Mecca III

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Mecca
Label: Melodic Rock Records
Veröffentlichung: 2016
Laufzeit: 33:52
Bewertung: 4/5

Joe Vana ist ein Name, den Fans des AOR- und Melodic-Rock-Genres bestens kennen. Er steckt nämlich hinter dem Projekt Mecca. Zwei Alben sind unter diesem Namen erschienen – 2002, 2011 und nach einer fünfjährigen Pause nun das dritte, eben das Album »Mecca III«. Da die ersten beiden Alben das Ergebnis purer Perfektion beim Feinschliff des Sounds und bei der Kompositionsarbeit sind – Werke, die durch ihre musikalische Optimierung schon beim ersten Hören sofort ins Ohr gehen –, waren die Erwartungen vor der Veröffentlichung dieses Albums natürlich enorm hoch.

Diesmal hat sich Joe Vana erneut an erstklassige Musiker gewandt. Während beim vorangegangenen Mecca-Album Tony Levin und Pat Mastelotto (beide King Crimson) die Rhythmussektion bildeten, hat sich Vana diesmal das Rhythmus-Duo aus Toto geholt. Den Bass übernimmt David Hungate, das Schlagzeug das neu hinzugestoßene Toto-Mitglied Shannon Forest (unter anderem auch Tim McGraw, Michael McDonald, Kenny Rogers, Don Henley), der das neue Mecca-Album auch vollständig produziert hat. Dazu kommen einige weitere Asse, die mit erstklassigem Gespür punkten können, wie es auch im Pop der Achtziger gefragt war: David Browning (Katy Perry, Amy Grant, Hollywood Heroes) spielte die Synthesizer, und Tim Akers (Rascal Flatts, Amy Grant, Kid Rock, Alabama) war für Hammond B3-Orgel und Klavier zuständig.

Auf »Mecca III« sind die Gitarren diesmal etwas zurückgenommen. Das Album vermittelt als Ganzes genau dieses Gefühl.  Die Songs erreichen in produktionstechnischer Hinsicht ein unglaubliches Gleichgewicht in der ausgewogenen Verteilung der Bausteine des Klangbildes. Das gilt für alle kleinen Details und Feinheiten, mit denen sich Vana bei der Entstehung des neuen Albums beschäftigt hat – vom brillanten Platzieren der Vokalharmonien innerhalb der Arrangements, die den neuen, sinnlichen  und imposanten Auftritt von Joe Vana am Mikrofon begleiten, über das stufenweise Aufbauen von Klangebenen bei der Entwicklung der einzelnen Kompositionen bis hin zur Integration zusätzlicher programmatischer Loops, die stellenweise die Atmosphäre dramatisieren und verdichten. Jeder einzelne Song könnte tatsächlich auch auf einem Toto-Album erscheinen.  Es ist ein hervorragendes Album von unglaublicher Balance, das unter einem Dach Elemente des Hard Rock und Pop vereint und mit Jazz sowie Blues flirtet. Verloren in Zeit und Raum. Es schießt dich geradewegs in die Achtziger, als AOR auf seinem Höhepunkt war. Im Vergleich zu »Mecca II«, also »Undeniable«, ist es diesmal wieder ein etwas weicheres Album, auf dem die Gitarren vollständig mit den anderen Elementen, vor allem den Keyboards, ausbalanciert sind – dadurch zeigt das Album etwas mehr Pop-Ästhetik und ein ausgeprägtes Flirten mit dem Jazz. Doch einige geschickt eingesetzte Modulationen in den Arrangements deuten darauf hin, dass hinter alldem wirklich erstklassige Meister ihres Fachs stecken. Genau diese bildhaft eingefädelten Modulationen, die die Melodie dorthin führen, wo du sie nicht erwartest – wie etwa im exzellenten Alone –, vermitteln das Gefühl künstlerischer Durchdachtheit und frischer Eigenständigkeit, auch wenn im AOR-Genre seit langem schon alles erfunden ist. Wir sprechen natürlich vom West-Coast-AOR-Prinzip, das Vana mit seiner erstklassigen Studio-Crew als Botschafter jener Generation, die AOR in den Achtzigern groß gemacht hat, selbstverständlich mit spielerischer Leichtigkeit beherrscht.

Echte Fans dieses Genres haben dieses Album schon längst in ihrer Sammlung. Es ist ausdrucksstark und enorm kraftvoll. Was man sich noch wünschen könnte, ist der eine oder andere Song in einem flotteren rhythmischen Tempo und mit etwas mehr Gitarrenschärfe – wie etwa im eröffnenden, ansonsten großartigen Take My Hand –, denn auf dem Album dominieren Songs, die auf das Aneinanderreihen weicher Klänge ausgerichtet sind, was gegen Ende des Albums die Waage tatsächlich zugunsten der Balladenhaftigkeit kippt. Dabei erreichen die Songs eine ausgeprägte Dualität: ruhige Strophe und Steigerung der Stimmung (Gradation) durch den Pre-Chorus hin zum eingängigen Refrain, der sofort unter die Haut geht. Das Album kommt auf keine 34 Minuten. Gerade mal acht Songs sind drauf. Aber es reicht. Vana lässt ideell und inspiriert keinen Millimeter nach.  Angesichts der mageren Ausbeute an neuen Studioalben im Bereich Melodic Rock und AOR in diesem Jahr ist das Album „Mecca III“ ein echter Balsam für alle Fans dieser beiden Genres – und wird sie enorm erfreuen und trösten.

Mecca – Take My Hand (offizieller Audiotrack):

 

Besetzung

Joe Vana – Gesang
Shannon Forrest – Schlagzeug, Perkussion
David Hungate – Bass
Tim Akers – Hammond B3-Orgel, Klavier, begleitendes Vokalduett auf dem Song „Believe“
David Browning – Synthesizer
Joey Vana – Gitarre
Mark Baldwin – Gitarre
 
GASTMUSIKER: 
Sol Philcox-Littlefield – zusätzliche Gitarren
Ethan Forrest – zusätzliche Gitarren
Rudy Chmelik – zusätzliche Perkussion auf dem Song „Believe“
Bill Syniar – Vibe

Produktion

Shannon Forest

Trackliste

1. Take My Hand
2. Unknown
3. Alone
4. Gone
5. Cry
6. A Kiss On the Wind
7. Let It Go
8. Believe

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