Light of Dawn

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Unisonic
Label: Ear Music Records
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 54:43
Wertung: 4/5

Im Jahr 2009 beschlossen die Mitglieder des Projekts Place Vendome – namentlich der ehemalige Helloween-Sänger Michael Kiske, Pink Cream 69-Bassist Dennis Ward und Schlagzeuger Kosta Zafiriou, der damals noch für Pink Cream 69 trommelte – eine richtige Band zu gründen, die auch live aktiv sein sollte. Auf Vorschlag von Dennis Ward rekrutierten sie den erfahrenen Schweizer Musiker Mandy Meyer (Krokus, ex-Asia, ex-Gotthard) als Gitarristen. Gitarrist Kai Hansen stieß erst 2011 zur Band. Für einen Workaholic wie Kai Hansen ist es nicht ungewöhnlich, neben Gamma Ray gleichzeitig in anderen Musikprojekten oder Bands aktiv zu sein. Man erinnere sich nur an seinen Beitrag in den Anfangsjahren der Power-Metaller Iron Savior.

Das neue Album „Light Of Dawn“ ist gegenüber dem vielversprechenden und qualitativ hochwertigen gleichnamigen Debüt aus dem Jahr 2012 insofern weiterentwickelt, als es in der Produktion noch druckvoller klingt (noch lauter und wuchtiger) und die Songs gleichzeitig spürbar düsterer ausgerichtet sind. Obwohl manch einer den Einsatz von Helloween/Gamma Ray-Klischees erwartet hätte, stehen diese seltener, als man denken würde, im Vordergrund des Albums! Etwa im Refrain und der exzellenten „Mid-Eight“-Passage des Eröffnungsstücks Your Time Has Come sowie im Refrain der ersten Single For the Kingdom, die bereits vorab auf einer gleichnamigen EP erschienen war.

Die Ausdruckskraft des Albums konzentriert sich diesmal auf midtempo-Songs. Oft setzt dabei zunächst nur die Rhythmussektion ein, der sich Kiske anschließt – und der damit beweist, dass er als einer der markantesten Vokalstilete der europäischen Power-Metal-Ära auch im reiferen Alter ein fantastischer Sänger geblieben ist (Night of the Long Knives). Er hat nicht eine Spur seiner stimmlichen Kraft verloren, vom Gefühl ganz zu schweigen. Seine Klangfarbe ist einzigartig und strahlt auf diesem Album einmal mehr mit voller Stärke. Besonders seine Qualitäten zeigt der Sänger in jenen Songpassagen, die mehr Subtilität erfordern, wie etwa in der Strophe von When the Deed is Done oder Exceptional. Bei letzterem handelt es sich um den Song, der der Band auf dem neuen Album am besten gelungen ist – im Sinne von musikalischem Wert und melodischem Ertrag. Wie gemacht für eine Singleauskopplung. In den midtempo-Songs entfaltet sich auch die Tendenz der Band, aus den Grundideen die optimale Melodiosität herauszukitzeln, weitaus wirkungsvoller. Genau die vokale Reinheit und die große Kraft, die Kiskes charismatisches Gesingen durchgehend bewahrt, wenn er von mittleren in höhere und schließlich in die höchsten Lagen wechselt – so erleben die Refrains ihr bombastisches Optimum vor allem in midtempo-Songs wie dem bereits erwähnten When The Deed is Done und Exceptional, sowie Night of the Long Knives, der Strophe der veröffentlichten Single For the Kingdom, im dramatischen Find Shelter und im abschließenden You And I. Einen besonders starken melodischen Ertrag verkörpert auch Not Gonna Take It Anymore (mit der Verszeile „die Mauern von Jericho fallen“), wo das „symphonische Schwelgen“ der Keyboards des Gastkeyboarders Günter Werno von Vanden Plas ein wichtiges Element bei der Schaffung der spezifischen Atmosphäre und der Steigerung der epischen Bombastik darstellt, die dieser hervorragende Song einfängt (der Eröffnungsrhythmus entfaltet sich in arenaerprobter, für Queen typischer Pomposität).

Mandy Meyer und Kai Hansen drängen sich nicht zwangsläufig in den Schoß des typischen Power-Metal-Gezupfes über Terz-Riffs, sondern lassen den grundlegenden Gitarrenfiguren in den Arrangements meist Raum zum „freien Atmen“ – womit Unisonic gelegentlich die Konturen klassischer Judas Priest annehmen (Find Shelter). Die Gitarrenduelle teilen sie in den Middle-Eight-Passagen oft in mehrere Abschnitte auf. Einer der gelungensten Momente, was die gebotenen Gitarrenspielereien betrifft, gelingt ihnen in einem Song wie Throne of the Dawn. Insgesamt sorgen die beiden Gitarristen mit ihrer Ideenvielfalt dafür, dass beim Hören des Albums keine Sekunde Langeweile aufkommt. Die mittleren Instrumentalpassagen sind nämlich allesamt meisterhaft verdichtet, und die Ergänzung der beiden Gitarrenansätze könnte nicht besser funktionieren.

Angesichts der musikalischen Hintergründe gleich dreier Bandmitglieder von Unisonic, die im Hard Rock verwurzelt sind, überrascht es nicht, dass einzelne Tracks eher dem Hard Rock als dem Power Metal zuzuordnen sind. Unisonic können zwar gelegentlich in Richtung Stil und Sound der Stammbands von Hansen und Kiske tendieren, doch das restliche Trio, das aus dem Hard-Rock-Umfeld stammt, bringt einen so konkreten ideellen Beitrag bei der Gestaltung der Arrangements ein, dass diese das Album „Light of Dawn“ glücklicherweise von klischeehaften Ähnlichkeiten befreien – sei es mit Helloween oder mit Gamma Ray. Das neue Album von Unisonic wirkt im Vergleich zum ohnehin exzellenten Studiodebüt noch stilistisch definierter, ideell prägnanter und ausdrucksstärker fokussiert. Ebenso klingt das neue Album düsterer, bietet noch mehr dramatische Zugkraft und in der Produktion eine Nuance mehr Lebendigkeit und wuchtige Druckdichte.

Angesichts der großen Strahlkraft der eingängigen Leadmelodien in Strophen und Refrains ist klar, dass dahinter erfahrene Musiker und höchst geschickte Arrangeure stecken, die gleichzeitig gekonnt um die „Klischee-Slalomstangen“ herumdriften – so dass wir mit „Light of Dawn“ ein Album bekommen, das ganz direkt gesagt „meisterhaft neu verpacktes altes Zeug für neue Zeiten“ ist. Beim Hören dieses Albums werden sich alle Fans von Helloween, Gamma Ray, aber auch Place Vendome und Pink Cream 69 rundum wohl und zu Hause fühlen. 

Besetzung

Michael Kiske – Gesang
Kai Hansen – Gitarre, Hintergrundgesang
Mandy Meyer – Gitarre
Dennis Ward – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Kosta Zafiriou – Schlagzeug, Percussion

GASTMUSIKER:
Günter Werno – Keyboards

Produktion

Dennis Ward

Tracklist

1. Venite 2.0 (1:30)
2. Your Time Has Come (5:03)
3. Exceptional (5:02)
4. For the Kingdom (4:58)
5. Not Gonna Take Anymore (4:26)
6. Night of the Long Knives (5:02)
7. Find Shelter (5:00)
8. Blood (4:45)
9. When the Deed Is Done (5:06)
10. Throne of the Dawn (4:50)
11. Manhunter ( 3:37)
12. You and I (5:20)

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