New Audio Machine

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Trixter
Label: Frontiers Records
VÖ: 2012
Laufzeit: 43:44
Wertung: 4.5/5

Und hier ist noch ein weiteres offizielles Studiodokument einer weiteren Reunion – einer klassischen Band, Vertreterin der Glam-Metal-Schule der frühen Neunziger. Trixter, seit 2007 wieder in Originalbesetzung aktiv, veröffentlichen nach genau 20 Jahren ihr drittes eigenständiges Studioalbum.

Zur Erinnerung: Die Amerikaner aus New Jersey wurden Mitte der Neunziger vom MTV-Grunge-Schwall von der Bildfläche gespült – wie viele andere Bands, die damals für ordentlich Party-Time-Rock-’n‘-Roll gesorgt hatten.  Die Jungs saßen in den Jahren bis 2007 aber nicht untätig herum, sondern waren in verschiedenen Projekten aktiv. Gitarrist Steve Brown schlug sich mit Solo-Auftritten im »One-Man-Show«-Stil durch, außerdem in der Van-Halen-Coverband Unchained und modernen Melodic-Rock-Projekten weniger bekannter Namen wie Throwan Rocks, Soaked, 40ft Ringo und Stereo Fallout. Bassist P.J. Farley spielte bei Ra.

Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum feierte Trixter 1990 enormen kommerziellen Erfolg. Das Album »Trixter« erreichte in relativ kurzer Zeit nach dem Erscheinen Goldstatus und produzierte drei Hits: Surrender, One In A Million und Give it To Me Good. Es folgte eine Tournee mit Scorpions, Poison und Warrant. Für die Band lief alles traumhaft, und nach zwei Jahren erschien auch das Album »Hear!«. Trixter gingen erneut auf Tour, diesmal mit Kiss. Doch MTV hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Hunger auf Grunge-Musik. Den Rest der Geschichte kennt ihr.

Nach dem wegweisenden Konzert beim Festival RockLahoma 2008 gab es kein Zurück mehr. Es folgten neue Konzerte, und innerhalb von vier Jahren hatte die Band auch genug neues Material für ein neues Album zusammen. Dafür lud sie drei prominente Gäste ein, die an den Ideen dazu mitgewirkt haben: Glen Burtnik (Styx), Rachel Bolan (Skid Row) und Snake Sabo (Skid Row). Nebenbei bemerkt: Trixter machten ihre ersten Karriereschritte in denselben Clubs in New Jersey wie ihre Landsleute und Weggefährten Skid Row – und auch Kix.

»New Audio Machine« lässt sich als echte Fortsetzung der Geschichte bezeichnen, die für die Band 1992 mit dem Album »Hear!« viel zu früh abgebrochen wurde. Ein ausgezeichnetes Werk, das stolz neben beiden Trixter-Alben der Neunziger steht. Nichts weniger, nichts mehr! Nehmen wir mal nur Dirty Love unter die analytische »Lupe«. Das schwer pulsierende Gerüst einer dynamischen Rhythmussektion, ein potenter und ansteckender Gitarrenriff, der Adrenalin ins Blut pumpt, ein elektrisierend lasziver Gesang – das sind Zutaten, die in optimalen Arrangementpositionen sitzen und deshalb voll durchzünden. Die schrittweise Steigerung der Stimmung mit einem »Crescendo« im Refrain und einer Melodie, die erwartungsgemäß mit melodischen Zitaten männlicher Chor-Gangs unterlegt ist, verleitet einen zum Pflücken verbotener Früchte. So lässt sich in etwa jeder einzelne Track des neuen Albums zusammenfassen – nicht nur Dirty Love.

Direkt nach Dirty Love schlägt Machine im Refrain mit einem AC/DC-mäßig nackten Riff  ein. Das ist ein Album, das förmlich vor giftiger Bombastik brennt – natürlich im Produktionsgewand der neuen Zeit, herrlich aufgeheizt in einem eingefangenen Moment voller Lebendigkeit. Das Album öffnet sich in der akustischen Manier des bewussten Southern-/Country-Teasings von Drag Me Down, das aber schon bald eruptiv von der adrenalingeladenen Trixter-Geschwindigkeit für neue Zeiten überschwemmt wird! Der akustische Einstieg erinnert an den Opener des Albums »Hear!« – schon allein das muss dem Hörer beim flüchtigen ersten Eindruck sofort ausreichen, um zu spüren, dass sich auf diesem Album die echte Fortsetzung der klassischen Trixter-Geschichte verbirgt. Bei Drag Me Down legen die (für Trixter eigentlich untypisch-verdächtigen) »Nah-Nah-Nah«-Gesänge im Refrain die Assoziation nahe, dass genau diese Albumidee von Glen Burtnik stammen könnte. Und zu Burtnik führt noch direkter der fünfte Track des Albums namens Live It For Today hin. Das ist eine gefühlvolle halbakustische Nummer mit hoher melodischer Kompaktheit, atmosphärisch kontrastiert durch den bravourösen Einsatz von Backing Vocals (Refrain), während auch die Keyboard-Textur die Refrain-Stimmung vertieft. Hier muss Glen Burtnik definitiv die Finger im Spiel gehabt haben. Auch The Coolest Thing trägt angesichts der bravourös geschichteten Vokalharmonien sicher etwas von Burtniks Handschrift.

Die harmonischen Vokalmelodien erblühen erneut im stampedenden Refrain von Ride, das ähnliche Stimmungswelten heraufbeschwört wie davor Dirty Love oder danach das giftig eingängige Physical Attraction – alle drei sollten auch bei allen Def-Leppard-Fans einschlagen, die seit Jahren sehnsüchtig darauf warten, dass Def Leppard endlich mal wieder ein Album mit echter inhaltlicher Substanz abliefern.  

Wenn du bis Tattoos & Misery vorgedrungen bist, wirst du nicht überrascht sein, warum dieser Track als Präsentationssingle des neuen Albums ausgewählt wurde. Im Arrangement ist er optimal abgestimmt. Die Strophe-Refrain-Kombination liefert ein tolles Stimmungsaufbau-Abenteuer mit noch einem weiteren ungemein eingängigen Höhepunkt im Refrain. Vor allem ist es ein Track, der den Geist von Trixter in der neuen Ära brillant mit der klassischen Zeit der Band verbindet.  Steve Browns Gitarrensolo ist »außerirdisch« und gießt einfach nur noch mehr Öl ins ohnehin schon lodernde Feuer dieses Werks!  

»New Audio Machine« ist von Kopf bis Fuß ein faszinierendes Comeback-Album von Trixter. An Bombastik fehlt es dem Album keineswegs, an furiöser Provokation und Einladung zur Sünde noch weniger. Es wirkt frisch inspiriert und in voller Kraft. Es trägt 11 gleichwertig eingekerbte Tracks, die dich von der ersten bis zur letzten Sekunde des Albums fest bei der Stange halten. Der Schachzug, ein Album nach dem Vorbild der alten Tage zusammenzustellen, ist für Trixter in der neuen Zeit mehr als ein Sieg. Dazu hat sicherlich auch die Tatsache beigetragen, dass Trixter heute eine der wenigen wiedervereinigten Melodic-Hard-Rock-Bands sind, die in Originalbesetzung aktiv sind. Möge das noch viele Jahre so bleiben! Und noch etwas: Mit „New Audio Machine“ bleiben Trixter auch für alle Winger-Fans interessant.

Besetzung

Peter Loran – Gesang, Gitarre
Steve Brown – Gitarre, Backing Vocals
P. J. Farley – Bassgitarre
Mark „Gus“ Scott – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Glen Burtnik (Styx)
Snake Sabo (Skid Row)
Rachel Bolan (Skid Row)

Produktion

Trixter

Trackliste

1. Drag Me Down
2. Get On It
3. Dirty Love
4. Machine
5. Live For The Day
6. Ride
7. Physical Attraction
8. Tattoos & Misery
9. The Coolest Thing
10. Save Your Soul
11. Walk With A Stranger

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