Metal Camp 2012 – dritter Tag!

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Ort: Tolmin / Sotočje / Slowenien
Datum: 08.08.2012


Der dritte Tag des Metal Camp bot ohne Zweifel die stilistisch bunteste und vielfältigste Palette an auftretenden Bands. Mit dem Auftritt des größten Acts der diesjährigen Festivalausgabe, den Amerikanern KoЯn, wurde sogar frech in Richtung alternative Metal-Sphären gestreift!

Unaufschiebbare Verpflichtungen im heimischen Ljubljana am Vormittag dieses Tages sorgten dafür, dass der Autor dieses Beitrags zu spät dran war und das slowenische Death-Metal-Quartett Doomed, angeführt von Sänger Mraz (ex-Mora), diesmal nicht mehr auf der Bühne erwischte. Die Sonne knallte ordentlich auf die Bühne, als dort die amerikanischen Thrash-Metal-Revivalisten standen, man kann sogar sagen Old-School-Revivalisten, mit Parallelen, die sogar im Erbe von Speed-Metal-Bands graben, Warbringer. Alte Bekannte aus Ljubljana also, auf der Strecke Orto Bar – Gala hala. Die Band, die unter Metallern in Slowenien längst bekannt und akzeptiert ist, schaffte es vor der Bühne nicht, die Reihen zu schließen, das Konzert verfolgten nicht mal 1000 Köpfe, aber die Truppe beeindruckte mit ihrer Explosivität! Das Quintett, bestehend aus den Brüdern John (Gitarre) und Andy Laux (Bass), den frisch gebackenen Neuzugängen Carlos Cruz (Drums) und Andrew Bennett sowie Sänger John Kevill, stellte auch bei diesem Auftritt das aktuelle Album »World Torn  Asunder« (2011) vor. Nach der Europatour im letzten Herbst, bei der sie auch wieder in Ljubljana spielten (insgesamt zum zweiten Mal), absolvierten die Jungs eine erfolgreiche Nordamerika-Tour als Co-Headliner mit Symphony X und Iced Earth, deshalb mangelt es der Band auf der Bühne definitiv nicht an Dynamit und riesigem Selbstbewusstsein. Das Old-School-Outfit aus Patronengurten mit Kugeln, Spandex, Jeans mit »hohen Pumas« und ein perfekter Kriegsmarsch samt Sturmangriff über entflammbare Riffs, durchtränkt von der Poesie der Kriegspredigt, die der Band in den neuen Songs Living Weapon, Shattered Like Glass, Wake Up… Destroy sowie in den Songs der ersten beiden Alben Severd Reality, Shoot To Kill, Total War, Living In A Whirlwind und Cobat Shock anhaftet, trieb die Körper ganz von selbst in einen wilden Moshpit! Echtes Thrash-Metal-Bombardement, das weder tiefes Einatmen noch Ausatmen zuließ! Schade nur, dass der Platz vor der Bühne nicht voller war.

Ein ganz anderes Bild vor der Bühne gab es bei The Black Dahlia Murder, der amerikanischen Metalcore-Truppe mit Death-Metal-Einflüssen, durchsetzt mit melodischen Passagen. Das wütend drauflosprügelnde Quintett, angeführt von dem abgebrühten Sänger Trevor Strnad (klingt der Name nicht verdächtig slowenisch?), hat sich nach Elisabeth Short benannt, die »liebevoll« Black Dahlia genannt wurde und 1947 unter ungeklärten Umständen ermordet wurde! Eine Masse von gut 3000 mosh-hungrigen Köpfen warf sich ins Delirium, die sich bei Warbringer unwissentlich ums Moshen gebracht hatte. Ein entschlossener Circle Pit bei Miasma sagte alles. Wieder ein Staubvorhang bis zum Himmel. Trevor, der seinen Bierbauch und die Gravur »Heartburn« zur Schau stellte, war in blendender Form und wechselte effektiv zwischen keifendem Core-Gesang und tieferen Vocals, die ihn näher ans Death-Metal-Growlen rücken! Die Band, gefangen in einer ultraschallartigen Skulptur aus rhythmischen Blasts, zerhackt von halsbrecherischen Groove-Breaks! Totale Brutalisierung! Das tolle Wohlbefinden der Band führte zu so manchem Lob und Dank des Sängers an das großartige Publikum, das mit seiner Reaktionsfreude das Spiel der Band auf der Bühne zusätzlich anheizte. Die Truppe stellte beim Metal Camp das aktuelle Album »Ritual« (2011) vor, neben dem erwähnten Miasma raketete die Band außerdem A Shrine Of Madness, Moonlight Equilibrium, What A Horrible Night To Have A Curse, Malenchantments of the Necrosphere, Necropolis, Everyhing Went Black, On Stirring Seas Of Salted Blood, I Will Return und Funeral Thirst in die Menge.

Der Auftritt, dem ich beim diesjährigen Metal Camp fieberhaft entgegengefiebert habe, war der der okkulten amerikanischen Death-Metaller Nile. Erstens, weil ich das Glück noch nie hatte, sie live auf der Bühne zu sehen, zweitens, weil es ein Konzert voller Erwartungen war, mit atmosphärischem Potenzial bei der Wiedererschaffung der Seth-Fantasmagorie! Willkommen also im Tal der Könige, im Reich Ägypten, in seinen dunklen Sphären des Okkulten und Mystischen! Wenn der gottlose Seth zuschlägt, aus seinem Grab den glühenden Horizont der Katastrophe zum Leben erweckt, durchzogen von Schwärmen von Ungeziefer und wimmelnden Skarabäen, neben sich auch all die anderen Mumien weckt, die zurück zu den Lebenden wollen, dann wird das Böse geboren! Nile sind fantastische Musiker, und das haben sie bei ihrem einstündigen Auftritt mitten im diesjährigen Metal Camp einmal mehr bestätigt. Das einzige Originalmitglied in der heutigen Besetzung, Bandleader und Mastermind Karl Sanders an der Gitarre, hatte von den vieren auf der Bühne in der Nachmittagshitze die meisten Probleme – Fast Food fordert bei einem Mann seiner stattlichen Statur eben seinen Tribut –, im Zusammenspiel mit dem hochgewachsenen, kahlrasierten und »Seth-haften« Dallas Toler  Wade, beide mit »angespitzten« Dean-Gitarren, dazu der ganz neue Verstärkung am Bass, Todd Ellis, und dem einzigartigen Drummer George Kollias – der wahren Verkörperung des perfekten metallischen Drum-»Robocops« –, haben sie also diese Gefühle in voller Pracht erzeugt, das Gefühl, mitten in den Stürmen des totalen Kriegsepos des alten Ägypten zu stecken. Militärische Rhythmen, Atmosphäre durch orientalische Intro-Motive, die dualen Gesichter extremer Herangehensweisen beim Growlen von Dallas und Sanders, die sich geradezu einen Wettstreit im Verspritzen von Bösem liefern, die außerordentliche Aufeinander-Eingespieltheit der beiden Gitarristen bei den harmonisierten Gitarrenlinien, die Perfektion der technischen Umsetzung des Repertoires, die Unterstützung der Vocals von Karl und Dallas durch spezielle Echo-Effekte vom Mischpult und das effektive Anheizen des Publikums durch Dallas, oft im Stil von »You are amazing MetalCamp!«  Damit alles seine volle Wirkung entfaltet, hätte man die Abendstunden wählen müssen, wenn sich die Nacht auf die Erde senkt, und Nile sollten auch über spezielle Bühnenkulissen nachdenken, um die Bühne in das Ambiente von Seths Pyramide zu verwandeln, wenn nicht gleich die Bühnenkostüme zu überarbeiten. Dallas wäre mit seiner Erscheinung nämlich eine ausgezeichnete Verkörperung von Seth. Das gottlose und verderbliche Mahlwerk von Nile  brachte folgende Songs aufs Metal Camp: Kafir, Sacrifice Unto Sebek, Definig The Gates Of Ishtar, Ithyphallic, Supreme Humanism of Megalomania, Permitting the Noble Dead to Descend to the Underworld, Sarcophagus und zum Schluss Black Seeds Of Vengenace! Außergewöhnlich viele Leute und außergewöhnliche Mitmach-Laune im Publikum! Damit die Sache aber richtig wirkt, sollte man unbedingt eine eigene Show der Band in einem geschlossenen Konzertsaal besuchen. Nile bleiben eine Band, die mit ihrem experimentellen Herausfordern auch heute noch die Entwicklungsgrenzen des Death-Metal-Genres verschiebt.

Für alle, die ihre Augen mal an etwas Schönem und Verlockendem ausruhen wollten, war der Auftritt von Epica mehr als willkommen. Der dritte Tag voller wutentbrannter Schwitzmeister der metallischen Musikkunst, die sich auf der Bühne die Klinke in die Hand gaben, schrie buchstäblich nach so etwas. Solche milden Aussichten, verdoppelt durch einen wohlklingenden Verlauf der Ereignisse, zauberte also Epica herbei, eine Band, die den weniger überzeugenden Fortgang der Karriere von Nightwish, nachdem diese Tarja rausgeworfen hatten, bestens für sich nutzte, auch wenn Nightwish trotzdem die größte symphonische Power-Metal-Band mit weiblichem Gesang bleiben.  Epica mit der hübschen  Mezzosopranistin Simone Simons ist eine Band,  die den verfügbaren Platz auf der Bühne ganz schön raffiniert zu nutzen weiß!  Ob groß oder klein. Das Sextett ist verdammt gut. Der dynamische Positionswechsel auf der Bühne, die Aufstellung der Musiker, der feste Blickkontakt mit dem Publikum, vor allem aber die Figur der Sängerin Simone im ständigen Mittelpunkt überzeugt im Nu und entführt den Konsumenten durch die Schaffung einer eigenen Atmosphäre in ihre musikalische Welt voller Märchen und Sagen. Epica brachte wieder ein etwas anderes Publikumsprofil vor die Bühne und sorgte zugleich für richtig fanatische Reaktionen, besonders in den ersten paar Reihen des Festivals, wo in den vordersten Reihen kaum noch ein freier Quadratzentimeter Luft zu finden war.  Die Band, mit dem frisch erschienenen Album »Requiem for the Indifferent« in der Tasche, eröffnete ihr Konzert stilecht mit dem Intro Karma vom Band, auf das der erwartete Übergang in den neuen Song Monopoly On Truth folgte, der die Band auch körperlich auf die Bühne brachte. Und mit ihr auch das ganz neue Mitglied, Bassist Rob van der Loo, der in diesem Jahr den Originalbassisten der Band, Yves Huts, ersetzt hat. Der Operetten-Gradient stieg von Minute zu Minute, gekreuzt mit einer tollen Bühnendynamik, metallischer Schlagkraft, der Einbindung neoklassizistischer Soli von Keyboards und vor allem Gitarren, und wie schon erwähnt, war der Großteil der Blicke während des Auftritts ununterbrochen auf Simone Simons gerichtet, die immer und immer wieder mit ihrem anmaßend-engelhaften Mezzosopran süß streichelte. Die Band war sich der Konkurrenz bewusst und bot auch eine hervorragende Setlist, zusammengehalten von einem Epos vom zweiten Studioalbum gleichen Namens, »Consign To Oblivion«. Epica spielten im Repertoire außerdem die Songs  Storm the Sorrow, Unleashed, Cry for the Moon, Martyr of the Free World, Sancta Terra und Serenade of the Self-Destruction.

Eluveitie, die härtesten Verfechter des „Flötentrötens“ im Metal, haben mit ihrem Auftritt bewiesen, dass sie auch zu den beliebtesten und populärsten Bands des Folk-Metal-Genres gehören. Was für eine Euphorie vor der Bühne, der Wahnsinn! Eigentlich war auf dem Platz vor der Bühne gleich das ganze Metal Camp Festival versammelt. Ich erinnere mich an den Auftritt der Band im Februar 2009 im kroatischen Zagreb vor den Hauptacts des Konzertabends, Kreator. Damals schenkte dem Auftritt von Eluveitie kaum jemand Beachtung. Die Band ist also in den letzten drei Jahren wirklich zu einem bekannten und führenden Namen in ihrem Genre herangewachsen. Das fünfte Studioalbum, das wieder bei Nuclear Blast Records erschienen ist und »Helvetios« heißt, konzeptuell angelegt, mit der Thematik der gallischen Kriege, gilt als eines der härtesten Alben der Band in ihrem bis heute veröffentlichten Werk. Daher auch das Gefühl, dass Eluveitie von allen Folk-Bands die meisten verzerrt-versierten und -gestützten Dezibel auf dem Metal Camp in die Gegend feuerten und deshalb am lautesten von allen rüberkamen, denn das Repertoire bestand zu fast 70% nur aus Songs des neuen Albums! Das Oktett ist ein echtes Fest für die Augen. Neben einer Plejade verschiedenster traditioneller, authentisch und  handgefertigter Instrumente wie Dudelsack, Hurdy Gurdy, Gaita, Bodhran, Mandola und verschiedenen Arten von Flöten feilten Eluveitie auch an einer abwechslungsreichen Integration von Gesangsstilen. Da ist Glanzmanns brutales Kreischen, kombiniert mit seinen klaren Gesangslinien, in die sich die weiblichen Vocal-Linien der Violinistin Meri mischen. Ansteckende Refrain-Melodien, im Einklang mit traditionellen Weisen keltischer Hirtenidylle verbogen, heizten das durchgedrehte Publikum natürlich einen Song nach dem anderen an, und es zeigte sofort, dass das neue Album beim Publikum bereits bestens angekommen ist. Immer wieder packten sich die Leute im Publikum an den Schultern und sprangen im Gleichschritt, während die Band das zügellose Konzerttempo vorgab. Während des Konzerts suchten einige Leute ärztliche Hilfe auf, am Eingang zum Backstage, wo ein Sanitätswagen mit handlichem Personal stand, das Nasen und andere beschädigte Teile zerbrechlicher und zarter Menschenkörperchen richtete und flickte. Vom ersten bis zum letzten Takt. In einer Stunde und fünfzehn Minuten! Ein Konzert, geladen mit extremer Intensität und voll höllischer Interaktion zwischen Band und Publikum, zauberte an diesem Tag, wie auch in der Gesamtsumme des ganzen Festivals, eines der heißesten Konzerterlebnisse herbei! Nach Besucherzahl und der Intensität der Publikumsreaktionen übertraf es sogar den Auftritt des Hauptacts vom Mittwoch, der alternativen amerikanischen Metaller KoЯn. Eluveitie, ein auf der Bühne perfekt eingespieltes Team, hatte folgende Songs im Repertoire: Helvetios, Luxtos, Neverland, Bloodstained Gang, Meet The Enemy, A Rose Of Epona, Inis Mona, Alesia, The Uprising, Kingdom Come Undone, Havoc. Das Konzert eröffnete die Band mit dem Einleitungsteil des neuen Albums im Song Helvetios (Prologue), nach dem Song Havoc lief dann der Ausgang (Epilogue) vom Band.

KoЯn, der größte Act des diesjährigen Metal Camp und die Band, die einiges zum guten Ticketverkauf des Festivals beigetragen hat! Die allseits beliebten »amerikanisch-neowave-artigen Metaller«, die mit ihrem Auftreten Staub aufgewirbelt und vor allem um die Jahrtausendwende und zu Beginn des neuen Jahrtausends mit den Alben »Follow The Leader«, »Issues« und »Untouchables« die Spitzen der Musikcharts durcheinandergebracht haben. KoЯn bleiben auch heute eine Band, die sich nicht viele Genregrenzen setzt und auf ihre ganz eigene Art scheinbar unüberwindbare Hürden zwischen den Genres Metal, Hip-Hop, Industrial, Grunge zusammenführt, kurz: eine Band, die sich in keine Schublade stecken lässt, eine Band mit klar hervorgehobenem Attribut einer eigenwüchsigen Art-Karisma. Reginald »Fieldy« Arvizu blieb zu Hause, weil er mit seiner Frau ein Kind erwartet, und die ganze Sache lief zur Zeit des Auftritts der Band in Tolmin auch noch schneller an als geplant, also blieb Fieldy bei seiner Lebensgefährtin daheim. Für die sommerlichen Festivalauftritte durch Osteuropa sprang deshalb Ryan Martinie in seine Stiefel, sonst Bassist der Band Mudvayne. Das hinterließ den Eindruck, dass dieser typisch zerrend-rasselnde Sound von Fieldys Bassgitarre unmöglich zu restaurieren war, zugleich zeigte Martinie, dass er ein Stückchen ausgefeilterer Bassist ist, vielleicht stellenweise, wenn nicht gleichwertig, sogar einfallsreicher, wenn es darum geht, den Raum für mehr melodische Beweglichkeit der Linien selbst zu nutzen. Martinie erinnerte auf der Bühne an einen bösen Dämon. Vor allem in den Momenten, als ihn Stroboskopbündel von unten nach oben anleuchteten und er seine intensiv geschminkten Augen kräftig hervorquellen ließ, wenn er sich umsah. Natürlich mit stumpf-eisigem Blick und ohne Mimik. In der KoЯn-Truppe sind alle extravagante Musiker. Munky, mit einem Gesichtsornament in vertikaler Länge über die Gesichtsmitte, das an einen Reißverschluss erinnert, entwickelte eine richtige Klangkulisse seines experimentellen Gitarrenspiels, vor allem aber bestätigte der außergewöhnliche Drum-Feinschmecker Ray Luzier seine Meisterschaft, mit dessen Ankunft 2009 KoЯn vor allem ihre Groove-Attribute, die Rhythmus-Rhetorik selbst sowie die Lust am Herausfordern und Erforschen, die die Band immer angetrieben hat, noch einmal aufgewertet haben. Kein Wunder, denn Luzier hat in der Vergangenheit mit außerordentlichen Meistern ihres Fachs zusammengearbeitet, darunter Billy Sheehan, Jacke E. Lee, der Van-Halen-Mann David Lee Roth, Tracy G usw…

Die Band teilte ihren Auftritt in drei Grundteile, mit der Zugabe eigentlich in vier. Den ersten Teil begannen KoЯn mit Raritäten. Jonathan Davis zuckte in seiner typischen Art, als wäre er an 220 Volt angeschlossen, schnitt Grimassen, reckte die Mittelfinger hoch in die Luft und nahm auch beim Fluchen kein Blatt vor den Mund, als er die Strophen in den Songs Divine, Predictable, No Place To Hide und Good God vortrug, in den die Band auch eine verlängerte Jam-Variation des Songs Porno Creep aus dem Album »Life Is Peachy« (1996) einbaute. Hier machte der instrumentale Teil der KoЯn-Truppe zusätzlich auf seine großen musikalischen Fertigkeiten und Talente aufmerksam.

Es folgt der zentrale Teil des Konzerts, in dem die Band gründlich ihr frisches Studiowerk »The Path Of Totality« vorstellte, mit den Songs Narcissistic Cannibal, Kill Mercy Within, Chaos Lives In Everything, May Wall, Get Up! und Way To Far. Es ist mehr als offensichtlich, dass die Band mit dem neuen Werk zufrieden ist, deshalb widmete sie auch dem Material daraus reichlich Aufmerksamkeit. Trotzdem begann etwas zu stören, dass die Band aus ihrem Arsenal auch mal etwas Älteres hätte ziehen und ihren Fans damit ordentlich die Seele durchpusten können.

Der Sound war erstklassig. Keine Beanstandungen. Um die Fülle des Klangbilds und die klangliche Authentizität zu gewährleisten, stehen auf der Bühne zwei zusätzliche Musiker, nämlich ein Begleitgitarrist und ein weiterer Mann, der sich um Samples, Keyboards und Spezialeffekte kümmert. Davis war bestens gelaunt beim Blick auf den übervollen »Vorbühnenbereich«. Wie es sich gehört, steigerten KoЯn die Konzertstimmung von Minute zu Minute und stellten im dritten Teil – dem abschließenden also – ihre (erwarteten) Hits Here To Stay, Freak On A Leash, Falling Away From Me heraus, den regulären Teil des Konzertauftritts fasste dann die Coverversion von Pink Floyds Another Brick In The Wall zusammen, und zwar gleich alle drei Teile miteinander »verbunden«, natürlich auf KoЯn-Art. Neben der Intensität, die die Band mit ihrem Spiel entfaltete und deren Theatralik von einem wirklich hervorragenden Sound getragen wurde, untermauerte die Atmosphäre auch eine ausgiebige Bühnenvisualisierung mit Projektionen auf mehreren Monitoren und ein Spiel mit Scheinwerferlicht, von dem nur selten jemand unberührt blieb. Trotzdem ist das Niveau des Perfektionismus so hoch, dass der Eindruck von Hingabe und Abschalten verloren ging, und der wurde vom Gefühl der Routine überdeckt, auch wenn die Band dem großartigen Publikum einige Lobeshymnen aussprach und ein tolles Spiel ablieferte!

Die Zugabe eröffnete die Band mit dem Song Shoots And Ladders, dem sie im Ausklang die Leitmotive des Kultklassikers von Metallica namens One beimischte. Diesen Punkt löste Got The Life ab, und KoЯn schlossen nach anderthalb Stunden ihren hervorragenden Auftritt mit dem Song Blind ab. Alte Schule also! Eine Groove-Voltage zum Abschluss, für die sich im Eröffnungsriff und im Refrain nicht mal Rage Against The Machine schämen müssten, getränkt von der atmosphärischen Umarmung der »Soundscapes«, kurz: ein Song, der den idealen Abschluss von KoЯn-Konzerten darstellt, denn er weist noch einmal auf die Wurzeln der Band und die ständige Forscherader hin, die diese Band auch heute noch weiter vorantreibt. Davis hat mit seiner Stimme wahre Wunder vollbracht und bei der Bandbreite, die das KoЯn-Repertoire verlangt, hat er gesanglich keinen Augenblick geschwächt. Eine Bombe von Auftritt, die erwartungsgemäß die Konkurrenz weggefegt hat! Den dritten Festivaltag hat also der Konzerthöhepunkt abgeschlossen – das KoЯn-Spektakel!

Der Konzertpuls auf der Hauptbühne war diesmal allerdings verkürzt, denn einige Tage vor Festivalbeginn sagten die legendären Bay-Area-Thrasher Heathen ihre Teilnahme ab, die nach KoЯn mit ihrem halbstündigen Repertoire hätten auftreten sollen. Angeblich ging ihnen die ganze Sommer-Festivaltour durch Europa den Bach runter, als Grund gab die Band an, dass ihr das eigene finanzielle Defizit es unmöglich mache.

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik & Jerneja Jerak

KoЯn: 
Intro vom Band Serenity (JDevil)
—erster Teil („Old and Rarities“)—
1. Divine
2. Predictable
3. No Place to Hide
4. Good God (mit „Porno Creep“-Jam-Intro)
—zweiter Teil („New Album“)—
5. Narcissistic Cannibal
6. Kill Mercy Within
7. Chaos Lives in Everything
8. My Wall
9. Get Up!
10. Way Too Far
—dritter Teil („Greatest Hit’s“)—
11. Here to Stay
12. Freak on a Leash
13. Falling Away from Me
14. Another Brick in the Wall
—Zugabe—
15. Shoots and Ladders / One
16. Got the Life (mit Drum-Solo)
17. Blind



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