Metal God Essentials Vol. 1
Künstler: Halford
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2007
Der Auftakt zum umfassenden Retrospektiven-Sammelwerk des legendären „Metal God“-Kreischers ist ziemlich überraschend, wenn man bedenkt, dass Halford außerhalb von Judas Priest kein sonderlich erwähnenswertes Œuvre hingelegt hat. Die Solo-Studioalben schwankten untereinander spürbar in der Qualität, vor allem weil man allzu oft mehr als offensichtlich mit Trends geflirtet hat, was Rob Halfords Ausdruck alles andere als gutgetan hat. Das wahre Juwel in der Solo-Sammlung, von vorn bis hinten durchgehend stark, ist natürlich Robs erstes Halford-Album „Resurrection“ (2000), das ich selbst gern „Painkiller 2000“ nenne – also das Album, das Judas Priest nach „Painkiller“ hätten veröffentlichen müssen, und das beim Thema „Painkiller-Feeling“ alles, was Judas Priest nach dem Album „Painkiller“ (1990) rausgebracht haben, weit hinter sich lässt. Zu „Resurrection“ gesellt sich auf dieser Compilation auch Material vom deviant angehauchten Nachfolger „Crucible“ (2002). Von „Crucible“ gibt es zwei klassisch krachende, „hellere“ Momente (Golgotha, Sun) und zwei Stücke, Crystal und Trial of Tears, die „Crucible“ als dunkleren, subtileren, persönlich-bekenntnishaften Nachfolger des stählern oldschool-rumpelnden „Resurrection“ zeigen. Rob Halford hat zu beiden Halford-Platten auf dieser Compilation auch die besten Momente von Fight gepackt, natürlich vom Album „War Of Words“ (1992). So bekommen wir eine Auswahl aus drei Alben, die für ein hohes Maß an Kompatibilität der Songs untereinander sorgt. Zum Glück hat sich der Mann clever entschieden, das Projekt Two zu ignorieren – bzw. den Moment, in dem ihm Trent Reznor den Metal-Skalp samt „Nine Inch Nails“-Nagel abgezogen hat –, und dankenswerterweise hat der legendäre Sänger auch den restlichen Fight-Kram abgelehnt.
Besonders reizvoll an dieser Compilation sind zwei brandneue Songs (die ersten nach vier Jahren Solo-Winterschlaf), nämlich Forgotten Generation und Drop Out, die ausgesprochen vielversprechend klingen und den Schluss nahelegen, dass wir vom Metal God nach „Crucible“ wieder glühend heißen, urwüchsigen Heavy-Metal-Stoff erwarten dürfen. Alle Fans des Sängers wird dabei vor allem die Version von Silent Screams umhauen, die als Demoaufnahme aus dem Jahr 1999 draufgepackt wurde. Halford singt in tieferer Lage als in der Originalversion auf dem Album „Resurrection“. Diese beeindruckende, bisher unveröffentlichte Version von Silent Screams hat wirklich etwas Dumpfes, Düsteres an sich, bei dem sich nicht nur die Haut aufstellt, sondern dir ein echter Schauer über den Rücken jagt.
Die Compilation ist raffiniert zusammengestellt, denn Halford hat damit zwar keinen neuen Planeten in unserem Sonnensystem entdeckt, macht aber trotzdem erfolgreich Appetit bei Metal-Feinschmeckern und allen, die auf die klassische Heavy-Metal-Tradition schwören. Wer weiß, was elementarer Heavy-Metal-Gesang bedeutet – besser gesagt melodisches „Kreischen“ aus voller Kehle im Heavy Metal in seiner ursprünglichsten Urform –, wird nicht lange zögern, seine Sammlung um diese Halford-Compilation zu erweitern. Das ist die Compilation des Begründers des Metal-Kreischens. Einen guten Teil dazu tragen schon die zwei brandneuen Songs bei, die erstaunlich viel näher am ursprünglichen „Eighties“-Sound von Judas Priest liegen als an dem, was Judas Priest heute aufnehmen. Vor allem aber wird es keine Zweifel mehr geben unter all den heißgelaufenen Neugierigen, sobald sie auch die Bonus-DVD in den Player schieben, die spannende Einblicke hinter die Kulissen der Aufnahmestudios vereint und gefährlich Metal-Arsen verstreut und Feuer speit (Live-Mitschnitte von Silent Screams und Never Satisfied). Never Satisfied ist auf der DVD zweifellos der interessanteste musikalische Moment, denn er greift direkt in den Judas-Priest-Fundus (das Judas-Priest-Debüt „Rocka Rolla“ – 1974). Es ist eine verlängerte Version des Originals. Natürlich eine ultra-wiederauferstandene Metal-Variante mit Roy Z. (Gitarre, Bruce Dickinson, Tribe Of Gypsies) in der Besetzung, an einer der beiden Gitarren auf der Bühne – überraschenderweise bringt Roy Z. dabei kein sonderlich einfallsreiches Solo im mittleren Zwischenspiel zustande. Auf der DVD findet sich außerdem das neue Video zum Song Forgotten Generation, dazu gesellen sich das rasende Betrayal, der rollende Metal-Angriff Made In Hell und das einschläfernde Akustik-Liedchen In The Morning.
Offenbar steckt hinter dem Vertrieb von Halfords Material ein Geschäftspakt zwischen Halfords eigenem Label Metal God Entertainment und Frontiers Records, wovon euch die Beschriftung des Materials auf der DVD überzeugen dürfte. Eigentlich nicht mal erwähnenswert. Hauptsache, der Mann schmiedet offenbar neues Material, das hoffentlich als neues Studioalbum unter dem Namen Halford erscheint. Judas Priest stehen zwar kurz davor, ein Album rauszubringen, aber da machen Downing und Tipton 90 % von allem, sodass sich Rob in aller Ruhe auf seine neue Solo-Heavy-Metal-Auferstehung konzentrieren kann. Hauptsache, das ansonsten liebliche und unschuldige Kitzeln der Fans (und Zeit-Schinden) mit mehrteiligen Compilations wie „Metal God Essencials Vol. 1“ zieht sich nicht zu lange hin.
Besetzung
HALFORD
Rob Halford – Gesang
Metal Mike Chlasciak – Gitarre
Pat Lachman – Gitarre
Roy Z. – Gitarre
Ray Riendeau – Bass
Mike Davis – Bass (Songs 11 & 12)
Bobby Jarzombek – Schlagzeug
FIGHT
Rob Halford – Gesang
Russ Parrish – Gitarre
Brian Tilse – Gitarre
Jay Jay – Bass
Scott Travis – Schlagzeug
Produktion
Roy Z.
Tracklist
1. Resurrection
2. Made In Hell
3. Screaming In the Dark
4. Golgotha
5. Silent Screams – 1999 Demo
6. Crystal
7. Into the Pit
8. Nailed To the Gun
9. Slow Down
10. Locked and Loaded
11. Forgotten Generation
12. Drop Out
13. War of Words
14. Sun
15. Trail Of Tears
16. Redemption European Mix
Spielzeit: 72.56
BONUS DVD:
1. Resurrection
2. Live Insurrection
3. Made In Hell
4. Betrayal
5. In The Morning
6. Silent Screams
7. Never Satisfied
8. Forgotten Generation