Magnum – gewitzte Erzähler der schönsten melodischen Rockgeschichten in München (2011)

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Location: München / Ampere / Deutschland
Datum: 15.03.2011


In der Luft lag schon ein Hauch von Frühling, als die Zeit für einen Konzertbesuch in München gekommen war, wo die legendären britischen melodischen Art-Rocker Magnum in der Halle Ampere zu Gast waren. Die Träger melodischer Rockverfeinerung, die auch nach mehr als drei Jahrzehnten eine einzigartige Konzertanziehung geblieben sind, präsentierten auf dieser Tournee ihr aktuelles Studioalbum „The Visitation“. Die Konzerthalle war trotz des am selben Abend stattfindenden wichtigen Fußballduells zwischen dem lokalen Klub und den italienischen Gästen mühelos gefüllt. In ihr herrschte bald, in guter Gesellschaft, eine angenehme, intime Atmosphäre, die einen unvergesslichen Abend mit Legenden versprach, die in den Achtzigern mit unvergesslichen Alben wie „On A Storyteller’s Night“, „Vigilante“ und „Wings Of Heaven“ berühmt wurden.

Die Rolle der Vorband übernahm der australische Blues-Rocker Gwyn Ashton, der die wenigen Anhänger in der Halle mit Garage-Blues-Rock begeisterte, der auch gesangliches Schnarren durch einen speziellen Effekt nicht ausschloss. Zweifelsohne keine besonders glückliche Wahl als Vorband, doch das australische Duo erfüllte seine Aufgabe, wenn nichts anderes, zumindest würdevoll, während der Bandchef bewies, dass ihm die Gitarre kein völlig fremdes Instrument ist. Der Hauptgrund, weshalb Magnum sie als Vorband wählten, ist die Beteiligung ihres Keyboarders Mark Stanway am neuen Album dieser notorischen Garage-Blues-Rocker, die nach dem Konzert mit Flyern auch schon beinahe lästig für ihre eigene Promotion sorgten.

Magnum brauchten im Gegensatz zu manchen Musikkollegen, die ganze Prozeduren benötigen, um vor dem Publikum zu erscheinen, nicht lange, um die Bühne zu betreten. Das Konzert eröffneten sie zur allgemeinen Überraschung derer, die einen Abend voller Klassiker und Hits erwartet hatten, mit dem beliebten, aber allgemein ziemlich obskuren „Back to Earth“, das ursprünglich nur auf der EP „Live in USA“ (1982) erschienen war und nun in der neuesten CD-Version des Albums „Chase the Dragon“ verfügbar ist.

Der legendäre Sänger Bob Catley, der nach wie vor in exzellenter Gesangsform ist und mit dem wir vor Beginn des Auftritts auch ein interessantes Interview hatten, bot mit seinem Auftreten eines alten indianischen Schamanen eifrig die Stirn dem Wind, der ihm durchs Haar blies, begleitet von energischem Gestikulieren, mit dem er das Publikum anspornte und die Botschaften der einzelnen Songs lebendig erzählte. Gesellschaft auf der Bühne machten ihm der stets ernste Gitarrist Tony Clarkin, neben Catley das einzige Originalmitglied der Band und zugleich Autor von Musik und Texten, der verspielte, aber gleichzeitig hervorragend eingespielte Keyboarder Mark Stanway sowie das Rhythmusgespann aus Bassist Al Barrow und Schlagzeuger Harry James, beide mindestens eine Generation jünger als ihre Kumpanen.

Die Auswahl der Darbietungen im ersten Teil des Konzerts war nicht ganz nach dem Geschmack derer von uns, die Magnum an diesem Abend zum ersten Mal sahen, da neuere Stücke dominierten, vor allem jene aus dem ansonsten exzellenten aktuellen Studiowerk „The Visitation“ – dennoch genossen wir durchgehend die erstklassige instrumentale Vorstellung der einzelnen Bandmitglieder, Bobs bravourösen Gesang und die außergewöhnliche Atmosphäre, die die alten Hasen noch immer mühelos herzuzaubern verstehen. Mit überzeugenden Darbietungen von Songs wie „When We Were Younger“, „Wild Angels“ und „Brand New Morning“ verbeugten sie sich vor einigen ihrer Errungenschaften nach dem Jahr 2000 und bewiesen zugleich, dass auch ihre neueren Schöpfungen keineswegs von schlechten Eltern sind.

Magnum sind visuell, um ehrlich zu sein, keine besonders aufwendige Band, doch das kompensieren sie mehr als gut durch ihre verblüffende Eingespieltheit und gegenseitige klangliche Chemie, was in Kombination unvergessliche Bühnemagie erzeugt. Clarkin lieferte mehrfach innovative Gitarrensoli, auch mitten in bestimmten Songs, wo sie sonst niemand erwartet hätte, und dehnte sie dadurch noch großzügiger aus. Neben dem fleißigen und überzeugenden Vortrag ausgewählter Werke aus „The Visitation“, mit denen sie darauf aufmerksam machten, dass die Mehrzahl davon in naher Zukunft zu Magnum-Klassikern zählen wird, schenkten sie auch dem Vorgängeralbum „Into the Valley of the Moonking“ (2009) besondere Aufmerksamkeit, von dem sie „The Moonking“ und „All My Bridges“ spielten.

Liebhaber der Magnum-Klassiker kamen dennoch auf ihre Kosten, als mit „How Far Jerusalem“ zum ersten Mal an diesem Abend die Magie des unvergesslichen Albums „On A Storyteller’s Night“ (1985) auflebte. Die Erinnerungen an ihre goldene Ära hielten sie mit „Les Morts Dansant“ wach, das den ersten epischen Höhepunkt des Abends darstellte. Nach dem harten, beinahe heavy-metallischen Katalysator „Black Skies“ begeisterten sie im letzten Teil des Konzerts mit einer Reihe von Klassikern alle langjährigen Fans, die bis dahin schon gehörig hungrig auf Magnum-Evergreens waren. Unter ihnen stellte eine besonders lebendige Darbietung von „All England’s Eyes“ eine kleine Überraschung dar, die normalerweise nicht zu den bekannteren Songs des „On A Storyteller’s Night“-Albums gehört.

Es wäre bis zu einem gewissen Grad verständlich, dass die Bandmitglieder es inzwischen gründlich satt haben, ständig Klassiker von ihren Studiohöhepunkten der Achtziger zu spielen – was bei Bands mit so langer Laufbahn gerne passiert – doch die Herren erweckten keineswegs diesen Eindruck, da sie in jede Darbietung eines Magnum-Evergreens ihr Maximum investierten. Mit der epischen Attraktion „Vigilante“ versetzten sie selbst die Zurückhaltendsten im Publikum in Delirium, was sie umgehend mit dem phänomenalen Abschluss des regulären Teils untermauerten, der von einer bombastischen Darbietung des unverzichtbaren Klassikers „Kingdom Of Madness“ verkörpert wurde.

Auf die Zugabe musste man nicht lange warten. Darin erbarmten sie sich schließlich aller jener, die auf das Album „Wings Of Heaven“ schwören, und spielten „Wild Swan“, eines der komplexeren Werke dieses Meisterstücks. Dann war es Zeit für den triumphalen Höhepunkt des Abends mit „On A Storyteller’s Night“, wo Geschichtenerzähler Catley und seine hoffnungsvolle Gefolgschaft die gesamte Halle ein letztes Mal in Verzückung versetzten, bevor sie sich unter tosendem Applaus verabschiedeten.

Magnum begeisterten bei exzellentem Klang durch den gesamten Auftritt auf allen Ebenen und veranstalteten ein erstklassiges Zusammentreffen mit einigen ihrer besten Werke aus allen Karrierephasen – mit Ausnahme der Neunziger, denen sie sich, höchstwahrscheinlich wegen schmerzlicher Erinnerungen an die Auflösung der Band in jener Zeit, diesmal lieber entzogen. Wir erlebten eine erstklassige Konzertvorstellung, wie sie nur abgebrühte Hasen hinkriegen, die ihr Herz noch immer vollständig in ihre Musik legen. Das Einzige, was einige von uns in diesem magischen Abend, als für kurze Zeit wieder Märchen und Legenden lebendig wurden, wirklich vermissten, war die fehlende Anzahl an Klassikern der Achtziger zugunsten neuerer Schöpfungen. Natürlich wäre die Situation völlig anders gewesen, wenn es sich nicht um die erste Konzertbegegnung mit den Birminghamer Legenden gehandelt hätte. Persönlich kann ich mir noch immer kaum ein „perfektes“ Magnum-Konzert ohne Darbietungen von Evergreens wie „Sacred Hour“, „The Spirit“, „Just Like An Arrow“ und „Days Of No Trust“ vorstellen, die uns an diesem Abend am meisten fehlten – aber da dies mit Sicherheit nicht unser letztes Treffen mit diesen melodischen Rock-Legenden war, die noch immer exzellente Studioalben veröffentlichen, sei ihnen das vollständig verziehen.

Autor: Peter Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Setlist:
1. Back to Earth
2. When We Were Younger 
3. Wild Angels 
4. Brand New Morning 
5. Mother Nature’s Final Dance 
6. How Far Jerusalem 
7. Spin Like a Wheel 
8. The Moonking 
9. Freedom Day 
10. Les Morts Dansant 
11. Black Skies 
12. All My Bridges 
13. All England’s Eyes 
14. Vigilante 
15. Kingdom Of Madness 
—Zugabe— 
16. Wild Swan 
17. On A Storyteller’s Night


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