Nach all den Jahren (2011)
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Cvetličarna / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 13.04.2011
Besucherzahl: 800
Kartenpreis: 29 €
Parni Valjak waren nie als große musikalische Philosophen bekannt. Kritiker warfen ihnen häufig vor, bei den Rolling Stones zu „borgen“. Was eigentlich stimmt. Der Track Stranica dnevnika zum Beispiel leitet sich von Angie ab, Lutka za bal von Jumpin‘ Jack Flash — und noch das eine oder andere ließe sich finden…
Ende der Siebziger fanden Valjak dann doch schnell ihre eigene musikalische Sprache, vor allem natürlich Hus, der zu 99 Prozent der Autor des gesamten Werks von Parni Valjak ist. Die Achtziger waren auch für Parni Valjak goldene Jahre — in dieser Zeit erschien kein schwaches Album von ihnen. Ihr Abstieg begann gegen Ende des letzten Jahrtausends mit den Alben Zastave und Pretežno sunčano?, die trotz einiger „Hits“ ziemlich durchschnittlich wirkten. Aber noch kritischer war die Tatsache, dass ihnen auch auf der Bühne die Energie ausging, was einem aufmerksamen Zuhörer schnell klar wurde. Sie machten trotzdem weiter und begriffen erst spät — erst 2006 —, dass die Energie für eine Fortsetzung nicht mehr da war, und stellten die Gitarren in die Ecke. Damals kündigte ich an, dass sie innerhalb von fünf Jahren auf die Bühnen zurückkehren würden. Ich lag nicht weit daneben: Ohne Bühne hielten sie nur drei Jahre durch.
Heute klingt Valjak live besser als je zuvor. Die Jungs beweisen immer wieder, dass sie eine der besten, wenn nicht gar die beste Live-Band aus dem ehemaligen Jugoslawien sind — und dabei locker auch jüngere, ambitionierte Bands übertreffen, die in den zwanzig Jahren der Unabhängigkeit in den einzelnen neu entstandenen Staaten entstanden sind und noch entstehen. Der Donnerstagauftritt in der ausverkauften Cvetličarna war in fast jeder Hinsicht makellos. FAST! Die Songauswahl war definitiv eine negative Überraschung — sie passte eher zu einem größeren Konzert und einem breiteren Publikum, aber sicher nicht zur Club-Szene. Ich vermisste zum Beispiel die alten Tracks (Prevela me mala, Javi se, Ona je tako prokleto mlada, Moje dnevne paranoje…). Außerdem haben die Jungs eines ihrer besten Alben „Glavnom ulicom“ völlig vernachlässigt. Die einzige kleine Überraschung war der Track Ostani s njim (Album Uhvati Ritam, 1984).
Der Mittelteil des Konzerts war ziemlich langweilig und verlor sich in mittelmäßigen Schnulzen neueren Datums wie Dok je tebe, Stvarno nestvarno, Aleluja, Sunčanom stranom und einem der größten kommerziellen Erfolge — Jesen u meni. Letzteren bin ich, Hand aufs Herz, schon ziemlich leid; er hat mich eigentlich nie besonders bewegt. Auf demselben Album (Anđeli se dosađuju, 1986) findet sich nämlich der Track Tvoji koraci, der in jeder Hinsicht eine unvergleichlich bessere Angelegenheit ist. Ich verstehe, dass Jesen u meni ein Song ist, der einem breiteren Publikum viel leichter ins Ohr geht, während Tvoji koraci eher Material für Musikkenner ist. Angesichts des Fragezeichens (?), das auf der Setlist neben dem Eintrag JESEN steht, besteht vielleicht noch die Hoffnung, dass die Jungs diesen Track irgendwann ein für alle Mal aus dem Konzertrepertoire streichen.
Den mittelmäßigen Eindruck des Konzertmittelteils konnten die Jungs im weiteren Verlauf mit ein paar Rockern dann doch etwas aufpolieren. Wir erlebten nämlich die Tracks Lutka za bal, Ugasi me, Sve još miriše na nju und U prolazu. Die Setlist enthielt auch noch die Tracks Hvala ti und Godine prolaze, die aber nicht gespielt wurden. Schade — vor allem den ersten hätte ich irgendwo im Mittelteil des Konzertabends sehr gerne gehört.
Das Konzert, das ansonsten hervorragend durchgezogen wurde, verpuffte so irgendwie. Zumindest aus der Perspektive von jemandem, der die Band seit ihren Anfängen verfolgt und verdammt gut weiß, welches Potenzial die Jungs haben, wozu sie fähig sind und was sie aufzubieten haben. Die Songauswahl hätte eher zum angekündigten größeren Herbstkonzert in der Arena Stožice gepasst und Fans mit hauptsächlich jüngeren Werken zufriedengestellt. Für die Club-Szene, wo sich erfahrungsgemäß die echten und langjährigen Fans einfinden, hätten sie ruhig mit den Schätzen ihres eisernen Repertoires aufwarten können. Die Klassiken aus Hus‘ schöpferisch produktivster Zeit fehlten schlicht.
Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, denn die neueren Balladen und Mid-Tempo-Schnulzen reichen mir einfach nicht. Ein ähnliches Repertoire ist auch beim Herbstkonzert in der Ljubljaner Schönheit Arena Stožice zu erwarten, weshalb ich dieses Konzert aller Wahrscheinlichkeit nach — zumindest angesichts dessen, was ich am Donnerstag gehört habe — in einem großen Bogen meiden werde. Husa, Aki und Preksi habe ich Anfang der Neunziger auch persönlich kennengelernt. Bei Begegnungen auf ihren oder anderen Konzerten haben wir immer das eine oder andere Wort gewechselt. Ihre Auftritte habe ich schon in so manchem Loch gesehen, aber ihre jüngste Phase sagt mir, dass die Liebe meinerseits teilweise vorbei ist. Die alten Alben bleiben natürlich in meiner Sammlung — live sollen die Jungs aber lieber für die jüngeren Generationen spielen, die sich mit ihrer neueren Musik zufriedengeben. Danke, Valjak, für die schönen (ersten) 30 Jahre. Den Jungs wünsche ich für ihre Zukunft auf jeden Fall viel Erfolg.
Setliste
01.Ljubavna
02.Zagreb ima isti pozivni
03.Dok si pored mene
04.Zastave
05.Ostani s njim
06.Gledam je dok spava
07.Dođi
08.Molitva
09.Pusti nek‘ traje
10.Dok je tebe
11.Stvarno nestvarno
12.Ivana
13.Uhvati ritam
14.Jesen u meni
15.Stranica dnevnika
16.Nakon svih godina
17.Aleluja
18.Sunčanom stranom
19.Moja je pjesma lagana
20.Prokleta nedjelja
21.U ljubav vjerujem
22.Lutka za bal
23.Ugasi me
Zugabe:
24.Sve još miriše na nju
25.U prolazu
Fotogalerie














