Minutes To Midnight
Künstler: Linkin Park
Label: Warner Bros. Records
Veröffentlichung: 2007
Hat noch jemand das Gefühl, dass mit der Welt irgendwas nicht stimmt?!
Linkin Park sind erwachsen geworden und haben gemerkt, dass sich heute Platten bestens verkaufen, auf denen man entweder über Bush herzieht oder rumjammert, dass mit der Welt etwas nicht stimmt und das geändert werden muss. Umso besser, wenn man beides macht. Andererseits ziemlich schwach, wenn man das als Letzter in der Reihe tut und nicht einen Funken Mut aufbringt. Mit den ersten beiden Platten Hybrid Theory und Meteora haben Linkin Park vor allem Teenager begeistert, die auf die neuen Rebellen „reingefallen“ sind, die obendrein viel überzeugender und verlässlicher wirkten als Limp Bizkit.
Minutes to Midnight war bis zum Release eine ganz große Geheimsache – nicht mal beim Label durfte man die Platte hören, geschweige denn, dass Journalisten sie (zumindest legal) eine Minute vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin hätten hören können. Und weil der Unterzeichnete Labels schätzt und respektiert und eMule nicht benutzt, hat er das neue Werk von Linkin Park eben erst am Veröffentlichungstag gehört. Und war enttäuscht!
Wo ist die Durchschlagskraft? Wo ist die Leidenschaft? Wo ist der Mut? Wo ist der Rock??? Es gibt mehr Synths und Loops als Gitarren, die sich auf das eine oder andere Riff und die Verstärkung des Refrains beschränken, die Stimme ist durchgehend sorgfältig kontrolliert und zurückgehalten, Hands Held High erinnert an einen alten Puff Daddy, im Hintergrund hört man sogar Amen-Gesang. Der erste Hit What I’ve Done ist eine der wenigen Ausnahmen, die an alte Glanzzeiten erinnern, und wurde wohl auch deshalb mit Bedacht unter den zwölf versammelten Songs ausgewählt, die alles andere als überzeugen.
Der Gesang klingt zu sehr nach Geheule und Gejammer über alles – Liebe, Welt, soziale Lage, Politik… oh und überhaupt schrecklich! Die Musik hat man schon gehört, sie ist eher monoton, langweilig und eintönig als nachvollziehbar und interessant. Leider singen heute alle darüber, und diese Spielart ist längst nicht mehr revolutionär. Rick Rubin hat diesmal mit dem Produzentenstab danebengeschwungen, und plötzlich habe ich vor zwei Dingen Angst – die Platte von Metallica könnte schlecht werden (???) und Velvet Revolver haben wohl einen klugen Zug gemacht, als sie auf Rubins Dienste verzichtet haben.
Linkin Park sind wie die meisten ihrer Hörer erwachsen geworden – nur dass sie sich dem dritten Lebensjahrzehnt nähern, ihre alten Fans aber dem zweiten. Neue Hörer werden sie nicht verstehen, sie werden ihnen langweilig, alt und pathetisch vorkommen. Eben wie ihre älteren Brüder, Schwestern und im schlimmsten Fall sogar Eltern. Und davon haben sie zuhause schon genug!
Minutes to Midnight? Der Countdown zum Untergang eines Musiksterns…
Besetzung
Chester Bennington – Gesang
Brad Delson – Gitarre
Mike Shinoda – Begleitgesang, Gitarre, Keyboards
Joe Hahn – Programmierung, Samples, Beats
Dave „Phoenix“ Farrell – Bassgitarre
Rob Bourdon – Schlagzeug
Produktion
Rick Rubin & Mike Shinoda
Tracklist
1. Wake
2. Given Up
3. Leave Out All The Rest
4. Bleed It Out
5. Shadow Of The Day
6. What I’ve Done
7. Hands Held High
8. No More Sorrow
9. Valentine’s Day
10. In Between
11. In Pieces
12. The Little Things Give You Away