Nine Below Zero ein zweites Mal in Postojna (2012)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Postojna / Jamski dvorec / Slowenien
Konzertdatum: 24.05.2012
Besucherzahl: 200
Kartenpreis: 20,00€

Ein Konzert von Nine Below Zero ist eine Sache, die man nicht verpassen, geschweige denn überhören sollte. Diese Männer sind auf der Bühne authentisch wie kaum jemand sonst. Energie, Magie, Interpretation einer zutiefst gefühlten Dosis Blues-Rhetorik! Dahinter stecken außergewöhnliche Erfahrung und Können.  Berührung mit der „Blues“-Erfahrung unter dem Taktstock der einfühlsamsten Meister ihres Fachs. Blues ist am schönsten und berührt die Zuhörer am intensivsten, wenn er schlicht und direkt gespielt wird. Nine Below Zero sind das Paradebeispiel einer idealen Symbiose aus vier Musikern, vier Elementen, die einen idealen Blues-Körper formen. Die Erwartungen waren also hoch.

Dennis Greaves ist auch heute noch das Rückgrat von Nine Below Zero. Sein Mojo spricht für sich. Seine graumelierte, ausgearbeitete Bühnenfigur von außergewöhnlicher Charisma ist allein mit Gitarrenklang und Gesangsinterpretation der Garant für eine der attraktivsten altschulischen »white blues«-Bands Großbritanniens, die seit 1977 immer noch aktiv am Start sind. Mundharmonika statt Keyboards – das ist die Besonderheit von Nine Below Zero. Deshalb ist die seit 2001 vollzogene Rückkehr des Originalmitglieds, Mundharmonikaspieler und Sänger Mark Feltham, für die Blues-Rhetorik von Nine Below Zero wie Salz für eine ordentliche Rindfleischbrühe! Ohne Feltham geht es eben nicht.   Die Rhythmussektion dieser legendären Band liegt heute in den Händen des ehemaligen Rory Gallagher-Bandmitglieds Brendan O’Neill am Schlagzeug sowie Bassist Brian Bettham, der Nine Below Zero verließ, nachdem er vor langer Zeit mit der Band das Album »Third Degree« aufgenommen hatte, sich aber Anfang dieses Jahres wieder dem Team anschloss. Er ersetzte dabei Garry McAvoy. Auch McAvoy ist ein bekannter Name aus den Jahren der langjährigen Zusammenarbeit mit Rory Gallagher.

Nine Below Zero kamen beim diesjährigen Postojna Blues Festival eigentlich durch die Hintertür ins Programm. Im letzten Moment. Als dringender Ersatz für den Auftritt von Billy Branch, der seinen absagen musste. Herrlich. Mundharmonikaspieler Mark Feltham also für Mundharmonikaspieler Billy Branch. Klingt mehr als fair.

Der Auftritt von Nine Below Zero war erwartungsgemäß in zwei Teile zu je 40 Minuten aufgeteilt, mit einer dazwischenliegenden, geradezu epischen, satten 40-minütigen Pause. Eine solche Pause ist offensichtlich Voraussetzung des Gastronomieobjekts, das die Räumlichkeiten vermietet, damit das Festivalprogramm überhaupt an dem Ort stattfinden kann – denn nur so kann der Betreiber dem durstigen Publikum zusätzliche Münzen herauspressen. Der Besuch war wieder sehr schön. Die Tische bis in den letzten Winkel voll besetzt. Nine Below Zero markierten auf der Bühne schnell ihre Wiedererkennbarkeit mit den Eigenheiten des Blues-Zaubers, der natürlich besonders im Eigenmaterial brilliert, und rissen die Anwesenden vor allem mit dem vertrauten Sentiment ihres eigenen Humors mit, mit dem sie auf ansteckendste Weise die Barriere zwischen Band und Publikum einrissen. Den ersten Teil des Auftritts beschloss eine energiegeladene Interpretation von Willie Dixons Talk To Me Baby, die Anfang der Sechziger zuerst vom Blues-»König des Slides« Elmore James aufgenommen wurde.

Die gewaltige Pause hat sicher auch das Quartett selbst »aufgelockert«, das die eingeschliffene Lässigkeit im weiteren Verlauf des Auftritts offensichtlich mit der Tatsache verband, dass man sich wer weiß wie nicht zu konzentrieren brauchte – die Jungs waren ja im letzten Moment als Ersatz nach Postojna eingesprungen. Das zeigte sich vor allem in einigen unnötigen Pausen und den theatralischen Abgängen von Greaves von der Bühne, deren Leerstellen Feltham mit seinen Einlagen schnell füllen musste. Nine Below Zero sind jedenfalls mit allen Wassern gewaschen und so abgebrüht, dass sie einen mit ihrer Bühnensouveränität und ihrem außergewöhnlich selbstsicheren Charakter schnell über diese Beobachtungen hinwegbringen. Aber gegen Ende des Auftritts, als Greaves dem Publikum schon mit dem Bier zuprostete, war deutlich zu spüren, dass die Band mit den Gedanken woanders war. Erneut erklang eine weitere Dixon-Bearbeitung, I Can’t Quit You Baby, die Graeves deutlich weicher, geschmeidiger und »orgelnder« spielte, als es für die wildere, lautere Led Zeppelin-Version auf deren Studiodebüt gilt. Das brandneue Boogie-Stück A Little Understanding, das Nine Below Zero für das gemeinsame Kollaborationsalbum »The Co-Operated« mit Glenn Tilbrook aufgenommen haben, ließ auch die zweite Hälfte des Auftritts langsam ausklingen. Das schlossen die Jungs mit dem Standard On The Road Again ab – einer Adaption von Alan Wilson nach der Vorlage des gleichnamigen Originals von Floyd Jones, das den meisten aus der Version der legendären Blues-Helden Canned Heat besser bekannt ist. Hier zündeten die Jungs nochmal richtig, besonders Feltham hielt das Publikum mit seiner atemberaubenden Mundharmonika-Virtuosität auf den Beinen, auf den Schwingen des Improvisationswahnsinns, mit dem sich die Band auch von der Bühne verabschiedete – nachdem sie zuvor das gesamte Publikum zur Mitarbeit animiert hatte.

Die Zugabe eröffneten Nine Below Zero theatralisch mit einer Fortsetzung von On The Road Again, gefolgt von einem ihrer bekanntesten Eigenstücke, Wooly Bully. Das Quartett brachte das Publikum mit Roy Heads Soul-Blues-Klassiker Treat Her Right ein letztes Mal auf die Beine, in den sie (besonders wegen der großen motivischen Kompatibilität der Hauptthemen) auf neckische Weise den The Kinks-Standard You Really Got Me einflochten.

Kurz, aber süß! Diesmal mit etwas übermäßiger Lässigkeit, aber insgesamt korrekt. Offensichtlich ist die Band den Postojna-Auftritt ein wenig halbherzig und nicht ganz fokussiert angegangen, obwohl den Jungs ins Gesicht geschrieben stand, dass sie voll genießen. Aber der Vergleich mit der Erfahrung der vorherigen Tour, auf der die Jungs auch mal bis zu drei Stunden mit einer Kombination aus akustischem und elektrischem Repertoire spielten, zeigte deutlich, dass Nine Below Zero, trotz eines attraktiven und nach wie vor in allem hochgradig glaubwürdigen Auftritts, diesmal dem Postojna-Publikum gegenüber eine Spur reserviert waren.

Setliste

erster Konzertteil:
1. Tore Down
2. Homework
3. Can’t Help Myself
4. Can I Get A Witness
5. Last Night
6. I’m So Alone
7. Hard Goin‘ Up
8. Madison Blues
9. Talk To Me Baby
—Pause—
zweiter Konzertteil:
10. Soft Touch
11. Everyday I Have The Blues
12. I Can’t Quit You Baby
13. Ridin‘ On The L & N
14. Don’t Point Your Finger At The Guitar Man
15. Three Times Enough
16. It’s Never Too Late
17. A Little Understanding
18. On The Road Again
—Zugabe—
19. On The Road Again (reprise)
20. Wooly Bully
21. Treat Her Right / You Really Got Me

Bildergalerie

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