Mastery

0 7

Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Lancer
Label: Nuclear Blast
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 52:16
Wertung: 3/5

Noch eine Runde klischeehaften Powermetal aus Schweden. Die Band Lancer und ihr drittes Studioalbum »Mastery«.

Die Band wurde von niemand Geringerem als HammerFall selbst eingeladen und als Vorgruppe für ihre neue Tournee verpflichtet – also jene Truppe, die mit dem Power-Metal-Revivalismus in der zweiten Hälfte der Neunziger die Aufmerksamkeit der Metalfangemeinde neu ausgerichtet und die Begeisterung für das retro-klingende melodische Handwerk des Heavy Metal neu entfacht hat.

Lancer gelten allerdings nicht als Revivalisten, die ihre Inspiration aus dem Erbe der NWOBHM-Bands schöpfen – was bei neuen Bands durchaus häufig vorkommt, wenn sie als zentrale Figur einen Sänger mit melodischem und klarem Gesang wählen (Steelwing, Alpha Tiger, Enforcer, Stallion,…). Lancer sind eine bekannte und bewährte Geschichte und erinnern mit ihrem Ansatz am direktesten an ihre Landsleute HammerFall. Vor allem wegen des Leadgesangs, der Joacim Cans haargenau ähnelt (besonders in seinen besten Zeiten). Auf dem Debüt wartet Lancer mit einer Bombastik und musikalischen Eingängigkeit auf, die Fans von Bloodbound, Falconer und/oder Narnia sofort begeistern wird, während die Gestaltung der eingängigen Refrains auch von der Begeisterung für die »Kiske era« von Helloween inspiriert ist und folgerichtig auch an manche Songs von Unisonic erinnert, bei denen natürlich Michael Kiske singt.

Wäre nicht schon alles erfunden worden, wäre das Album „Mastery“ eine wahre kleine Meisterleistung. Es hat alles: Drama, Theater, Pomp, musikalische Eingängigkeit, schön eingebettete Middle-Eight-Parts mit Soli. Alle klassischen Markenzeichen, die hochwertigen Power Metal von Kopf bis Fuß auszeichnen. Da gibt es nichts auszusetzen. Nur die Tatsache, dass sie alte Suppe aufwärmen. Wie auch immer – wir Menschen haben ein Gedächtnis wie Goldfische, die Geschichte wird uns niemals etwas lehren, und so gilt auch in der Musik die goldene Regel: Sag niemals nie. Man weiß schließlich nie, wann ein Klischee wieder zündet. Wenn Lancer künftig noch etwas Schminke und Kitsch draufpacken und sich eine gute Bühnenszenographie und Kostümierung ausdenken, haben wir sofort eine neue kommerziell erfolgreiche Geschichte à la Powerwolf oder Sabaton, während Gloryhammer bereits auf gutem Weg dorthin ist.  

Also. Lancer verdienen Lob. Trotz des völligen Desinteresses neuer Generationen an der expressiven Reichweite des Power-Metal-Genres – was logisch ist, da die extremeren und technisch anspruchsvolleren Formen, die der Metal in den letzten Jahren in seinen Subgenres hervorgebracht hat, deutlich interessanter sind – haben Lancer den Mut aufgebracht und in den sauren Apfel gebissen. Die Klischees werden ihnen keinen Ruhm bringen,  es bleibt aber zumindest der Trost, dass das ideell ausgeraubte und verarmte Genre mit Lancer eine neue Band bekommt, die hungrig auf Beweise ist, voller engagiertem Songwriting und natürlich mit dem Hunger nach Auftritten. Lancer behalten und bestätigen diese Trotzigkeit auch auf ihrem dritten Studiowerk!

Und last but not least: Auf dem neuen Werk haben sie sich wenigstens die lächerlichen Cover der früheren Veröffentlichungen mit dem kybernetischen Huhn abgeschüttelt.

Lancer – Mastery (offizielles Video):

 

Besetzung

Isak Stenvall – Gesang
Per-Owe Solvelius – Gitarre
Fredrik Kelemen – Gitarre
Emil Öberg – Bass
Sebastian Pedernera – Schlagzeug

Produktion

Gustav Ydenius

Trackliste

1. Dead Raising Towers
2. Future Millennia
3. Mastery
4. Victims of the Nile
5. Iscariot
6. Follow Azrael
7. Freedom Eaters
8. World Unknown
9. Widowmaker
10. Envy of the Gods

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies