Lepi novi svet

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Pankeroschi
Label: Društvo kočevskih glasbenikov
Erscheinungsjahr: 2013
Laufzeit: 43:35
Bewertung: 4/5

Manche Dinge landen auf dem »zgoščefon« (lies: der neue slowenische Begriff für CD-Player) später, als man es erwartet oder erhofft hätte. Zum Glück setzt der Kunst (und damit auch der Musik) kaum Rost an, wenn sie mit Herzblut und Aufrichtigkeit erschaffen wurde. Der Preis dafür ist ihre Unvergänglichkeit, die weder zeitliche noch räumliche Grenzen kennt und die Aktualität ihrer eigenen Aussage dauerhaft bewahrt.

Wir Slowenen waren schon immer verdammt gute Punker! Vielleicht etwas schlechtere Rebellen, aber was Punk angeht, kommt uns in der europäischen Region, die wir geografisch einnehmen, kaum jemand nah. Das vergessen wir viel zu oft.. Pankeroschi sind eine Band aus Kočevje, die seit sechzehn Jahren gnadenlos zubeißen. Erst letztes Jahr kämpfte sich ihr erstes Studioalbum »Lepi novi svet« ans Licht der Welt. Die Band ist der Bitterkeit der alteingesessenen Hardcore-Punk-Ästhetik verschworen und bietet auf dem Studiodebüt ganze 15 Songs voller Schärfe, die auch nach langer Dienstzeit kein bisschen stumpfer sind und eine saftige Faust Dynamit edler Eigenkompositions-Note hinlegen, die sofort alle irren Gedanken über irgendeine Band zerstreut, die im Schein des Konformismus denken würde. Pankeroschi sind echter Aufstand gegen einen Zustand, der der Würde jedes kleinen Menschen unwürdig ist. Das ist die »schöne (verlogene) neue Welt«, die uns selbsternannte Seelsorger dickfällig schon seit 2000 Jahren billig verkaufen, und wir fallen ihnen in der Hoffnung, dass es besser wird, immer noch drauf herein. Pankeroschi sind in ihren Texten nämlich kompromisslos. Sie hauen direkt rein und kennen keinen Platz für Beschönigungen. Das Quartett benutzt die direkte Sprache heiliger Wahrhaftigkeit, die wie eine Atombombe erschüttert. Das Album ist eine echte Schulstunde darin, wie ein Album der aufständischen Rock ’n‘ Roll-Revolten-Rhetorik auszusehen hat! Den Albumstart hatte still die Kompilation »Kočevje špila – Grupn«i (2012) – RockLine-Rezension HIER, zu der Pankeroschi den Song Lepi novi svet beigetragen haben, still angekündigt.

Das Debüt spiegelt die energetische Vibration der heutigen Pankeroschi wider. Sie haben das Material also direkt im Studio aufgenommen, das die Crew der aktuellen Besetzung der letzten paar Jahre eingespielt und mitgestaltet hat. Material haben die Jungs und das Mädel zwar mehr, aber nicht alle Songs haben sie aufs Debüt gepackt. Der Sound, den die Band im Studio entwickelt hat, ist roh, entfettet, aber gleichzeitig knackig platziert und kompakt! In seiner Authentizität sofort überzeugend. Auf hohem Niveau gespielt. Herzlich und zornig. Nach dem Prinzip eines Live-Auftritts. Der verzerrte, kratzig-schroffe Sound behält den Glanz des Ungeschliffenen bei und entfaltet in seiner gelegentlichen Massivität  eine Art Zerstörungskraft, die auch Fans von schwereren, also Metal-Klängen gefallen wird.

Pankeroschi sind eine Band, die es nicht kompliziert. Gitarrist Pero bringt in den Song einen giftig beißenden Riff, der für die graue Masse des Durchschnittshörers keine allzu hohen Schwierigkeitsstufen kennt. Mit der Schärfe, die das glühende Galoppieren geschärfter Gitarrenriffs bringt, unterlegt mit einem stampfenden Tornado aus Snare-Drum und dem stoßweisen Rasseln der Bassgitarre, ist er der Garant eurer »Lobotomie«, was ein Spiegel der Tatsache ist, dass mit dem Prinzip der Hardcore-Punk-Kultur, der Pankeroschi sich annähern und die sie weiterentwickeln, nicht zu spaßen ist. Der Gesang ist nicht schrill, aber donnend, trotzig verbissen wie ein Hund, durchdringend und ein echter Spiegel des Elends und Glanzes der schönen neuen Welt und der Wut der Straße. Hinter jeder Parole verbirgt sich die Spreu des Betrugs. Und genau das legen Pankeroschi in ihren Texten unverblümt bloß. Das ist eine Old-School-Band, die nichts von »Parfüm« und kosmetischer Schminke der Studio-»Prothetik« hält, mit ätzenden Inhalten, die euch die Gehörgänge gründlich reinigen und reinen Wein darüber einschenken werden, was eine echte Punk-Seele alles beinhalten muss!

Die 15 Songs bringen in ihrer Aggressivität aber nicht nur einen kompromisslosen »Blitzkrieg« direkt auf die Gerade, sondern legen auch das Gespür der Band für Musikalität bloß, worauf bereits der Song Kamn okol vratu schnell hinweist, während gleich danach NSPSS darauf aufmerksam macht, dass Peros Gitarrenphrasen-Konstrukt deutlich mehr Fantasie birgt als nur der »vorhersehbare Spaziergang durchs Quadrat« mit vier Quinten.

Pankeroschi sind eine Band von besonderer musikalischer Essenz, besonderer Vibration des HC-Punk-Ansatzes. Es bestätigt sich, dass die Region Kočevje eine der attraktivsten Underground-Rock-Destinationen im slowenischen Musikraum ist! Das Album »Lepi novi svet« strahlt die Einzigartigkeit der musikalischen Pose aus, die die Band einnimmt. Mit ihrer »heiligen Einfachheit« und Wahrhaftigkeit sowie der entwickelten Spannung zerstörerischen Zorns, dem die Band stets mit großer Leidenschaft und fleißigem Einsatz begegnet, überzeugt sie durch und durch. Die Sympathien echter Hardcore-Punk-Enthusiasten dürfen und können nicht ausbleiben! Wenn sie es wagen, der Wahrheit ins Auge zu sehen, ganz sicher nicht!

Besetzung

Dare – Gesang
Pero – Gitarre
Ive – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Petra – Schlagzeug 

Produktion

Primož Velikonja

Trackliste

1. Vladar
2. Kamn okol vratu
3. NSPSS
4. Lepi novi svet
5. Pot do svobode
6. Nikoli
7. Noč
8. Delat
9. Safr
10. Pa sej bolje bo
11. Demokracija
12. Sam proti sebi
13. Ni pravice
14. Nni pravice
15. Adijo politika
 

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