MTV Unplugged
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Florence and The Machine
Label: Universal Music Group
Erscheinungsjahr: numbers
Laufzeit: 49:31
Bewertung: 3/5
Es war nur eine Frage der Zeit, wann sich eine der bekanntesten Vertreterinnen des britischen Indie-Pop/Rocks mit Einflüssen aus Art Rock und Baroque Rock, Florence Welch, auch dem Projekt eines Live-Albums widmen würde. Nach zwei erfolgreichen Studioalben – Lungs und Ceremonials – ist ein solches Album wohl die logische Fortsetzung.
In den letzten Jahren hat MTV Unplugged als Sendung, die Musiker einlädt, die mit ihren Live-Auftritten leider nicht mit den Größen der Neunziger mithalten können – wie Paul McCartney, Eric Clapton, Kurt Cobain, Bruce Springsteen, Kiss (um nur einige zu nennen) –, etwas von seinem guten Ruf eingebüßt. Florence mit ihrer Machine – bestehend aus Robert Acroyd (Gitarre), Chris Hayden (Schlagzeug, Perkussion), Isa Machine (Klavier), Tom Monger (Bass, Harfe) und Mark Saunders (Bass, Gitarre, Perkussion) – trägt in diesem Kontext mit ihrem Auftritt zweifellos erheblich zur Wiederherstellung des angeschlagenen Rufs bei. Den Auftritt hatte sie im Dezember 2011.
Für die Aufnahme eines Live-Albums hätte Florence auch eine andere Gelegenheit wählen können. Allerdings ist sie sich wohl bewusst, dass ihre Popularität auch jenseits des großen Teichs wächst. Auf sich aufmerksam gemacht hat sie die Amerikaner vor allem bei der letztjährigen Oscar-Verleihung, als sie für Dido einsprang, die zu diesem Zeitpunkt schwanger war. Live sang sie den nominierten Song If I Rise aus dem Film 127Hours mehr als ausgezeichnet.
Zusätzliche Werbung schadet natürlich nie, obwohl Florence mit der Musik, die sie macht und auf zwei sehr erfolgreichen Alben präsentiert hat, geschickt dem Mainstream ausweicht und nicht vor allzu großem Publikum auftritt. Sie weiß nämlich, dass zu viel Kommerzialisierung die Kunst zunichte macht, gleichzeitig ist ihr aber wohl glasklar, dass nur gute Album- und Konzertverkäufe ihr ungestörtes musikalisches Schaffen sichern können.
Für ihren Auftritt bei MTV Unplugged präsentierte sie 9 Songs, die eine Art kleines ‚best of‘ beider Alben darstellen. Bei der Interpretation halfen ihr neben den Musikern, die ohnehin ihre Band bilden, noch ein zehnköpfiger Gospelchor und ein Orchester. Da es sich um dieselben Songs handelt, die außerhalb des Studioumfelds aufgenommen wurden, drängt sich der Vergleich mit den Studioaufnahmen geradezu auf. Lungs und Ceremonials sind produktionstechnisch und auch im rein musikalischen Sinne außergewöhnliche Werke, die eine sehr ausgeprägte Harmonie zwischen Gesang und Instrumenten verkörpern. Leider ist davon auf diesem Album nur ein Bruchteil zu spüren. Der Gesang nimmt nämlich zu viel Raum ein, während der instrumentale Hintergrund ihn zu wenig umhüllt. An Florences Gesangsfähigkeiten ist natürlich in keinster Weise zu zweifeln. Im Gegenteil – in der Flut von Sängerinnen, die heutzutage wie Pilze aus dem Boden schießen, ist sie genau die Ausnahme, die deutlich aus dem Durchschnitt heraussticht. Die ganze ätherische Stimmung, die durch die Studioaufnahmen strömt, drängt sich in diesen Aufnahmen irgendwie auf oder tritt zu sehr in den Vordergrund. So geht die Dynamik verloren und das Ganze wirkt ziemlich blutleer. Gleichzeitig erinnert es viel zu sehr an die Interpretationen der einstmals populären exotischen isländischen Sängerin Bjork. Nach dem Anhören des gesamten Albums bleibt ein leichter bitterer Nachgeschmack und der Gedanke, dass Florence diese Gelegenheit auch anders hätte nutzen können. Weniger kompliziert und weniger exotisch. Sie ist nämlich gut genug, dass sie keine zusätzlichen Beweise nötig hat.
Außergewöhnlich gelungen ist hingegen das Arrangement des Klassikers ‚Jackson‘ von Johny & June Cash im Duett mit Josh Homme (Kyuss/Queens of the Stone Age), das den einzigen echten Höhepunkt des Albums darstellt. Trotz der starken Country-Note, die der Song im Original trägt, ist es den beiden gelungen, seine Ursprünglichkeit zu erhalten und dabei ihren eigenen kreativen Interpretationsmoment hinzuzufügen. Dadurch hat der Song nichts verloren, aber enorm gewonnen. Josh ist sogar extra für diese Gelegenheit nach New York gereist.
Für das gewisse Etwas wurde noch der Klassiker aus dem fernen Jahr 1932 ‚Try A Little Tenderness‘ hinzugefügt, den Otis Redding aufgenommen hat und mit dessen Interpretation sich bisher schon viele bekannte Musiker auseinandergesetzt haben (unter anderem Rod Stewart, Frank Sinatra, Tina Turner).
Florence wird mit diesem akustischen Auftritt und dem daraus resultierenden Album keine Scharen neuer Fans gewinnen. Was auf seine Weise schade ist, aber völlig verständlich, wenn dieser technisch zwar makellose Auftritt ihre Vision der Interpretation darstellt. Für die treuen Fans, die sie mit den Alben Lungs und Ceremonials gewonnen hat, ist dieses Album jedoch zweifellos ein unverzichtbarer Teil der Sammlung.
Besetzung
Florence Welch – Gesang
Robert Acroyd – Gitarre
Chris Hayden – Schlagzeug, Perkussion
Isa Machine – Klavier
Tom Monger – Bass, Harfe
Mark Saunders – Bass, Gitarre, Perkussion
Produktion
IAMSOUND, Island
Trackliste
1. Only If For A Night
2. Drumming Song
3. Cosmic Love
4. Breaking Down
5. Never Let Me Go
6. Try A Little Tenderness (Cover von Otis Redding)
7. No Light, No Light
8. Jackson (Cover von Johny & June Cash)
9. What The Water Gave Me
10. Dog Days Are Over
11. Shake It Out