenbei trägt die grundlegende Gitarren-Phrase in diesem Song einen typischen „Renegade“-Griff.

Erwähnenswert ist, dass HammerFall im letzten Jahr einen neuen Gitarristen in ihre Reihen aufgenommen haben: Pontus Norgren, der aus der schwedischen melodischen Hard-Rock-Band The Poodles kam. Er ist effektiv in Elmgrens Fußstapfen getreten und hat sich an den Großteil der Soli gemacht – also die anspruchsvollsten. Norgren beherrscht dieses Handwerk gründlich, denn er hat diese Rolle auch bei The Poodles überaus effektiv ausgefüllt. Man spürt definitiv die Frische, die die neuen Songs durchdringt. Es war offensichtlich, dass HammerFall genau das gebraucht haben. In Legion ist das extrem schnelle Tapping in der Produktion so auf den linken und rechten Monitor aufgeteilt, dass es abwechselnd erklingt. Sollten das beide Gitarristen spielen, wird diese Kommunikation zwischen den beiden besonders beim nächsten HammerFall-Konzert interessant zu beobachten sein. Der Song Legion besitzt unter den Tracks des neuen Albums einen der anspruchsvolleren Instrumentalteile (natürlich im Ausdrucksrahmen von HammerFall), in dem die Aktivität beider Gitarren intensiver ist. Norgren als Neuling in der Band präsentiert sich auf denkbar schönste Weise in der Instrumental-Nummer Something for the Ages, die (kaum zu glauben!) in einer geschmackvollen Abfolge motivischer Finessen, gespickt mit der Virtuosität des Musikers, stellenweise sogar prog-metalig wirkt. Keine Sorge natürlich! Der Track ist im Grundriff durch und durch Power Metal, und Norgren als Songschreiber schmiedet dem Stück gekonnt Kompaktheit ein, sodass es seinen hohen Fluss und seine Dynamik (den roten Faden) nirgends verliert.

Bei dieser Band war als große Tugend stets die faszinierende Tonökonomie zu bewundern. Alle Töne wurden immer sorgfältig auf genau die richtige Stelle gesetzt, ob im Übergangsornament, im Riff oder im Solo. Das ist eine Band, die schon immer sparsam mit Tönen umgegangen ist. Von den äußerst banalen Soli des Debüts, die trotzdem mit der Reife der Band nur gewachsen sind.  Und das merkt man entschieden auch bei „No Sacrifice, No Victory“.  Sie werden nicht danebenschießen. Ja, zum Preis einer Generik, die (trotzdem) gefällt – nicht zuletzt weil HammerFall sich in den Jahren ihres Bestehens ein Plätzchen an der Sonne erkämpft haben, sodass man ihnen das Adjektiv „wiedererkennbar“ aufsetzen darf.

Man spürt, dass HammerFall noch heute unter der Last ihres überwältigend erfolgreichen Debüts stehen – denn der Song Between Two Worlds etwa bewegt sich ohne Scheu auf Schienen, die versuchen, den magischen Moment des Songs Glory To The Brave vom Debüt einzufangen. Wo wir schon vom Debüt reden: Ein interessantes Ereignis anlässlich der Veröffentlichung des neuen HammerFall-Albums ist auch die Rückkehr von Bassist Fredrik Larsson, der Teil der HammerFall-Besetzung war, die das Debüt „Glory To The Brave“ veröffentlichte.

Dank dieser Tonökonomie hat HammerFall auch diesmal effektiv alle grundlegenden treibenden Gitarren-Riffs in den Mittelpunkt gerückt, untermauert vom treibenden Galopp des unverzichtbaren Anders Johansson – und an der Spitze des Ganzen thront der unverkennbare Gesang von Joacim Cans, den die Jungs in den Refrains meist mit mehrteiligen, „kernig“ lauten Chorgesängen unterlegt haben und so zur Dramatik der ohnehin pompös-anthemischen Refrainmelodien beigetragen haben. Any Means Necessary oder One Of A Kind könnten ohne Weiteres die Plätze als Album-Opener oder -Closer tauschen. Beide übernehmen durch effektives Erreichen von Kompaktheit und treibender Melodiosität, neben dem Mini-Epos Legion, wohl das Primat auf dem Album. Any Means Necessary ist ein Schuss auf die Magie des „Crimson Thunder“-Albums, während One Of A Kind die noch längere Reise zurück zu den Wurzeln der ersten beiden Alben nicht versteckt.  

HammerFall sind bekannt für eine Reihe von Coversongs bekannter Künstler, die sie mehr oder weniger effektiv in ihrem eigenen Ausdruck verarbeitet haben. Diesmal haben sie sich den Klassiker-Hit My Sharona von The Knack von deren Debüt „Get The Knack“ aus dem Jahr 1979 vorgenommen. Das ist jede Menge Spaß für die Band im Studio – wobei diesmal beim Umkodieren des punkigen Akzents des Originals die eingesetzten Hebel der Metal-Maschinerie  ein bisschen ungelenk wirken, aber angesichts des grundlegenden Zwecks kann man ein Auge zudrücken und sich dem besagten Spaß hingeben.

Definitiv hat das Dazustoßen des neuen Gitarristen die Kühnheit der Arrangements für das neue Album gestärkt. „No Sacrifice, No Victory“ wirkt reif, frisch, abgebrüht. Es klingt in vielerlei Hinsicht retro-HammerFall-mäßig, was bei Nostalgikern definitiv das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, und bietet darüber hinaus einige wunderbar melodisch vollendete Arrangements der Leitmotive (vor allem der Refrains), was diese Band schon von Anfang an ausgezeichnet hat. Ein Album also, über das sich am meisten alle treuen Fans dieser Band freuen werden, die immer ein Verfechter des Metals war, der einfach „angenehm kitzelt“ – und dank dieser süchtig machenden Melodiosität schon immer massentauglich zugänglich war. „Pedal to the metal!“

Besetzung

Joacim Cans – Gesang, Hintergrundgesang
Oscar Dronjak – Gitarre, Hintergrundgesang
Pontus Norgren – Gitarre, Hintergrundgesang
Fredrik Larsson – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Anders Johansson – Schlagzeug

Produktion

Charlie Bauerfiend

Trackliste

1. Any Means Necessary (3:34)
2. Life Is Now (4:43)
3. Punish And Enslave (3:57)
4. Legion (5:35)
5. Between Two Worlds (5:27)
6. Hallowed Be My Name (3:56)
7. Something For The Ages (5:03)
8. No Sacrifice, No Victory (3:31)
9. Bring The Hammer Down (3:41)
10. One Of A Kind (6:14)
11. My Sharona (3:56)

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies