Mit The Subways beim Tee bei Mary! (2009)

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Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Orpheum, Graz, Österreich
Konzerttdatum: 31.03.2009
Besucherzahl: 500
Kartenpreis: 20 €

Das war kein Aprilscherz. Das waren The Subways. Das Trio, in dem der charismatische Billy Lunn mit Mikro und Gitarre den Ton angibt, in dem die bezaubernde Charlotte Cooper die Basssaiten malträtiert und in dem das Schlagzeug dem verschmitzten Josh Morgan überlassen bleibt, könnte man auch als „entfernte Cousins“ der etwas älteren amerikanischen Garagenrocker Eagles of Death Metal mit Jesse Hughes an der Spitze bezeichnen. Die zwei Jungs und das Mädchen, die Anfang Juli letzten Jahres ihr zweites Studioalbum mit dem Titel „All or Nothing“ veröffentlichten, machten im Rahmen ihrer Promotour auch im benachbarten Graz halt.

Die lokalen Pop-Rocker Once Tasted Life, denen die Aufgabe anvertraut worden war, das Publikum aufzuwärmen, stürmten mit demselben Schwung auf die Bühne, den wir bereits beim letztjährigen Summer Breeze Festival in Kirchbach erlebt hatten. Doch Elan ist leider nicht alles. Die Jugend, die sich vor der Bühne versammelt hatte, ließ sich zwar von ihren Klängen wie Marionetten lenken, aber die Jungs spielten eben schon zigfach gehörte Tracks von ihrem Debütalbum „A Thousand Moments We Let Pass“, erschienen im inzwischen fast schon fernen Jahr 2006. Für anspruchsvollere Zuhörer war das schlicht zu wenig.

Eine komplette Kehrtwende vollzog sich, als The Subways die Bühne betraten – von der NME als „das Sexieste, was dem Rock ’n‘ Roll in den letzten Jahren passiert ist“ bezeichnet. Und das zu Recht. Billy Lunn, der über eine unglaubliche Ausstrahlung und eine enorme Portion Energie verfügt, verknüpfte die Band gleich zu Beginn mit „Kalifornia“ mit dem Publikum. Die Mädchen in den vorderen Reihen kreischten hysterisch und streckten die Hände aus, wann immer sich Lunn näher an den Bühnenrand bewegte. Bewundernswert ist auch die kleine Charlotte, die ebenfalls keine Sekunde stillsteht und fröhlich von einer Seite zur anderen hüpft, obwohl man manchmal das Gefühl hat, dass ihr die Puste ein bisschen ausgeht. Mit „Young for Eternity“ vom gleichnamigen Debütalbum, das 2005 beim Label Infectious Records erschien, wurden auch die verschlafenen oder etwas anspruchsvolleren Gemüter wachgerüttelt, die beim Warm-up von Once Tasted Life die Minuten mit einem Glas gutem Bier heruntergezählt hatten. Die erste richtig zündende Nummer war „Oh Yeah!“. Das ist auch die eigentliche Single vom bereits erwähnten Album, die The Subways einem breiteren Musikpublikum vorstellte. Dicht auf den Fersen folgte „Alright“, die zweite ausgekoppelte Single von „All or Nothing“. Das Album, das sie – anders als das erste (in Liverpool aufgenommen) – in Los Angeles einspielten, entstand unter der Regie des erfahrenen Butch Vig. Dieser ist vor allem für seine Zusammenarbeit mit den unsterblichen Grungern Nirvana, den immer unterhaltsamen und selten ernsthaften Jimmy Eat World sowie den legendären The Smashing Pumpkins bekannt. Auf Lunns kurze Überredungsversuche folgte eine Einladung zum Tee bei „Mary“ sowie ein sogenannter Wettbewerb, welche Seite des Orpheum-Saals lauter ist. War es die linke oder die rechte? Das Urteil folgte nach „Shake! Shake!“. Billy und die Fachjury, bestehend aus Charlotte und Josh – dem Jungspund, der wild die Drumsticks schwingt –, hatten wahrlich eine schwere Aufgabe. Doch Gerechtigkeit siegt immer, und die Bewertung von eins bis zehn lautete natürlich zehn. Dass das Publikum diese Bewertung wirklich verdient hatte, bewies es auch bei „I Won`t Let You Down“, das sich ebenfalls auf dem Zweitling „All or Nothing“ findet. Anders als „Young for Eternity“ klingt dieses Album etwas härter, was höchstwahrscheinlich dem Produzentenwechsel und den Aufnahmen im einst gelobten Land geschuldet ist. Auch Charlottes mädchenhafter (Back-)Gesang hat in den Songs deutlich mehr Raum bekommen. Den ersten Teil des Auftritts schlossen The Subways mit „This is the Club For People Who Hate People“ ab – und wer diesem Club beitreten möchte, sollte sich beim nächsten Konzert einfach den Button mit diesem charmant-sarkastischen Schriftzug kaufen.

Mit „Strawberry Blonde“, die für immer in die Haut unter Lunns Brust eintätowiert ist, neigte sich der Abend langsam dem Ende zu. Es folgte die wohl härteste Single „Girls & Boys“ vom Album „All or Nothing“, deren Titel veranschaulicht, wie Billy fast seine Stimme verlor. Weil das Beste immer zum Schluss kommt und wenn der Wahnsinn seinen Höhepunkt erreicht, ist es Zeit für die eine und einzige „Rock`n`roll Queen“. Den Song, den The Subways abnormal lang in die Länge zogen und bei dem Lunn einen spektakulären Stage Dive vollführte, sang jede Kehle der rund fünfhundert Köpfe starken Menge, die sich an diesem Abend in Könige und Königinnen des Rock ’n‘ Roll verwandelt hatte. Genau dieser Track war es, der die jungen und aufstrebenden Briten in die Welt hinauskatapultierte – er wurde in mehreren TV-Werbespots, Videospielen sowie in den Filmen „Stirb langsam 4.0“ und „RocknRolla“ verwendet. Im letzteren ist das besagte Trio übrigens auch während eines Clubauftritts zu sehen.

The Subways haben bereits mehrfach bewiesen, dass sie eine unglaublich qualitätvolle Band sind, die die Formel für den Erfolg in sich trägt. Harte Arbeit zahlt sich immer aus, und es besteht kein Zweifel daran, dass sie eines Tages genauso groß sein werden wie etwa The Killers, Oasis und andere. Man muss nur daran glauben …

Fotos: Miha Rekar

Setliste

Once Tasted Life: 1. A Few More Words 2. His Dedication 3. Primetime 4. No Guarantee 5. Interlude 6. One Spectator`s View 7. A New Morning (I`m Still Walking) The Subways: 1. Kalifornia 2. Young For Eternity 3. Holiday 4. Obsession 5. Oh Yeah 6. All or Nothing 7. Alright 8. Mary 9. Always Tomorrow 10. Shake! Shake! 11. I Won`t Let U Down 12. I Want To Hear What You Have Got To Say 13. Turnaround 14. With You 15. This Is The Club For People Who Hate People —– Zugabe —– 16. Strawberry Blonde 17. Girls & Boys 18. Rock`n`roll Queen

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