Mini-Prog-Metal-Fest in Triest (2012)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Triest (Trieste) / Etnoblog / Italien
Datum des Konzerts: 11.04.2012
Besucherzahl: 150
Kartenpreis: 20,00€

Seventh Wonder zählen heute zu den zentralen Figuren der lebhaften skandinavischen Progressive-Metal-Szene – zusammen mit Bands wie Mind’s Eye, Circus Maximus, Majestic, Minas Tirith, Moonlight Agony, Vindictiv, Triosphere, Silent Call (und die Liste ließe sich noch weiterführen). Sie mögen keine so breite Fanbasis haben wie ihre Prog-Landsleute Pain Of Salvation oder Opeth, können aber auf vier Studioalben verweisen, die durch typischen skandinavischen Perfektionismus glänzen. Und jeder neue davon ist eine Weiterentwicklung seines Vorgängers.

Das Seventh-Wonder-Prinzip für Progressive Metal „auf skandinavisch“ zeichnet sich durch das feinfühlige Zusammenspiel von melodischer, höchst eingängiger Kompaktheit der Hauptmotive mit einem Crescendo in den Refrains aus – dazu kommen verschmitzte Kunststücke nach dem Vorbild komplexer Dream-Theater-artiger Breaks, die einem den Atem verschlagen. Beim Komponieren verlieren sie dabei weder Prägnanz noch Kompaktheit zugunsten virtuoser Komplexität. Seventh Wonder sind deshalb auf der einen Seite äußerst eingängig, überraschen auf der anderen aber mit ihrer technischen Ausgefeiltheit und darstellerischen Perfektion.

Ihr letztes Studioalbum hatten sie zwei Jahre zuvor veröffentlicht. Es heißt »The Great Escape« – dem einen oder anderen ist es vielleicht zumindest wegen des Covers in Erinnerung geblieben, das eine riesige Schwarze Witwe mit weit gespreizten Gliedmaßen ziert.

Bekanntermaßen fangen Dinge rund um Unterhaltung und Entspannung auf der italienischen Seite immer sehr spät an. Auch im Triestiner Club Etnoblog war das nicht anders. Obendrein schüttete es an diesem Tag wie aus Kübeln, als würde die Sintflut anbrechen, und die allgemeine Stimmung bis zum Betreten des Clubs wirkte wirklich wie das gottverlassenste Ende der Welt.

Der Etnoblog war Viertel nach neun ordentlich voll. Knapp 200 Leute drängten sich hinein, was für den Auftritt von Seventh Wonder gut aussah. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Mehrheit gekommen war, um dem Vorprogramm Sinheresey, den Einheimischen aus Triest, ihre Unterstützung zu zeigen. Die Band, die dem Klang von Nightwish, Leave’s Eyes, Epica und Co. huldigt – also dem symphonischen Power-Metal-Marsch mit weiblichem Gesang im Mittelpunkt (den sie auch mit männlichem kombinieren) – hatte ausgerechnet an diesem Tag ihre Debüt-EP »The Spiders And The Butterfly« veröffentlicht. In gut 50 Minuten Repertoire präsentierten sie ihr Eigenmaterial in Fülle, doch diesmal muss man von einem weniger geglückten Auftritt sprechen. Die Band stieß auf katastrophale Soundbedingungen, die ihr der Tonmann beschert hatte. Alle Instrumente dröhnten völlig undifferenziert, die Gitarre dumpf und matschig, die Keyboards waren über den ganzen Auftritt hinweg kaum herauszuhören. Dazu schlichen sich gelegentlich deutlich falsche Töne in die Melodien des Gesangs ein, der ohnehin nicht mehr als einen durchdringenden Sopran ohne ausgeprägten Charakter bot. Auch arrangementsmäßig wirkte die Sache sehr generisch. Andere Bühnenbedingungen hätten vielleicht andere Eindrücke gezaubert – aber es bringt nichts, sich da etwas vorzumachen. Sinheresey brauchen schlicht mehr Erfahrung. Ebenso fehlt der Band mehr Bühnendynamik und die Ausstrahlung eines ausgefeilten Looks, der zur Bühnenshow und Bewegung dazu gehört. Bauernhüte passen nicht zu Metal – das möge der männliche Vocalist der Band bitte als wohlgemeinten Rat verstehen. Dieser muss sich außerdem noch entscheiden, wohin er den Fokus legen will: Kehlkopfgesang, Falsett oder Growling. Die ständigen Wechsel zwischen den Gesangsansätzen verderben nämlich oft die Stimmung, die die Band mit dem federführenden weiblichen Gesang aufbaut, anstatt ihn zu unterstützen.

Was den Auftritt von Seventh Wonder betrifft, gab es keinerlei Grund zur Sorge, dass etwas schiefläuft. Das hochkarätige Equipment, das vor dem Auftritt auf der Bühne aufgebaut wurde, machte von sich aus klar, dass mit den Musikern dieser Band nicht gut Kirschen essen ist. Erst recht, nachdem Bandkopf und Bassist Andreas Blomqvist eine sechssaitige Yamaha-Bassgitarre nach dem Modell von John Myung umgeschnallt hatte und die Band Viertel vor elf auf der Bühne explodierte. Von den heutigen Originalmitgliedern von Seventh Wonder ist neben Andreas nur noch der teuflisch gute Gitarrist Johan Liefvendahl in der Band; den Rest der Truppe füllen Keyboarder Andreas Söderin, Neuzugang Schlagzeuger Stefan Norgren, der im Vorjahr Johnny Sändin am Schlagzeug ersetzt hatte, sowie der phänomenale Vokalist Tommy Karevik. Die Band eröffnete das Konzert mit Wiseman vom aktuellen Album »The Great Escape«. Interessant war, dass das Gros des Repertoires aus Songs des konzeptionell düsteren Albums »The Mercy Falls« (2009) bestand. Da die Band das 30-minütige Titelstück des aktuellen Albums »The Great Escape« nicht ins Programm aufnahm, konnte sie nur noch unter sechs kürzeren Songs dieses Albums wählen und spielte bei diesem Konzert davon drei (Wiseman, The King Of Whitewater und Alley Cat).

Seventh Wonder haben im Handumdrehen das richtige Konzertlevel etabliert, das solchen schwedischen Hartarbeitern zusteht. Sie sind Perfektionisten, die nach Makellosigkeit in allem streben, was sie tun. Auch wenn der Clubraum akustisch wieder einige Tücken zeigte, war der Sound dennoch akzeptabel – die Instrumente waren gut genug herauszuhören, und vor allem trug Tommys Stimme im Klangbild klar, unverkennbar melodisch sauber und explosiv autoritär. Der Sänger deutete während des Auftritts selbst mehrfach an, dass er Schwierigkeiten hatte, seine Stimme in den In-Ear-Monitoren zu hören – nach außen hin aber erfüllte die bühnenhafte Essenz der Band im Sound vollauf.

Das Überraschendste war, dass sich das Publikum bis zum Auftritt von Seventh Wonder im Club halbiert hatte. Es blieben etwa 120 Anhänger – und zwar sehr überzeugte Anhänger, die bereits im Intro überraschten, weil sie die Texte auswendig konnten. Ebenso wirkte das Publikum, das sich für dieses Konzert aus Triest selbst aus weiter entfernten Ecken Norditaliens – etwa aus Padua – eingefunden hatte, während des Konzerts ekstatisch und lautstark mitgehend. Die Basis der überzeugten Fans ist offensichtlich klein, aber die Wenigen, die da sind, stehen voll auf Seventh Wonder. Im Laufe des Konzerts bauten diese 100 Menschen mit der Band eine ungemein intensive und authentische chemische Verbindung auf, was unterm Strich im Etnoblog einen wunderschönen Konzerteindruck hinterließ.

Exzellentes Zusammenspiel und brillante Ausführung – das ist ein anderer Name für Seventh Wonder. Hier gibt es kein Stolpern. Man spürt, dass die Jungs eine ganze Menge Konzerte hinter sich haben, dass sie so leicht nichts aus der Bahn wirft und dass sie jeder Situation auf der Bühne und während des Konzerts mit großer Selbstsicherheit trotzen. Nach einer Stunde und zehn Minuten war zum großen Erstaunen der Anwesenden der reguläre Teil schon vorbei. Bei einer jüngeren und hungerigen Band würde man mindestens anderthalb Stunden regulären Teil erwarten. Nun – die Band kommt zurück für die obligatorische Zugabe, die sie mit einem Cover des Queen-Klassikers I Want It All eröffnet. Die Band bestätigte ihr verinnerlichtes Gespür für die volle Ausschöpfung einer starken Melodielinie mit einer gelungenen Harmonisierung des einleitenden Refrains dieses anspruchsvollen Queen-Klassikers. Mit den »Mercy Falls«-Stücken – dem balladesken The Last Goodbye und dem phänomenalen Prog-Metal-Brocken The Black Parade – beendeten Seventh Wonder nach anderthalb Stunden einen intensiven Auftritt in Triest.

Der Besuch der Band in Triest war der erste von insgesamt fünf Auftritten auf einer kleinen Italientournee, die nach Triest noch Städte wie Turin, Parma, Mailand und Rovigo umfasste. Interessant dabei: Kein einziger slowenischer Prog-Metal-Fan hatte sich nach Triest verirrt, obwohl sie immer Prog-Metal im Mund führen. Wer Dream Theater und (ganz besonders) Symphony X hört, kommt am Werk von Seventh Wonder schlicht nicht vorbei – einer Band, die in Triest mühelos bewiesen hat, dass sie mit ihrem Auftreten und ihrer Stimme mehr als nur die Aufmerksamkeit echter Liebhaber dieser Musik verdient.

Setliste

SINHERESEY:
1. Intro
2. The Spiders And The Butterfly
3. Merciless Game
4. Lying Dreams
5. 7 Days To The Wolves
6. Forever Us
7. Come In The Shadow
8. Temptation Flame
9. Center Of The Universe
10. When Darkness Falls

SEVENTH WONDER:
1. Wiseman
2. Hide And Seek
3. Welcome to the Mercy Falls
4. Tears For A Father
5. A Day Away
6. Taint the Sky
7. Alley Cat
8. Unbreakable
9. King Of Whitewater
—Zugabe—
10. I Want It All (Queen cover)
11. One Last Goodbye
12. Black Parade

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