Mit Soen auf Lykaia! (2017)
Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad
Ort: Orto bar, Ljubljana
Konzertdatum: 11.04.2017
Soen wurden 2012 mit ihrem Debüt Cognitive über Nacht zu einer der auffälligsten neuen Prog-Rock-Bands überhaupt – nicht zuletzt, weil die Band vom ehemaligen Opeth-Schlagzeuger Martin Lopez gegründet wurde und der einzigartige Steve DiGiorgio für außergewöhnliche Basslinien sorgte. Und natürlich haben Soen auch durch das schlicht herausragende Material auf Cognitive überzeugt. Seitdem sind Soen zu ziemlich regelmäßigen Gästen auf unseren Bühnen geworden – auch den Nachfolger Tellurian haben sie hier präsentiert, und nun, erstmals im Orto bar, das frische Album Lykaia.
Für diese Tour haben sich Soen eine genretechnisch sehr passende Vorband ausgesucht: die Norweger Madder Mortem, die dieses Jahr ihr zwanzigjähriges Bandjubiläum feiern. An der Spitze der Band steht Sängerin Agnete, die schnell klarmacht, dass sie nicht nur zur Dekoration auf der Bühne steht – mit ihrem kraftvollen, präsenten und autoritären Gesang war sie der absolute Mittelpunkt des Auftritts. Die Norweger starteten ihre Karriere im atmosphärischen Doom Metal und haben im Laufe der Zeit immer mehr progressive Elemente in ihre Musik einfließen lassen. Neben Agnetes abwechslungsreichem Gesang lieferten die Jungs also auch einige unerwartete und komplexere Momente – die haben es aber leider nicht ganz geschafft, den guten einstündigen Auftritt am Kochen zu halten; der begann sich bald zu ziehen, und Agnetes Stimme wurde mit der Zeit etwas anstrengender als zu Beginn.
Umso schwerer fiel das Warten auf den Beginn des geheimnisvollen „lykaischen“ Rituals mit Soen – ihr neues Album Lykaia ist nach einem archaischen griechischen Ritual benannt, das den Übergang ins Erwachsenenalter markierte, wobei ein Teil davon angeblich Lykanthropie umfasste, also die Verwandlung pubertierender Männer in Werwölfe. Den rituellen Charakter haben Soen gleich mit dem Opener eingelöst: dem bass-schweren Canvas, dessen Intro zwar minimal daneben lag, was die erfahrenen Bandmitglieder aber schnell ausgebügelt haben. Bei exzellentem Sound haben Soen ihr aktuelles Album in tollem Licht präsentiert – am eindrucksvollsten verkörpert vom siebenminütigen Meisterstück Opal. Die gut gelaunte Band hat ihre Energie schnell aufs Publikum übertragen, das diesmal wirklich überrascht hat: Das Konzert war besser besucht als erwartet, und unter dem Publikum fanden sich auch viele junge Gesichter – ein echter Anlass zu Optimismus, dass auch die Jugend etwas für gute Musik übrig hat. Von Soen lässt man sich eben leicht begeistern, denn was sie auszeichnet, ist das außergewöhnliche rhythmische Fundament aus sattem Bass und dem unglaublichen Schlagzeugspiel von Lopez, der melodische und eingängige Gesang von Joel Ekelöf (der mit seiner schlanken Figur und dem »belt buckle« stark an Wolowitz aus The Big Bang Theory erinnert, hehe) sowie die Gitarrenkapriolen von Marcus Jidell. Soen haben mit diesem Konzert bewiesen, dass sie sich erfolgreich vom Label »Tool-Kopie« distanzieren – und dass in ihnen das Potenzial schwelt, immer größer und größer zu werden.
Setlist
SOEN:
1. Canvas
2. Sectarian
3. Savia
4. Sister
5. Pluton
6. Opal
7. Kuraman
8. Jinn
9. Fraccions
10. Tabula Rasa
11. Lucidity
Fotogalerie































