Metal Camp 2012 – fünfter Tag!
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik, Jerneja Jerak
Ort: Tolmin (Zusammenfluss von Tolminka und Soča) / Slowenien
Konzertdatum: 10.08.2012
Besucherzahl: 12.000
Kartenpreis: 107,00€ (Dreitageskarte) / 142,00€ (Sieben-Tages-Karte)
Der fünfte und letzte Tag des Metal Camp Festivals brachte als Abschlusstag eigentlich das am wenigsten interessante Lineup. Kannst du dir Sabaton als Headliner des fünften Metal Camp-Tages vorstellen, mit Sodom und Pain im Aufgebot? Schwer vorstellbar, oder? Jede der drei hätte die Headliner-Rolle übernehmen können, doch die Rolle fiel der derzeit populärsten der drei genannten zu.
Nach etwas wetterischer Launenhaftigkeit am Vortag hatte sich das Wetter, wenngleich von tief hängenden Wolken gedrückt, stabilisiert, und das Festivalambiente endete unter völlig trockenen Verhältnissen. Bis zum Auftritt von Sodom war eigentlich nichts Erschütterndes passiert, denn den Verlauf des Tages bestimmten Bands mit höchstens gut zehn Jahren Schaffenszeit bis hin zu wenigen Jahren – mit kaum einem Hauch künstlerischer Eigenständigkeit.
Dabei bot die Pre-Sodom-Ouvertüre andererseits eine schöne Auswahl an Genre-Vielfalt – der festivalsche »Friede« wurde um vier Uhr nachmittags vom Dröhnen der deutschen Thrash-Metal-Revivalisten Purify zerrissen, die nach mehrjähriger Pause wieder aktiv sind und dem Erbe der amerikanischen Bay Area-Bewegung frönen, angefangen bei der Old School von Exodus und/oder Forbidden; etwas dreckiges Rock-’n‘-Roll-Rollen haben Purify zudem von den New Yorker Overkill geerbt. Allerdings im deutschen Gewand. Also eine generische und wenig aufregende Eröffnung des letzten Tages. Hedienvolk, niederländische Folk-Metaller, lockten wieder eine beachtliche Zahl metal-begeisterter Ausgelassener vor die Bühne, was zum letzten Mal auf dem Festival die allgemeine Folk-Metal-Manie bestätigte, die derzeit die globale Metal-Szene beherrscht. Die Band, die sich auf der Szene mit dem dritten Album aus dem Jahr 2010 namens »Uit oude grond« (»From old soil«) endgültig etabliert hat, sorgt selbstverständlich für eine Balance zwischen klassischen Metal-Bausteinen und Folk-Instrumenten – etwa durch den Einsatz von Mandolinen- und Geigenarrangements. Neue Party, souveräner Auftritt – anders geht’s eben nicht. Die Band ist routiniert genug, sie trotzt der Szene schon eine ganze Dekade. Inzwischen hat sich jedoch das Bewusstsein breitgemacht, dass Folk-Metal-Bands künstlich gepusht werden, die aufgrund der Popularität des Genres automatisch Vorrang vor autorschaftlich viel reiferen Bands erhalten – die Türen öffnen sich ihnen mühelos sperrangelweit. Die Frage ist, wie viel Qualität und Authentizität solche Bands heute überhaupt noch bieten – sagen wir lieber: produzieren – können, da sie in ihrer allgemeinen Abundanz einander gleichen wie ein Ei dem anderen.
Steelwing, als dritte Band im Line-up, sind ebenfalls eine Gruppe, die auf der Hauptbühne von so ziemlich jeder Band der kleineren Nebenbühne des Festivals hätte ersetzt werden können. Steelwing sind Old-School-NWOBHM-Revivalisten. Die Schweden haben natürlich Vollgas gegeben. Das Spiel dynamisch, mitreißend, durchdrungen von einer Portion Bombast und gründlich eingeübtem Bühnenhandwerk, das zu einem großen Teil auch von Iron Maiden geerbt wurde – von denen Steelwing im Wesentlichen auch das Bühnenkostüm übernahmen (Spandex, und der linke Gitarrist Robby Rockbag mit Stirnband erinnerte trotz kräftigerer Statur unverschämt an die Bühnenhaltung von Adrian Smith aus den goldenen Achtzigern, teils schon allein wegen des Gibson Explorer-Gitarrenmodells). Das neue Album beim Label Noise Art Records, das in diesem Jahr erschienen ist – genauer gesagt das dritte namens »Zone Of Alienation« – beweist, dass Steeelwing angefangen haben, sich zu wiederholen. Die Band, die im Februar dieses Jahres im Rahmen einer eigenen Tournee auch im Ljubljaner Orto bar aufgetreten ist, hinterließ dennoch einen überzeugenden Eindruck und kontrastierte trotz ihrer Generik das Festivalambiente auf schöne Weise. Obwohl Sänger Riley Erickson überzeugend alle Lagen traf – auch die höchsten –, wirkte seine Stimme im Gesamtklangbild unglaublich dünn und piepsig, nennen wir es ruhig »unmännlich«. Die Ursachen sind in den Grundeinstellungen des Klangs, im Mix des Klangbilds des Steelwing-Auftritts zu suchen, denn Erickson erfüllte seine Rolle in jeder Hinsicht souverän. Die Setlist umfasste folgende Stücke aus dem Steelwing-Repertoire: Full Speed Ahead!, The Illusion, The Nightwatcher, Breathless, Zone Of Alienation, The Running Man, Tokkotai (Wind Of Fury), Roadkill (… Or Be Killed). Einen beeindruckenderen Eindruck, was ausdrucksstarke Authentizität betrifft, hinterließen nach Steelwing die finnischen Death/Doom-Metaller mit einem ordentlichen Schuss »Melodie«-Gehalt Swallow The Sun. Auf der Bühne eine äußerst statische Band, die jedoch durch eine atemraubende Atmosphärik getragen wird, vollgepackt mit einem bitteren Gefühl der Traurigkeit. Die überzeugend kreierte Melancholie ergriff das Gelände mit stolzer Geste – sogar der Himmel wurde für kurze Zeit grau, als würde auch er trauern. Trotz seiner bewegungslosen Starre zog Sänger Mikko Kotamäki den Großteil der Aufmerksamkeit auf sich. Bei der Darbietung des Eröffnungsstücks Emerald Forest and the Black Bird (das ist auch der Titel des aktuellen Studioalbums der Band) fesselte er die Blicke mit einer brennenden Zigarette in der Hand, gelehnt gegen die Spitze des Mikrofonstativs, in das der Sänger ansonsten versenkt war – ebenso durch ein beeindruckendes rotes T-Shirt der Band Type O Negative mit dem Albumcover von »Dead Again« (2007). Natürlich wäre all das ohne eine überzeugende Gesangsdarbietung nichts! Die Band bahnte sich ihren Weg durch die Stücke This Cut is the Deepest und dann Hate, Lead the Way!, Psychopath’s Lair, Cathedrall Walls, New Moon und Swallow (Horror pt. I). Das Sextett, das seit 2001 in unveränderter Besetzung agiert – Ausnahme ist Neuzugang Kai Hahto, ansonsten Wintersun-Schlagzeuger –, bot dabei auch eine reichliche Dosis psychedelisch-esoterischen Atmosphären-Ambientes, das vor allem durch akustische Passagen mit Klavierunterstützung unterstrichen wurde (z. B. die Einleitung des Stücks This Cut is the Deepest).
Mit dem Auftritt der deutschen Veteranen des teutonischen Thrash Metals Sodom erwachte der fünfte Festivaltag erst wirklich zum Leben und entfaltete sich voll! Der Platz vor der Bühne verdichtete sich endlich zu einer vielköpfigen Menge, die gekommen war, um die legendären Größen zu begrüßen! Das kompromisslose Trio Tom Angelripper (Gesang, Bass), Bernd „Bernemann“ Kost (Gitarre) und Neuzugang am Schlagzeug Markus Freiwald, der Ende 2010 Bobby Schottkowski ersetzte, eröffnete das Konzert mit dem Titelstück des aktuellen Albums »In War And Pieces«. Obwohl ein vorhersehbarer Auftritt – ganz im Einklang mit den Erwartungen – ist ein Sodom-Konzert stets ein ganz besonderer Genuss. Das ist eine Band mit einer stark ausgeprägten Charisma, die auf der Bühne stets in vollem Umfang auflebt. Die Unnachgiebigkeit durch die Jahre – und vor allem die enorme Bühnenerfahrung – sprechen für sich. Sodom kennen keine Versteckspiele. Eine standfeste, unnachgiebige und äußerst höhnische, urwüchsige Kanonade des blitzschnell rollenden Thrash Metals, wie ihn nur die Deutschen zu brauen wissen, sog das Gelände in die Feuerzungen des Zorns eines brutalen Klangterrors, der sich von der Bühne entlud! Es folgten Sodomy And Lust, M-16, das unvermeidliche Agent Orange sowie Bombenhagel, weiter Remember The Fallen, City Of God, Outbreak Of Evil, Blasphemer – das Gelände badet im ausgepressten Schweiß sowie der Geißelung von Sodomie, Sadismus und Masochismus – für jeden etwas. Kurz gesagt: Der Sodom-Auftritt war ohne Zweifel der Höhepunkt des letzten Tages, und die Jungs haben generell den Eindruck, den ihr vorheriger Metal Camp-Besuch 2009 hinterlassen hatte, voll korrigiert – damals kämpften sie mit einer Flut von Klangpannen während des Konzerts. Sodom »töten« also immer noch voll! Die Band befindet sich derzeit in der Aufnahmephase eines neuen Albums, das voraussichtlich noch in diesem Jahr erscheinen soll, sodass wir bald eine offizielle Ankündigung einer neuen Headliner-Tournee erwarten dürfen.
Die einzige Industrial-Band auf der Hauptbühne des diesjährigen Metal Camp Festivals, Pain, angeführt vom renommierten Musiker und Mitschöpfer der skandinavischen Extreme-Metal-Szene Peter Tägtgren, gekleidet in zerfetzte weiße Kleidung – eine Kombination aus Zwangsjacke und Mumifizierungsbinden –, stürmte mit seiner Pain-Crew die Bühne nach dem stimmungsvollen Intro Lux Aetema (von Clint Mansell), das sich in das ultraschnelle Pain-Stück Crashed verwandelte. Das gab sofort die Antwort, dass Pain das gesamte Konzert mit Backing Tracks spielen würden – was für die Band eben programmierte Sound-Loops, zusätzliche Rhythmusunterschichten und einen Vorhang aus Keyboards umfasst. Die Band, der an diesem Abend besonders die Hypocrisy-Fans den Rücken kehrten, wurde vor allem von einem Zustrom weiblicher Fans hochgehalten, die im vollen Ausraster tobten – zu den gelegentlich eingängigen, koketterischen rhythmischen Schleifen, wie sie Pain in ihre musikalische Gravur einbetten. Tägtgren bot eine äußerst überzeugende Interpretation des anspruchsvollen Kombinierens vieler Gesangsansätze – von sauberem melodischem Gesang über kreischendes Core-Schreien bis hin zu death-metalischem Grollen. Pain sind freilich gewieft genug, um auch spezielle Effekte einzusetzen, durch die sie den Leadgesang führen (Shut Your Mouth) – ein gängiger Ambient-Trick des Industrial Metals. Den Auftritt schlossen Pain erwartungsgemäß mit dem ultramelodischen Hit Shut Your Mouth aus dem Album »Nothing Remains the Same« (2002). Die Band spielte außerdem I’m Going In, Walking On Glass, den beschleunigten Marsch On And On, der das gesamte Metal Camp auf die Beine riss, Dirty Woman, Dark Fields Of Pain, Monkey Business, sogar ein The Beatles-Cover von Eleanor Rigby, den Hit Same Old Song, einen wahnsinnigen Massaker mit dem Stück Bitch sowie Stay Away, Fear Of Demons und The Great Pretender. Ein ausgezeichnetes Konzert, hervorragende Zusammenarbeit. Fehlerlos. Klang brilliant. Die Statik Tágtgrens am Mikrofon nimmt der Band zwar etwas Dynamik und Bühnendrive, doch der Sinn für die Implantation düsterer gotischer, aber ultramelodischer Raubgier, die sich über aufgeladenen Industrial-Rhythmen spannt, erzeugt Gefühle der Hypnose – und darin sind Pain äußerst wirkungsvoll. Schade nur, dass sie auf Backing Tracks angewiesen sind. Erwähnenswert: Am fünften Festivaltag standen zwei Bands auf dem Programm, die sich auf eine gemeinsame Herbst-Europatournee begeben – nämlich Swallow The Sun und eben Pain (als Headliner). Als Hauptact der Tournee stoßen zu Pain die portugiesischen Düster-Größen Moonspell hinzu, das Aufgebot vervollständigen die Vorgruppen Scar of the Sun und Lake of Tears. Kurzum: Wir sehen uns im Herbst auf einem der Konzerte dieser Tournee! Pflicht!
Vor Sabaton, die als Headliner des fünften Festivaltages auserkoren worden waren, trat das Personal des Festival-Veranstalters auf die Bühne und warf die Neuigkeit von der Umbenennung des Festivals von Metal Camp zum künftigen MetalDays in den Raum – was eine Welle der Empörung im Publikum auslöste, das seine Missstimmung mit einem entschiedenen »Buuuuhhhhhh« kundtat! Es folgte ein herzliches Dankeschön und ein Gruß des Veranstalters, dem das aufgezeichnete Intro The Final Countdown folgte – der immergrüne Hit der schwedischen Europe –, während der brechend volle Platz vor der Bühne einmütig hüpft und mit dem Refrain zu einer Einheit verschmilzt. Der Energiefluss war in diesem Moment schlichtweg fantastisch.
Sabaton, die im Mai dieses Jahres das neue Album »Carolus Rex« veröffentlicht haben, haben eine gewaltige Veränderung hinter sich! Im Team wurden gleich drei Mitglieder ausgetauscht, und die Band wechselte vom Sextett zum Quintett. In dieser neuen Formation hatten sie bis zur Ankunft beim Metal Camp rund 50 Konzerte weltweit gespielt – und wie Sänger Joakim Broden in einer seiner Ansagen zusammenfasste: Nicht ein einziger Fan zeigte der Band bei irgendeinem der Auftritte in der erneuerten Besetzung den Mittelfinger. So sprach er dem Metal Camp einen besonderen Dank aus und würdigte die Unterstützung und Loyalität der treuen Fans. Die Headliner-Position bestätigte, dass Sabaton auch 2012 souverän zu den heißesten Metal-Bands zählen und auch nach dem Lineup-Umbau ihre Glaubwürdigkeit bewahren.
Nach dem Intro The March Of War explodierte die Band mit der eisernen »The Art Of War«-Hymne Ghost Division, gefolgt vom »Coat Of Arms«-Stück Uprising. Schon der Konzertbeginn bestätigte das Fieber des Freitagabends, das sich im Finale des fünften Festivaltages aufkochte – zunächst steckte ein riesiger Rettungsring im Bereich zwischen Bühne und dem Absperrgitter, das das Publikum von der Bühne trennte, und kurz darauf war ein ganzes Crowd Surfing per Gummiboot zu beobachten, das ebenfalls in dem zuvor beschriebenen Bereich vor der Bühne »gestrandet« war. In der Pause zwischen Uprising und dem neuen Gott Mit Uns sprach Broden erstmals das Publikum an. In einem Moment flog aus den vorderen Reihen ein in glänzendes Papier gehüllter Gegenstand auf den Sänger zu. Broden fing ihn reflexartig auf, und seine Reaktion lief ungefähr so ab: »What the…? Kinder Milch-Schokolade?!?« Die Reaktion entlockte dem Publikum Lachsalven… doch Broden meisterte es gekonnt so: »This is candy for a children! On a real metal concerts ladies are throwing their panties on stage, not candies!«
Das weitere Voranmarschieren von Sabaton in Richtung Krieg skizzierte sogar ein ganzes Zelt, das »crowd surfte« – die Band hielt die außergewöhnliche Atmosphäre auf Hochtouren, als sie Hit um Hit aufreihte, darunter Cliffs Of Gallipoli (jenes »unglückselige« Stück, das an Gutter Ballet der Svatage erinnert), das zugleich eines der beliebtesten Sabaton-Stücke bei den Fans ist. Dazu kamen das exzellente neue Carolus Rex irgendwo in der Konzertmitte, The Price Of A Mile, Midway, Into The Fire, The Lion From tHe North, White Death – und Sabaton steigerten den Auftritt zum abschließenden Crescendo durch die Stücke des eisernen Repertoires Attero Dominatus, The ArtOf War, 40:1, Primo Victoria sowie im Zugabenteil die erwartete Fete namens Metal Crue, gefolgt von einem weiteren gefragten Klassiker, Panzer Battalion.
Ungeachtet der Tatsache, dass es im Grunde egal gewesen wäre, wer von den letzten drei Acts Headliner des fünften Festivaltages gewesen wäre, bestätigten Sabaton die ausgezeichnete Arbeitschemie in neuem Gewand, nutzten die geräumige Bühne voll aus und servierten der aufgeheizten Menge vor der Bühne ein unvergessliches Erlebnis. Hätten sie anstelle des neuen Gott Mit Uns einen der stärksten neuen Märsche des Albums »Carolus Rex« namens Kiling Ground gespielt, wäre der Triumph vollständig gewesen – aber macht nichts. Sabaton reiten weiter. Woher der große Erfolg der Band in einer Zeit kommt, in der sich die Mehrheit von melodischen Formen des Power Metals abwendet, bleibt ein faszinierendes, in Mysterium gehülltes Rätsel – doch die Größe haben sich Sabaton mit ihrer bewiesenen Unnachgiebigkeit und ihrem Trotz zweifellos mehr als verdient!
Die zweite Bühne erlebte wieder einen vollständigen Triumph der slowenischen Acts, die der ausländischen Konkurrenz den Rang abliefen. Schon der Nachmittagsauftritt von Metalsteel zeigte, dass diese Band mühelos auf der Hauptbühne anstelle irgendeiner der ersten drei Acts des letzten Tages hätte stehen können – das gilt ebenso für den Abendauftritt von Negligence, und die Headliner der zweiten Bühne Noctiferia krönten die Überlegenheit der slowenischen Bands am fünften Tag in vollem Umfang.
So endete das letzte Metal Camp Festival. Künftig werden wir MetalDays bekommen. Im gleichen Umfang, was gleichwertig starke Bands im Lineup und den gleichen Zeitraum des Festivals bedeutet. Hoffen wir, dass die Location am Zusammenfluss von Tolminka und Soča bleibt – das bleibt das Festival-Paradies Europas, zu dem begeisterte Metal-Fans aus allen Ecken Europas strömen. Vor allem aber hoffen wir, dass der Veranstalter und die Einheimischen einen soliden Konsens finden, der auf dem langfristigen Fortbestehen dieses, oh so wichtigen Events beruht, das einen bedeutenden Beitrag zum kulturell-künstlerischen Puls der Republik Slowenien leistet, dem Land auch auf internationaler Ebene Ansehen und Bekanntheit verschafft, den Einwohnern der Gemeinde Tolmin Profit bringt – und mit etwas Einfallsreichtum noch mehr bringen kann – und keineswegs ein Fluch ist, vor dem man zufällig fliehen müsste.
Der Fortbestand des Festivals im Tolminer Gebiet, unter welchem Namen auch immer in Zukunft, ist ein Test, ob wir Slowenen in der Lage sind, die Wahrnehmung und die Haltung der westlichen Welt gegenüber der Metal-Kultur und der musikalischen Kreativität zu übernehmen – für die das eine völlig selbstverständliche Sache ist, wie das Atemholen. Die westliche Welt entwickelt zur Metal-Kultur und zur musikalischen Kreativität seit mehr als drei Dekaden ein Verhältnis der Koexistenz, von dem beide Seiten profitieren. Sind wir reif genug und im Kopf weit genug – als Gesellschaft? Oder bleibt für uns weiterhin das Wesen der Dinge der sonntägliche Messebesuch und/oder das (neuzeitlich aufgezwungene) Aufsuchen der Einkaufstempel?
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