New Life
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Pusar, Tilen
Label: Eigenverlag
Erscheinungsjahr: 2016
Laufzeit: 46:05
Wertung: 4/5
Mit einem neuen Album kehrt er in die Musikwelt zurück – der berühmte Barje-Studio-»one man band«-Zauberer alias Herr »Mach-es-selbst« Tilen Pusar. Die Zeit vergeht schnell. Tilen ebnete 2012 seinen eigenen Weg als Musiker mit dem Debüt »Inner Strenght«. Vier Jahre später folgte nun »New Life«.
Bereits auf seinem Debüt »Inner Strenght« begründete Tilen Pusar seine quasi einzigartige Stellung, die ihn als eigenständigen Fingerstyle-Virtuosen auf der Gitarre auszeichnet. Aus seiner cremefarbenen Fender Stratocaster wusste dieser feinsinnige und einfühlsame Gitarrenkünstler eine Reihe angenehmer Tonalitäten zu entlocken, die – ob man will oder nicht – sowohl im Klang als auch in der gelegentlichen Melodieführung unweigerlich an Seine Exzellenz Mark Knopfler erinnern. Auch »New Life« behält diesen Moment bei, obwohl sich das neue Album aufgrund einiger Neuerungen bzw. Experimente, die Tilen angegangen ist (besonders das abschließende Man Power sowie I’m Survivor), von diesen Assoziationen merklich distanziert. Die Begeisterung für Werk und Stil von Meistern wie Eric Clapton und J.J. Cale ist gelegentlich spürbar, besonders in Passagen, in denen sich Tilen mit Feingefühl der Evokation von Emotionen in einem bestimmten Ton oder einer Tonfolge widmet (vor allem in ruhigen Passagen und Stücken wie der »aktualisierten« Version von Coffee Break). Auch Momente, die auf irisch-keltische Folkloremotive verweisen, tauchen auf der Platte wieder auf. Darauf weist bereits die Mid-Eight-Passage des einleitenden (aufweckenden) Born Again hin.
Tilen hat die Stücke stellenweise mit rhythmischen Kontrasten und tieferen Tonlagen aufeinander abgestimmter Akkorde unterlegt, die dezent und sanft die Hintergründe der Leitmotive färben, die der Gitarrist in der ersten Frontlinie webt. Das ist eigentlich unbedingt notwendig, denn es lockert nicht nur die sonst drohende Starrheit auf, die durch die vielfachen Wiederholungen der Leitmotive entstehen kann – man muss auch bedenken, dass Tilen in seiner Ausdrucksweise grundsätzlich auf die Einstimmigkeit des Gitarrenspiels angewiesen ist und deshalb auf verschiedene Studiokniffe zurückgreifen muss, mit denen er das Klangbild weiter bereichert und ausfüllt. Gleichzeitig nutzt der Mann auch einen speziell bearbeiteten Sound, der bei aller zurückgehaltenen Organik in mystische Gefilde einlädt – durch hinzugefügte Hall- und Sustain-Effekte; stellenweise koloriert Tilen die Motive auch mit Harmonien (das zerbrechliche und besonders wohlklingende Beautiful). Wie Tilen Pusar mit einer Begleitband klingen würde, zeigt am besten das »wild gewordene« I’m Survivor, wo die Phrasen großzügig vom Einsatz eines Fingerpicks und Distortion-Sound getragen werden.
Unter all den Highlights des neuen Werks verdient Journey To Myself einen besonderen Platz. Es ist das Stück, das Tilen Pusar vielleicht besser als jedes andere als musikalischen Visionär und Künstler charakterisiert. Es besitzt im Großen und Ganzen genau all jene Merkmale, die in diesem Artikel auf einzelne Sätze »verteilt« sind. In diesem Stück sind sie an einem einzigen Ort vereint. Ein ungeschliffener Diamant, der mal das »Liebäugeln« mit dem Blues beschwört, dann wieder mit Country und Folk. Hier entlädt sich eine Lawine witziger solistischer Improvisationseskapaden, die die Leitmotive ständig beleben und die Schleier über Tilens rastlosem Geist des unaufhörlichen Selbsterforschens lüften (durch musikalische Predigt). Das Stück setzt sich aus mehreren motivischen Wechseln zusammen und ist bis dato das komplexeste Werk, das Tilen Pusar in seiner Karriere angegangen ist.
Obwohl Tilen Pusar mit dem neuen Album nichts bietet, was man nicht schon auf dem Vorgänger »Inner Strength« gehört hätte, wirkt das neue Album ausdrucksmäßig und emotional deutlich optimistischer. So gibt es auf dem Album weniger Stücke, die sich aus Moll-Tonarten entwickeln. Fast gar keine. Das neue Album bringt im Vergleich zum mystischeren Vorgänger mehr Verspieltheit und Schelmerei in Tilens Ausdruck. Mehr von jener überschäumend freudigen Erwartungshaltung, die dich zu deinem Ziel führt und zur Verwirklichung all der stillen Träume und Wünsche, für die es sich lohnt zu kämpfen und dranzubleiben. Wenn das Debüt »Inner Strength« wie ein Album der »Erlösung« wirkte, auf dem Tilen alle Stürme und Dämonen hinter sich gelassen hat, dann klingt »New Life« ruhiger, versöhnlicher, dabei aber lebensfroh und aufweckend. In den Feinheiten des Produzierens und Arrangierens wirkt das neue Album im »Gesamtklangpaket« noch ein kleines Stück kompakter und ausgefeilter. Also reifer! Außerdem hat der feinfühlige Tilen einige Neuerungen ausprobiert und damit mögliche Richtungen für weiteres künstlerisches Reifen angedeutet.
Mit »New Life« bewahrt und festigt Tilen Pusar seine Position als musikalischer Sonderling im slowenischen Musikraum. Das neue Album ist ein ebenbürtiger Nachfolger des hervorragenden Debüts. Es hinterlässt den Stempel anderer Emotionen und Leidenschaften, die den authentischen Abdruck der letzten vier Jahre des Künstlerdaseins unter freiem Himmel tragen. „New Life“ hält weiterhin die Welle ungezügelter, überschäumender Leidenschaften am Laufen – durch ein neues musikalisches Abenteuer der abenteuerlichen und ständig kreativen Selbstherausforderung von Tilen Pusar. Und damit bewahrt sein Artismus weiterhin den ständigen positiven Wandel sowie das natürliche evolutionäre Wachstum und Reifen.
Tilen Pusar – Journey To Myself (offizielles Video):
https://www.youtube.com/watch?v=p0of4RmnSy4
Besetzung
Tilen Pusar – alle Instrumente
Produktion
Tilen Pusar
Trackliste
1. Born Again
2. Man And Woman
3. Pure Heart
4. New Life
5. Journey To Myself
6. Her Way
7. Ready For Her
8. Beautiful
9. Coffee Break (studio version)
10. Man Power
11. I’m Survivor