Muzej Revolucije

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Autor: Urban Bolta

Künstler: Zabranjeno pušenje
Label: Hayat production
Erscheinungsjahr: 2009
Laufzeit: 54:42
Wertung: 3.5/5

Zabranjeno Pušenje sind wieder da! Kaum zwei Jahre sind vergangen, seit sie das Album „Hodi da ti čiko nešto da“ veröffentlicht haben, und noch bevor der „Čiko“ veraltet war, hielten sich die Zabranjenci Ende letzten und Anfang dieses Jahres schon in Zagreber Studios auf, wo sie ein neues Album mit dem bedeutungsvollen Titel Muzej Revolucije aufgenommen haben. Die kurze Zeitspanne zwischen zwei Veröffentlichungen ist eher für jüngere Bands typisch, die in der Regel motivierter sind und bei denen die Ideen geradezu miteinander wetteifern, welche auf dem Album besser rauskommt. Für alte Hasen, was Zabranjeno Pušenje mit ihrer inzwischen über fünfundzwanzigjährigen Karriere definitiv sind, ist das Veröffentlichen von Alben am Fließband allerdings nicht gerade typisch. Erst recht, wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass Zabranjeno Pušenje des neuen Jahrtausends in die Kategorie der Durchschnittsbands einzuordnen sind – ihrem in den Achtzigern aufgebauten Namen konnten sie in diesem Jahrzehnt mit ideenlosen Veröffentlichungen nicht gerecht werden. Aber genau deshalb ist Muzej Revolucije eine umso größere Überraschung!

Die Besetzung von Zabranjeno Pušenje hat sich während der Entstehung des neuen Albums etwas verändert – für das Herauskitzeln der Töne aus dem Bass sorgt ab sofort Dejan Orešković Klo, er ersetzte Predrag Bobić, alle anderen Musiker bleiben dieselben wie auf der vorigen Platte. Warum betone ich das? Die Band ist nämlich bekannt für häufige Wechsel – Rückgrat und erste Geige, von Anfang an dabei geblieben ist nur Sejo Sexon, der Mann, der die nach dem Krieg über das ganze Land verstreute Gruppe wieder aktiviert und ein paar neue Mitglieder dazugeholt hat. Sejo hat auch bei Muzej revolucije für das Komponieren der neuen Songs gesorgt, Unterstützung bekam er wie immer von seiner rechten Hand, dem Gitarristen Toni Lović, sowie von externen Mitarbeitern, den Textern Tomislav Andrić und Mario Vastić.

Muzej revolucije bringt eine Abkehr vom eingeschlagenen Weg, den sie mit der erneuten Veröffentlichung von Platten in der zweiten Hälfte der Neunziger begonnen haben, mit dem vorherigen, (meiner Meinung nach) misslungenen „Hodi da ti čiko nešto da“ auf den Höhepunkt getrieben haben – diesmal kehren sie zu den Wurzeln zurück, zum ursprünglichen Rock’n’Roll, den sie einst schon so richtig gut draufhatten – Rückbesinnung auf die Wurzeln im Sinne der Struktur der Songs selbst und der Betonung der Gitarrenlinien, nicht im Sinne des Garagensounds, den eine exzellente Produktion ersetzt hat – dabei arbeiteten sie mit John Davis zusammen (Manic Street Preachers, U2, Arctic Monkeys…). Anders gesagt: Zabranjeno pušenje sind mit jeder neuen Veröffentlichung in den vergangenen Jahren ein Stück weit vom Rock’n’Roll weggedriftet und haben begonnen, ernsthaft mit anderen, verwandten Genres wie Ethno, Folk und auch Jazz zu liebäugeln, und Muzej revolucije hat den Sound der Band wieder mit härteren Rhythmen ausgestattet, die den organischen Klang von Trompete, Violine und anderen sekundär rockigen Instrumenten auf das Abstellgleis geschoben haben. Die Songs sind um Gitarrenmotive herum gebaut, die in der Musik von Zabranjeno Pušenje lange nicht mehr so entschlossen aufgetreten sind – in manchen Songs regelrecht Hard-Rock-mäßig. Die oben genannten Instrumente haben natürlich auch auf dem neuen Album ihren Anteil, aber in weit geringerem Maße, denn der Gitarrenriff gibt von Anfang bis Ende meist den starken Takt vor, und die übrigen Instrumente gesellen sich ihm bloß dazu – es passiert nicht mehr oft, dass zum Beispiel die Trompete diktiert und den Hörer durch den Song führt. In ein paar Songs harmonieren Gitarren- und Violinenklang hervorragend miteinander und erschaffen gemeinsam wirklich tolle Momente – so etwas haben wir von den Jungs aus Sarajevo schon lange nicht mehr gehört! Textlich bewegt sich Sejo & Co in bekannten Gewässern, sie sprechen über die Probleme des heutigen Menschen und der Gesellschaft im Allgemeinen, das Ganze ist, wie wir es von ihnen gewohnt sind, mit einer ordentlichen Portion Humor gewürzt. Auf dem Album ist auch vom alten gesellschaftlichen System die Rede, das sie einst kritisiert haben, dem sie jetzt aber fast schon ein bisschen nostalgisch nachblicken..

Den Auftakt macht der Titeltrack mit einem richtig harten Riff und nostalgischen Erinnerungen an die Vergangenheit, danach folgt die erste Single aus dem Album, Modni Guru, auf der sie eine lauwärmere, fast schon Pop-Rock-Note anschlagen. Kladimo se versetzt uns mit seinem Refrain zurück ins Jahr 1985 auf das Album Dok čekaš sabah sa šejtanom, als die „Zabranjenci“ ausgelassenen Rock’n’Roll mit einer gehörigen Portion positiver Energie spielten, der selbst das verkniffenste Gesicht zum Lächeln brachte. Samir-time ist einer der Höhepunkte des Albums, ein reifer Song mit melodischem Refrain und hervorragend einkomponierter Violine, im Song Prigodnje riječi überrascht uns eine kräftige Basslinie und die durchgehende Präsenz der Trompete, Express Folky star hingegen ist der schwächste Song des Albums und kommt dem typischen Track vom Album Hodi da ti čiko nešto da noch am nächsten. Auch die zweite Hälfte des Albums ist stark, heraus stechen die Songs Tvoja bosa stopala und ein weiterer Höhepunkt des Albums, U gradu gdje nisam rođen. Kada Sena pleše ist ein durchschnittlicher Track mit einem überdurchschnittlichen Refrain, in dem Gitarren- und Trompetenklang hervorragend zusammenspielen.

Die Jungs aus Sarajevo haben mit Muzej revolucije natürlich keine Revolution in der Musikwelt gemacht, aber sie haben angenehm überrascht und uns wieder in rockigere Gewässer mitgenommen, wo sie sich einst schon sehr gut zurechtgefunden hatten. Das Album ist das beste im neuen Jahrtausend, vielleicht sogar das beste in der Nachkriegszeit, dem nur Fildžan viška (1997) Konkurrenz macht.

Besetzung

Sejo Sexon – Gesang, Gitarre, Backing Vocals
Toni Lović – E- und Akustikgitarre, Backing Vocals
Branko Trajkov Trak – Schlagzeug, Backing Vocals
Robert Boldižar – Violine, Keyboards, Backing Vocals
Paul Kempf – Keyboards
Dejan Orešković Klo – Bassgitarre

Gastmusiker:
Stipe Mađor – Trompete auf Prigodne riječi
Ante Prgin Surka – Schlagzeug und Trompete auf Kada Sena pleše und Trompete auf Samir time
Nenad Mlinarić Mlinka – Schlagzeug auf Muzej revolucije

Produktion

Toni Lović & Sejo Sexon

Tracklist

1. Muzej revolucije
2. Modni guru
3. Kladimo se
4. Samir – time
5. Prigodne riječi
6. Express Folky star
7. Kada Sena pleše
8. Ustanova
9. Tvoja bosa stopala
10. U gradu gdje nisam rođen
11. Tijesno
12. Nije to (Čuva Bog Želju svog) (Bonustrack)

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