Nibelung

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Künstler: Siegfried
Label: Napalm Records
Veröffentlichung: 2009
Laufzeit: 43:19
Bewertung: 3/5

Siegfried ist eine Band aus Österreich. Sie existiert seit elf Jahren und das Album „Nibelung“ ist das dritte in der Reihe des ausgearbeiteten Konzepts rund um den Nibelungenring. Also insgesamt das dritte Album der Band, die sich – Hand aufs Herz – eine ziemlich lange Pause zwischen 2003, als das Album „Eisenwinter“ erschien, und 2009 gönnte, und damit das gesamte Konzept der legendären Geschichte der germanischen Mythologie abschließt, die zuvor schon Gegenstand der Bearbeitung vieler Künstler war. Sie fanden darin schöpferische Inspiration – von Richard Wagner (die Operntetralogie „Der Ring des Nibelungen„) über die deutschen teutonischen Metal-Old-School-Holzfäller Grave Digger („Rheingold“, 2003) bis hin zu Fritz Lang, der 1924 zwei kurze Stummfilme inszenierte (die Duologie „Die Nibelungen“).

Siegfried entdecken nichts Neues. Die Songs sind im Power-Metal-Stil angelegt. Das Gitarren-Riffing wird von einem Doppelbassdrum-Pedal unterlegt, das gerne beschleunigt als „Fahrwerk“ der Songs rollt. Das wird häufig durch Passagen mittlerer oder verlangsamter Tempi unterbrochen (Saschsensturm).

Aber in Sachen Arrangement sitzt die Band nicht mit verschränkten Armen da. Epic Power Metal ist grundsätzlich auch in den Händen von Siegfried eine abgenutzte und durchgekaute Form, die nichts Neues zu sagen hat. Die Band kümmert das herzlich wenig, weil sie an ihre Arbeit glaubt. Und im Fall des Albums „Nibelung“ gelingt es Siegfried trotz der engen Genre-Grenzen, genug Spielraum herauszuholen, der beim Hören von „Nibelung“ tatsächlich künstlerischen Sinn ergibt und in seiner Aussagekraft überzeugt. Siegfried erreichen das – die nötige Auflockerung der grundlegenden Genre-Schablone – vor allem durch drei Lead-Vocals, die je nach den Rollen des konzeptualisierten Hintergrunds des Albums wechseln. So gibt es hier weibliche Klargesangs-Vocals von Sandra Schleret (auch Sängerin bei den Gothic-Power-Metallern Elis), männliche Klargesangs-Vocals von Werner Bialek und verzerrte Vocals – oder auf gut Deutsch: das „Growling“ – von Bandchef Bruder Cle. Mit drei Vocals sind Siegfried ein Septett!

Die drei Vocals gewähren Einblick in die Verletzlichkeit und den Vorteil der deutschen Sprache in den Texten. Am meisten Melodie bringt dabei der weibliche Gesang ein, während die männlichen Klargesangs-Vocals in dieser Hinsicht am wenigsten Überzeugungskraft besitzen. Das „Growling“ ist beim Einsatz deutscher Texte auf dem Album „Nibelung“ eigentlich am begeisterndsten, auch wenn es stellenweise theatralisch-kindisch wirkt (fast weinerlich grotesk) in seinem Bemühen, das Konzept des Albums zum Leben zu erwecken. Trotzdem ist das Zusammenspiel der drei Vocals der Hauptmotor dieser Abwechslung, die das Album „Nibelung“ braucht. Auch die sechsjährige Pause war zweifellos hilfreich, da Siegfried ihre Ideen in dieser Zeit gründlich gesiebt und die ausgereiftesten Songformen für die weitere Ausgestaltung mit Arrangements ausgewählt haben. Diese kleiden die grundlegende Form der Gitarrenfrasen mit einem vielseitigen Einsatz von Symphonischem ein, das von epischen Streicher-Ausbrüchen bis hin zu schlichtem Klavierklang alterniert (an den ruhigeren Stellen des Albums).

Interessant ist, dass beispielsweise der Song Fafnir der Haupttrack des Demo-Recordings ist, das bereits 2000 als EP „Fafnir“ erschien. Die Band hat einzelne Songs von dieser EP sinnvoll eingebaut, passend zur Geschichte des Konzepts der drei Alben. Fafnir fand in dieser Album-Trilogie erst auf dem dritten, also dem Album „Nibelung“, seinen Platz. Es ist reizvoll, das ausgereifte Arrangement-Upgrade der neuen Version mit der alten zu vergleichen.

Unter den interessanteren Gitarrenfrasen des Albums ist die mutige Kombination des Leitmotivs mit dem Zusammenspiel der vokalen  Zugänge der drei Sänger im Song Die Prophezeiung hervorzuheben, wo die dramatisch düstere Atmosphäre in der Gesamtbilanz am stärksten auf dem Album wirkt! Die Band hält auch im weiteren Verlauf innerhalb des Refrains des Songs Brunhild (Sandra Schlerets Lead-Vocal zieht den Song über den Durchschnitt) ein effektives Stimmungswechselspiel aufrecht!

Das Album „Nibelung“, das die Trilogie der konzeptualisierten Geschichte von Siegfried abschließt, ist ein reifer Schritt nach vorne. In Sachen Arrangement, vollendeter Kompaktheit, überzeugender Erschaffung vielfältiger Stimmungen und einer böse düsteren Albumatmosphäre. Ungeachtet der vorhersehbaren Form wird es Fans dieses Genres so manche interessante Stunde des Genusses bieten und ist in dieser Hinsicht jeden Hörversuch wert.

Angesichts der mehrheitlich kargen und ergebnislosen Aussagekraft österreichischer Bands im Reich der Metal-Musik haben Siegfried mit dem Album „Nibelung“ bewiesen, dass sie im Genre-Feld des Epic Power Metal über dem Qualitätsdurchschnitt der Bands unseres nördlichen Nachbarlandes liegen. In Sachen Metal können die Österreicher von den Slowenen noch was lernen. Das Problem ist nur, dass in Österreich Geld seinen Zweck für die Unterstützung von Metal-Musik findet, bei uns aber leider meist nicht zum Schutz der Metal-Musik eingesetzt wird. So haben die Österreicher das starke Label Napalm Records, das auch Bands unterstützen kann, die in ihrer Aussagekraft völlig ins Leere schießen – während slowenische Metal-Bands sich mit eiserner Willensstärke durchkämpfen und in die eigenen, ohnehin schon ordentlich durchlöcherten Taschen greifen müssen! Aber das ist schon eine Geschichte für ein anderes Mal.

Besetzung

Sandra Schleret – Gesang
Werner Bialek – Gesang
Bruder Cle – Gesang
Daniel Bachmaier – Gitarre, Keyboards
Hannes Krause – Keyboards
Roland Wurzer – Bass-Gitarre
Moritz Neuner – Schlagzeug

Produktion

Alexander Krull

Trackliste

1. Der Ring der Nibelungen
2. Fafnir
3. Die Eisenfaust (Alberich)
4. Die Prophezeihung
5. Brunhild
6. Sachsensturm
7. Totenwacht
8. Der Todesmarsch
9. Die Götterdämmerung

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